2021: gereimte fastnachtspredigt zu Lukas 10, 38-42

„Maria und Marta“ – Das gute Teil

38 Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf.

39 Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu.

40 Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihnen zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll!

41 Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe.

42 Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.

Gereimte Fastnachtspredigt
von Kerstin Schäfer, 14. Februar 2021

1) Es kommt auf seinem langen Wege
der Jesus heut in Martas Haus,
und dieses sieht dank Martas Pflege
hübsch aufgeräumt und reinlich aus.

2) Doch Marta sieht die Zahl der Gäste
und denkt sich gleich: „O Gott, o Gott,
was trag ich denn bei diesem Feste
an Gutem auf und was tut not?

3) Zunächst mal reiß ich alle Türen
und auch die Fenster ganz weit auf.
Hinaus, hinaus mit allen Viren!
Die gibt’s ja leider heut zu Hauf.

4) Es klingt doch wohl nicht zu vermessen,
wenn ich die Herren weis‘ zurecht,
dass jeder bitte vor dem Essen
sich erst einmal die Hände wäscht.

5) Die Klinken und auch die Geländer
sind abgewischt heut Morgen schon.
Wo find ich denn jetzt bloß die Spender
mit dieser Hand-Desinfektion?

6) Die Alltagsmasken, die wir tragen,
die zieh‘n wir über Nas‘ und Mund!
Ihr braucht euch gar nicht zu beklagen;
das hält uns hoffentlich gesund!

7) Und auch die Hälfte aller Stühle
trägt neuerdings ein lila Band,
denn das verschafft in dem Gewühle
uns einen Sicherheitsabstand.

8) Nun hätt‘ ich‘s beinah noch vergessen
im ganzen Sorgfalts-Dauerlauf:
Die Herren wollten doch was essen.
Ich geh sogleich und trag was auf.“

9) Damit enteilt sie in die Küche
und schaut, ob auch das Essen reicht:
Oliven, Brote, Fleisch und Fische.
Die Marta macht es sich nicht leicht.

10) Sie kocht und brät in allen Pfannen
ein ausgesproch‘nes Festtagsmahl
für Jesus und für seine Mannen
und kommt damit zum Speisesaal.

11) Sogleich wird ihre Last noch schwerer:
Wie angewurzelt stand sie da,
als sie erst auf den großen Lehrer
und dann auf ihre Schwester sah.

12) Die Marta hat in ihrer Eile
es kaum geschafft, den Herrn zu grüßen,
da sitzt schon seit geraumer Weile
Maria faul zu Jesu Füßen.

13) „Der Schlendrian wird jetzt beendet!“
Darauf ist Marta ganz erpicht,
worauf sie sich an Jesus wendet,
dass der jetzt mal ein Machtwort spricht.

14) „Schau sie dir an, die olle Triene!
Wie kommt‘s, dass du dich gar nicht fragst,
warum ich dir alleine diene,
und sie nicht in die Küche jagst?“

15) „Du machst viel Sorgen dir und Mühe,“
sagt Jesus zu der guten Frau.
„Du drischst das Korn und melkst die Kühe.
Na klar, ich sehe das genau.

16) Doch lass dir heute eines sagen,
auch wenn dir das grad nicht gefällt:
Maria werd ich nicht verjagen;
sie hat das gute Teil erwählt.

17) Und das wird nicht von ihr genommen,
denn dieses eine, das tut not.
Ein jeder sollte das bekommen,“
sagt Jesus, „wie das täglich Brot.“

18) Es muss erst ins Bewusstsein sickern.
Ich bin heut Marta – tut mir leid.
Was will der Jesus mir verklickern?
Ich hab jetzt nur zum Kochen Zeit.

19) Und auch zum Spülen, Waschen, Putzen,
da brauch ich keinen guten Rat.
Da muss ich jede Stunde nutzen,
dass alles seine Ordnung hat.

20) Was würde es Maria nützen,
die ihren Müßiggang jetzt pflegt,
auf diesem Boden hier zu sitzen,
wenn ich den nicht hätt‘ blankgefegt!?

21) Wie sollt‘ sie geist’ge Nahrung essen,
wenn ich nicht ihr Versorger wär‘?
Sie hätt‘ den Einkauf glatt vergessen.
Dann wär‘ die Vorratskammer leer!

22) Ich würd‘ auch gern bei Jesus sitzen
und hätt‘ ihm gern mein Ohr geborgt.
Doch ich muss rödeln, schaffen, flitzen,
weil sich das Haus nicht selbst versorgt.

23) Das Schlimmste ist bei der Geschichte:
Dieweil es in mir schreit und tobt,
weil ich allein das Essen richte,
da wird Maria noch gelobt!

24) Sie hätt‘ das bessre Teil ergattert
aufgrund ihrer Kontemplation,
während bei mir das Herzband flattert.
Ich find mich nah am Burnout schon.

25) „Moment! Wir wolln’s nicht übertreiben,“
stoppt Jesus die Gedankenflut,
„und schön bei meinem Wortlaut bleiben:
Es hieß nicht ‚besser‘, sondern ‚gut‘.

26) Das gute Teil sich zu erwählen
ist keine faule Frömmelei.
Zu hör‘n, was ich hab‘ zu erzählen,
das steht dir ganz genauso frei.

27) Dass du den Haushalt hältst am Laufen,
das hab‘ ich gar nicht kritisiert.
Doch sollst du erst einmal verschnaufen,
dass dir kein Unglück noch passiert.“

28) Vielleicht lässt Marta sich jetzt nieder,
statt weiter frisches Brot zu rösten,
und lässt sich auch durch solche Lieder
wie das von Georg Neumark trösten:

29) „Denk nicht in deiner Drangsalshitze,
dass du von Gott verlassen seist
und dass ihm der im Schoße sitze,
der sich mit stetem Glücke speist.“

30) Mit Sorgen, Mühen und mit Grämen
und dadurch, dass man sich verrenkt,
kann man das Gute sich nicht nehmen.
Das gute Teil wird uns geschenkt!

31) So steht es auch in vielen Psalmen:
„Gott ist mein Licht und auch mein Heil.“
Das Volk begrüßt den Herrn mit Palmen
als „seines Herzens Trost und Teil.“

32) Psalm sechzehn spricht vom guten Leben:
„Mir fiel mein Los auf lieblich Land.
Das Erbteil, das mir ward gegeben,
das kommt direkt aus Gottes Hand.“

33) Auch auf Paul Gerhardt woll’n wir hören,
der singt so gern „mit Herz und Mund“.
Er kennt die süßen Himmelslehren
und singt und macht auf Erden kund:

34) „Wohlauf, mein Herze, sing und springe.
Dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil,
dein Gott, der Ursprung aller Dinge,
er ist dein Schatz, dein Erb und Teil.“

35) „Ihn, ihn allein lass tun und walten,
er ist fürwahr ein weiser Fürst
und wird sich oftmals so verhalten,
dass du dich drüber wundern wirst.“

36) „Wohl dem,“ sagt Paul, „der einzig schauet
nach Jakobs Gott und seinem Heil.
Wer dem sich gänzlich anvertrauet,
der hat, weiß Gott, das beste Teil.“

37) In weit’ren Liedern fand ich Worte,
die helfen zum Verständnis viel:
Nebst „Tut mir auf die schöne Pforte“
„Such, wer da will, ein ander Ziel“.

38) „Wenn du, Herr, redest, will ich hören,
so sei dein Wille stets erfüllt.
Und nichts soll meine Andacht stören,
aus dir der Brunn des Lebens quillt.“

39) „Ihr Menschen, die das Heil begehret,
ach, sucht doch den, lasst alles steh’n.
Er ist es, der euch Trost gewähret.“
„Es ist zu eurem Heil gescheh’n.“

40) Das ist doch schon mal faszinierend,
was alte Liederdichter schreiben,
die Bibel-Texte stets flankierend,
damit die im Gedächtnis bleiben.

41) Ich meine hier an erster Stelle
zunächst das Neue Testament.
Da sitzt natürlich an der Quelle,
wer Jesus ganz persönlich kennt.

42) Es soll sich niemand dafür schämen,
zu sitzen nah bei Gottes Sohn.
„Kinder, das kann uns keiner nehmen!“
Das wusste meine Oma schon.

43) An alle, die mit krummem Rücken
zum Dienst am Nächsten sind bereit:
„Kommt her, ich will euch all‘ erquicken,
die ihr mit Müh’n beladen seid.“

44) „Der Menschensohn ist nicht gekommen,
damit er sich bedienen lässt,“
die Botschaft ist noch nicht verglommen,
denn er dient uns; soviel steht fest.

45) Er dient, damit am Feiertage
man als Gemeinde sich vereint
und seine Worte weitertrage.
Das ist mit „Gottesdienst“ gemeint.

46) Leibsorge rund um Kleidung, Essen,
die steht jetzt einfach hintenan.
Seelsorge darf man nicht vergessen:
Nur eins ist not. Das ist jetzt dran.

47) Wenn ich mich hier so reden höre,
wird Marta in mir ziemlich klein,
auf die ich sonst so heftig schwöre.
Sollt‘ ich nicht doch Maria sein?

48) Nun sing ich schon seit Ewigkeiten:
„Ich selber kann und mag nicht ruh’n.“
Doch eins muss mich dabei begleiten:
„Des großen Gottes großes Tun.“

49) „Schaut nur die Vögel unterm Himmel,
die tragen nicht des Landmanns Joch.
Die stürzen sich in das Getümmel,
und unser Vater nährt sie doch.“

50) Sind wir als seine Menschenkinder
nicht mindestens das Gleiche wert?
Es lebt wahrscheinlich nicht gesünder,
wer bloß im Hamsterrad verkehrt.

51) Was soll’n wir weiterhin beachten?
Der Jesus hat uns eingebläut,
„zuerst nach Gottes Reich zu trachten
und nach seiner Gerechtigkeit.“

52) Drum, Kinder, sorgt euch nicht um morgen,
denn Jesus bürgt mit seinem Namen:
Der Tag wird für sich selber sorgen.
Wir haben sein Versprechen. Amen

Kabarett Kabarett Kabarett