2018: Gereimte Fastnachtspredigt zu Amos 5, 21-24

Der äußerliche Gottesdienst tut’s nicht
21 Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen.
22 Und wenn ihr mir auch Brandopfer und Speisopfer opfert, so habe ich kein Gefallen daran und mag auch eure fetten Dankopfer nicht ansehen.
23 Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören!
24 Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.

Gereimte Fastnachtspredigt
von Kerstin Schäfer, 11. Februar 2018

1. „Heute bleibt die Kirche kalt.
Wir feiern Gottesdienst im Wald.“
Das trifft für uns jetzt nicht grad zu;
wir lassen Kirch‘ und Wald in Ruh‘

2. und feiern Gottesdienst im Saal,
genau wie anno dazumal.
Man kann auf viele schöne Arten
auf Erden Gottes Reich erwarten.

3. Ob Fastnachtspredigt, Ostergang,
ob Waldandacht, Taizégesang,
Festgottesdienst, Passionsandacht,
Kantate, Konfi, „Frei-Tag-Nacht“,

4. ob Anfang März das Weltgebet,
bei dem’s um Ökumene geht,
ob Abendmahl für Kleine, Große,
Gründonnerstag mit Grüner Soße,

5. ob Freiluft, Zelt, ob Philippseich,
wir streben all‘ nach Gottes Reich.
´s gibt Gottesdienste just für Kinder
und für Erwachsene nicht minder,

6. auch solche von und für die Jugend,
denn die pflegt gleichfalls solche Tugend.
Ein Gottesdienst für Konfirmanden
ist fest im Jahresplan vorhanden.

7. Das Pfingstfest und auch Erntedank
reiht sich am Kirchenjahr entlang,
nicht zu vergessen der Advent,
den jedes Kind beim Namen kennt.

8. Christvesper, -mette, Krippenspiel,
Wir Christen feiern ziemlich viel.
Weit über fünfzig Mal im Jahr
versammelt man sich beim Altar.

9. Und jetzt tritt Amos auf den Plan,
der sagt, dass Gott nicht leiden kann,
wie wir hier singen oder beten.
Da wär was anderes vonnöten.

10. Laut dem, was Amos zu uns spricht,
mag Gott die Gottesdienste nicht.
Die Opfer, die wir brav entrichten,
auf die will dankend Gott verzichten.

11. Er hasst auch Lieder und Musik.
Ist das ein Schlag nicht ins Genick?
„Geplärr“, sagt er, und „Harfenspiel“,
das sei ihm lange schon zu viel.

12. Manch einer sagt vielleicht jetzt „Endlich!
So ist die Bibel klar verständlich.
Gott scheint den Gottesdienst zu hassen.
Da kann man’s doch grad bleiben lassen.

13. Der Gottesdienst, der lässt mich kalt,
ich geh viel lieber in den Wald.
Bei Fichte, Farn und Eichelhäher,
da bin ich meinem Gott viel näher.

14. Das wusst‘ ich übrigens schon immer.
Der Klerus hat doch keinen Schimmer.
Der zieht uns doch mit seiner Masche
unnötig Geld bloß aus der Tasche

15. und wird vom Staat noch unterstützt,
obwohl das keinem Menschen nützt.
Die Steuer, die uns auferlegt,
wär anders besser angelegt.

16. Des Weiteren gibt‘s überhaupt
kaum wen, der an die Kirche glaubt.
Gemeinsam beten ist mir schnuppe.
Ich such mir jetzt ´ne andre Gruppe.“

17. Und schwupps! Obgleich bei uns gebor‘n,
ist so ein Schaf für uns verlor‘n.
Der Rest der Herde schaut belämmert.
Ja, sind wir denn total behämmert?

18. Hat dieser Mensch am Ende Recht?
Ist unser Gottesdienst so schlecht?
Was ist es denn, was Gott so stört?
Hab‘n wir den Schuss bloß nicht gehört?

19. Und was dabei das Schlimmste ist:
So geht’s seit 800 vor Christ!
Erschließt uns Gott die alten Quellen,
um Gottesdienste einzustellen?

20. Ich sag an dieser Stelle „Nein“,
das kann die Lösung noch nicht sein!
Wär Gottesdienst ein Haufen Stuss,
gäb’s keinen Gottesdienstausschuss.

21. Der freilich kümmert sich um Formen
im Rahmen festgefügter Normen:
Begrüßung, Votum, Psalm, Gebet.
Man hört, was in der Bibel steht.

22. Auch singt man „Halleluja“, „Amen“,
und lobt beständig Gottes Namen.
Den Glauben gilt es zu bekennen,
die Predigt nicht ganz zu verpennen.

23. Ganz wichtig auch: Fürbitte halten
für all die Armen, Kranken, Alten.
Auf Vaterunser selbstverständlich
folgt Abschlusslied und Segen endlich.

24. Kantorin haut noch in die Tasten.
Auf geht’s zu „7 Wochen Fasten“!
„War das nicht heute wieder schön!?
Ich werd‘ beschwingt nach Hause gehn.“

25. Doch lasst uns noch mal kurz betrachten,
wie wir auf unsern Nächsten achten,
den wir zwar im Gebet genannt,
doch der uns völlig unbekannt

26. und schlimmstenfalls auch schnuppe ist,
sodass man ihn sofort vergisst.
Wenn dieser Mensch aus dem Gebet
da draußen plötzlich vor uns steht,

27. dann sollten wir uns rasch besinnen,
auf unsre Fürbitte da drinnen.
Da heißt es: Kümmern, Helfen, Heilen
und nicht nur schnell vorüber eilen.

28. Drum sagt uns Amos ins Gesicht:
„Der äuß’re Gottesdienst tut’s nicht.“
Du musst den eignen guten Willen
direktemang mit Leben füllen.

29. Auch klagt der Amos seinerzeit,
es mangle an Gerechtigkeit:
Der Reiche nimmt sich schlicht das Beste;
der Arme kriegt nicht mal die Reste,

30. muss vielmehr nach des Gutsherrn Willen
den harten Frondienst noch erfüllen.
Der Gutsherr bringt als Opfer dar
des Landmanns Früchte beim Altar.

31. Er singt und lässt die Harfe klimpern
und zuckt noch nicht mal mit den Wimpern,
wenn nebendran der arme Wicht
vor Arbeit fast zusammenbricht.

32. Solch „Gottesdienst“ mit Rauchesschwaden
bringt Amos auf die Barrikaden:
„Ihr kommt und opfert Geld in Scharen;
das könnt ihr euch wahrhaftig sparen.

33. Gott mag nicht riechen, hör‘n und sehen,
wie Menschen Gottesdienst begehen,
wenn alles Recht auf dieser Welt
de facto hinten runterfällt.“

34. Nun könnt‘ man nach so langer Frist,
die seit dem Text vergangen ist,
zu Amos sagen: „Guter Mann,
das geht uns heut‘ doch nichts mehr an.

35. Der Vorwurf mit dem Liedgeplärr
ist fast dreitausend Jahre her!
Anachronistisch ist es auch,
dass Gott beim Speiseopfer-Brauch

36. direkt die Zornesader schwillt.
Wir hab’n noch nie ein Tier gegrillt
in Gottesdienst- und Kirchenräumen.
Das ließen wir uns gar nicht träumen.

37. Heut macht das Auditorium
nicht mehr so ein Brimborium.
Wir hab’n die Liturgie verkleinert.
Wir hab’n das Harfenspiel verfeinert,

38. und auch die Orgel kam hinzu.
Jetzt lass uns mit dem Stress in Ruh‘.“
Dann wird der Amos sagen: „Halt!
Mir geht es nicht um die Gestalt.

39. Ob drei Akkorde oder vier –
das konnten wir so gut wie ihr.
Nein: Euer Gottesdienst-Verhalten
soll euren Alltag mitgestalten.“

40. Das Recht, es soll wie Wasser strömen,
wenn wir zur Kirche uns bequemen.
Der Bachlauf der Gerechtigkeit
soll nie versiegen weit und breit.

41. Das Bild des Wassers spricht mich an,
das ungehindert strömen kann.
So will es Amos uns verklickern.
Doch Wasser kann auch leicht versickern.

42. Das gilt besonders in der Wüste.
Drum insistiert der Amos: Siehste:
Der Fluss des Rechts ist oft so klein
wie’n Tropfen auf den heißen Stein.

43. Und es bedarf immenser Quellen,
den Flusslauf wieder herzustellen.
Uns dürstet nämlich stets nach Recht,
und wer’s nicht kriegt, dem geht es schlecht.

44. Die Jahreslosung kann zuweilen
uns in dem Punkt zu Hilfe eilen.
„Ich will dem Durst’gen Wasser geben,
denn Wasser, das bedeutet Leben.

45. Lebendig‘ Wasser soll ihn laben;
das ist bei mir umsonst zu haben.“
Gott selbst verspricht uns solche Nahrung.
So steht es in der Offenbarung.

46. Zurück zum Alten Testament:
Was Amos auf der Seele brennt,
genießt ´nen ziemlich hohen Rang
und ist für uns noch von Belang.

47. Des Amos‘ Wort gilt in der Welt,
weil’s in die Bibel Einzug hält.
Und was mich überhaupt nicht wundert:
Es gilt in jeglichem Jahrhundert.

48. Der Luther sagt zu seiner Zeit,
der Gottesdienst sei dann gescheit,
wenn er als Liebesdienst ergrünt,
indem er den Bedürft‘gen dient.

49. Paul Gerhardt fordert seinerzeit,
man sei zu Gottes Dienst bereit,
denn Gott zeigt nichts als lauter Lieben
für die, die in dem Dienst sich üben.

50. Bonhoeffer sagt zu seiner Zeit:
Nur der, der für die Juden schreit,
für den kann Gottesdienst gelingen;
der darf gregorianisch singen.

51. Und uns begeistert heut‘ der Amos
und schmettert sein beherztes „Vamos!“
Macht euch zum Gottesdienst bereit,
denn es ist allerhöchste Zeit.

Amen

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