2020: Gereimte Fastnachtspredigt zu Lukas 18, 31-43

Die dritte Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung
31 Er nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. 32 Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und misshandelt und angespien werden,
33 und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er auferstehen.
34 Sie aber verstanden nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie begriffen nicht, was damit gesagt war.
Die Heilung eines Blinden bei Jericho
35 Es geschah aber, als er in die Nähe von Jericho kam, da saß ein Blinder am Wege und bettelte.
36 Als er aber die Menge hörte, die vorbeiging, forschte er, was das wäre.
37 Da verkündeten sie ihm, Jesus von Nazareth gehe vorüber.
38 Und er rief: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
39 Die aber vornean gingen, fuhren ihn an, er sollte schweigen. Er aber schrie noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
40 Jesus aber blieb stehen und befahl, ihn zu sich zu führen. Als er aber näher kam, fragte er ihn:
41 Was willst du, dass ich für dich tun soll? Er sprach: Herr, dass ich sehen kann.
42 Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat dir geholfen.
43 Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach und pries Gott. Und alles Volk, das es sah, lobte Gott.

Gereimte Fastnachtspredigt
von Kerstin Schäfer, 23. Februar 2020

1. Was du nicht willst, das man dir tu,
das füg auch keinem andern zu.
Doch was du willst, das man dir tu,
das sprich gleich offen aus – nur zu!

2. Ich kenn ein altes Ehepaar,
wo jeder gern dem andern gönnt,
was er bei ihm seit Tag und Jahr
als dessen Herzenswunsch erkennt.

3. Sie hat für sich herausgefunden:
Er liebt die Brötchenhälfte oben.
Und er kann feierlich bekunden:
Sie wird die unt’re Hälfte loben.

4. So kam’s, weil – jung und unerfahren –
den Wunsch zu äußern man vergaß,
dass jeder während fünfzig Jahren
die falsche Brötchenhälfte aß.

5. „Was willst du, dass ich für dich tu?“
fragt Jesus einen blinden Mann,
und der gibt unumwunden zu:
„Herr, dass ich wieder sehen kann.“

6. Und Jesus heilt ihn auf die Schnelle.
Ein Wort beendet seine Pein.
Der Bettler folgt ihm auf der Stelle.
So einfach kann das Leben sein!

7. Doch lasst uns auf den Anfang schauen:
die Jünger, die mit Jesus geh’n,
die müssen erst einmal verdauen,
was ihm in Bälde soll gescheh’n.

8. Angeblich wird er von den Heiden
bald ausgepeitscht und angespien.
Er spricht von Tod und großem Leiden,
und trotzdem will er weiterzieh’n.

9. Sie wollten mit ihm aufwärts streben
im Geiste großer Euphorie,
ein Highlight mit dem Heiland eben,
Erfolg versprechend wie noch nie!

10. Doch Jesus nimmt sie sanft beiseite.
Er sagt es ihnen ganz konkret,
dass ihn sein Weg zum Sterben leite,
wie’s schon bei den Propheten steht.

11. Jerusalem so knapp vor Augen,
bedeutet das nicht Höhenflug,
der als Triumphzug könnte taugen?
Die Jünger werd‘n aus ihm nicht klug.

12. Sie sind die glühendsten Verehrer.
Sie teilen mit ihm Fisch und Brot.
Und jetzt spaziert der große Lehrer
sehenden Auges in den Tod?

13. Ihr Meister ist des Lebens Quelle,
bis hierher war es richtig toll.
Sie schwimmen mit auf dieser Welle.
Grad ist doch alles Wunder-voll!

14. Vom Leiden woll‘n sie gar nichts hören,
die Aussicht finden sie zu trist.
Dreimal tat er sie schon belehren,
schreibt Lukas, der Evangelist.

15. Da sind doch Hopf‘ und Malz verloren,
versperrt wohl auch die rechte Sicht.
Die Jünger hab’n was an den Ohren.
Warum begreifen sie’s denn nicht!?

16. Obwohl nun Jesu eig‘nen Leuten,
die harte Botschaft nicht gefällt,
weil sie sich auf was Bess’res freuten
sagt er: „Ihr seid das Licht der Welt.“

17. Und auch: „Ihr seid das Salz der Erde,
wenn andres Salz die Kraft verliert,
dass es von neuem salzig werde
und jedermann die Wirkung spürt.“

18. „Ich bin der Weinstock, ihr die Reben.
Des süßen Weinstocks starker Saft-
das werdet ihr mit mir erleben –
bringt täglich neue Stärk‘ und Kraft.“

19. Lebend’ge Wasser sollen fließen
von dem, der sich an Jesus hält.
Sie lassen Glaubensfrüchte sprießen
und strömen durch die ganze Welt.

20. Als Jesus diesen braven Leuten
das große Werk hat zugetraut,
sein Evangelium zu verbreiten,
hat er auf keinen Sand gebaut.

21. Lädt nicht seit rund zweitausend Jahren
die Bibel uns zum Schmökern ein,
um Gottes Worte zu erfahren?
So schlecht kann wohl ihr Werk nicht sein!

22. Der zweite Teil von der Geschichte
zeigt Jesus, der mit seiner Art
– so sagen’s vielerlei Berichte –
stets neue Jünger um sich schart.

23. Denn als nach Jericho sie kamen,
ein Blinder saß am Wegesrand.
Der rief „Sohn Davids, hab Erbarmen!“
und nahm sein Schicksal in die Hand.

24. Zwar wollten sie ihn daran hindern,
grad die, die schreiten vornean.
Doch er will jetzt sein Leiden lindern,
sonst ist vielleicht die Chance vertan.

25. „Sohn Davids, hilf, erbarm dich meiner!“
so fordert er in seiner Pein.
Als Bettler fühlt er sich oft kleiner.
Er will auf Augenhöhe sein,

26. aufschauen, seh’n, ins Antlitz blicken,
ein Angeseh‘ner sein von Gott.
„Kommt her, ich will euch all‘ erquicken.“
War das nicht Jesu Angebot?!

27. Der Blinde muss noch lauter rufen,
damit ihm nicht die Chance entflieht.
Die Menge scharrt schon mit den Hufen,
dass sie mit Jesus weiterzieht.

28. Doch Jesus dringt durch das Getöse,
er leiht dem Blinden jetzt sein Ohr.
(Das heißt, wenn ich das jetzt so lese,
dann kommt’s mir wieder seltsam vor.)

29. Sollt er ihm nicht ein Auge leihen
als Vorgeschmack aufs Augenlicht,
und ihn von seinem Los befreien,
der ewig eingetrübten Sicht?

30. „Was willst du, dass ich für dich tue?“
Die Frage scheint uns sonderbar.
Mir lässt sie heute keine Ruhe:
Ist das nicht ohnehin schon klar?

31. Was wird der Blinde denn schon wollen,
der Jesus dringend sprechen mag?
Hier sitzen und auf ewig schmollen,
womöglich bis zum Jüngsten Tag?

32. Ganz klar: der will jetzt endlich sehen,
wie all die andern um ihn her.
Dann könnt‘ er auch gleich aufrecht gehen
und alles wär nicht mehr so schwer.

33. Nein, Jesus will es erst mal hören,
was diesen armen Bettler plagt.
Er muss ihn gar nicht groß belehren,
weil der ihm gleich das Richt‘ge sagt:

34. „O Herr, ich möchte sehen können.“
Er weiß durchaus, wovon er spricht.
Und Jesus wird es ihm gleich gönnen:
sein lang ersehntes Augenlicht.

35. „Sei sehend,“ sagt er zu dem Blinden
und fügt hinzu, dass in der Tat,
um die Gesundheit neu zu finden,
sein Glaube ihm geholfen hat.

36. Dem fällt’s wie Schuppen von den Augen.
Er traut sich endlich aufzusteh’n,
um Jesu Worte aufzusaugen
und seinen Weg mit ihm zu geh’n.

37. Solch Glauben nennt man auch Vertrauen,
wie‘s hier der Blinde offenbart.
Er konnte auf den Herren bauen –
Vertrau‘n mit Zuversicht gepaart.

38. Die Jünger schau’n in jenen Tagen
missmutig drein und geh’n gebückt.
Mit Blindheit scheinen sie geschlagen.
Einzig der Blinde hat’s geblickt.

39. Blindes Vertrauen kann gedeihen
womöglich auch durch schweres Leid.
Den Blinden konnte das befreien.
Die Jünger lernen’s mit der Zeit.

40. „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder“,
sagt Jesus ihnen zum Vergleich,
„dann werdet ihr auch nicht gesünder.
Dann kommt ihr nicht ins Himmelreich.“

41. Seid ihr auch kränklich, schwach und schmächtig,
so haltet doch am Glauben fest:
Die Kraft ist in den Schwachen mächtig,
die Jesus in uns wirken lässt.

42. Wenn Gottes Sohn in tiefste Tiefen
des Leidens in den Abgrund steigt,
hört er auf die, die nach ihm riefen
und zeigt sich ihnen zugeneigt.

43. Er ist es, der ihr Leid beendet,
weil er den Schmerz mit ihnen teilt,
er, der die Not der Menschen wendet
und uns durch seine Wunden heilt.

44. Zu denen, die mit Jesus gehen,
sagt er, dass jene selig sind,
die glauben, ohne was zu sehen,
denn die vertrauen eben blind.

45. Man kann sich auch darin verrennen,
aufs eig‘ne Seelenheil erpicht,
zu sagen „Ich will glauben können,
doch ich versteh‘ so vieles nicht.“

46. Mach bloß dein Wissen und Verstehen
nicht zu des Glaubens Nadelöhr.
Hier kann‘s nicht um den Grundsatz gehen:
„Dem Ingenieur ist nichts zu schwör!“

47. Hier geht es drum, sich einzulassen.
Mit Hoffnung auf das Leben schau’n!
Die Menschen lieben, statt zu hassen!
Da sind wir wieder beim Vertrau’n.

48. Wenn ich im Brief an die Hebräer´
nen Hinweis auf Vertrauen such‘,
komm ich der Sache gleich viel näher,
denn da steht unser Hochzeitsspruch:

49. „Werft das Vertrauen niemals weg,
denn seht: Es findet reichen Lohn.“
Tragt euer Herz am rechten Fleck,
dann trefft auch ihr den guten Ton.

50. Vertrauen kann uns dann gelingen,
wenn wir es außer unser’m Gott
den Menschen auch entgegenbringen,
die mit uns teilen Fisch und Brot.

51. Das sollt‘ sich nicht darauf beschränken,
wenn sie sagt „heute gibt es Fisch“,
dass er dann ohne viel Bedenken
darauf vertraut, der Fisch ist frisch.

52. Vertrauen, wenn uns Zweifel plagen
und wenn die ganze Welt uns stresst,
heißt, dass man auch in schweren Tagen
sich aufeinander blind verlässt.

53. Mein Mann und ich hab’n das erfahren:
Das Leben ist nicht mehr so trist,
weil jeder nun seit dreißig Jahren
die richt’ge Brötchenhälfte isst.

54. Und euch bewahre Gottes Frieden,
der höher ist als die Vernunft,
egal was wir für Pläne schmieden
zur nächsten Kirch-Zusammenkunft.

Amen

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