Die erste Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung
31 Und er fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. 32 Und er redete das Wort frei und offen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren. 33 Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh hinter mich, du Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.
Von der Nachfolge
34 Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. 35 Denn wer sein Leben behalten will, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird’s behalten. 36 Denn was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und Schaden zu nehmen an seiner Seele? 37 Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse? 38 Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.
Gereimte Fastnachtspredigt
von Kerstin Schäfer, 27. Februar 2022
1. Einstmals zog Jesus durch die Wüste,
um dort mit sich allein zu sein.
Prompt sprach der Teufel zu ihm: „Siehste,
ich kann dir große Macht verleih’n.
2. Die gold’nen Felder, bunten Wiesen,
im tiefen Tal der klare Bach,
Weinberge, Wälder dir zu Füßen,
die sind für dich, folgst du mir nach.“
3. Doch Jesus hat dem widerstanden.
Er sagt zum Teufel deutlich: „B’halts!“
Und so erhielt in deutschen Landen
der Landstrich seinen Namen „Pfalz“.
4. Nun lasst uns auf den Ausschnitt schauen,
den uns die Bibel heut‘ beschert:
Wir sind in Galiläas Auen.
Das Leben scheint recht unbeschwert.
5. Grad fragt der Jesus seine Jünger:
„Was glaubt denn ihr so, wer ich sei?“
Schon hebt der Petrus seinen Finger:
„Du bist der Christus – einwandfrei!“
6. Der Petrus, „Fels“ nach Jesu Worten,
auf dem er die Gemeinde baut,
folgt seinem Herrn zu allen Orten,
weil er ihm gleichsam blind vertraut.
7. Die Jünger sind auch sehr begeistert,
als Jesus einen Blinden heilt,
der daraufhin sein Leben meistert
und frohgemut nach Hause eilt.
8. Wenn Jesus Gleichnisse verwendet
von Knechten, Sämann, Ohren, Licht,
dann sind die Jünger ganz geblendet,
selbst wenn er mal in Rätseln spricht.
9. Hat er nicht anfangs gleich verkündet,
wie nahe das Reich Gottes sei?
Die Hoffnung scheint nicht unbegründet.
„Auf, lasst uns gehn! Wir sind dabei!“
10. Plötzlich sagt Jesus frei und offen:
„Ab jetzt beginnt die Leidenszeit.“
Die Jünger steh‘n und seh‘n betroffen:
Dazu sind sie noch nicht bereit.
11. Wenn uns ein Mensch, den wir verehren,
eröffnet: „Kind, ich sterbe bald,“
dann woll’n wir uns dagegen wehren:
„Quatsch, du wirst hundert Jahre alt.“
12. Auch Petrus sträuben sich die Haare,
als Jesus hier vom Sterben spricht.
Drum protestiert er: „Gott bewahre!
Das widerfahre dir nur nicht!“
13. Er will auf Jesus nicht verzichten,
und also schließt er messerscharf:
Kein fremder Herrscher darf ihn richten,
weil nicht sein kann, was nicht sein darf.
14. Doch Jesus kommen Petrus‘ Worte
buchstäblich in den falschen Hals.
Versucher von der üblen Sorte,
die kennt er doch schon aus der „Pfalz“.
15. Will ihn der Jünger jetzt verführen,
so wie er das von Satan kennt?
Ist Aufruhr, Zweifel, Zwietracht schüren
sein eigentliches Element?
16. 1Er geißelt den mit scharfen Worten,
der nie von seiner Seite wich,
um ihn gleich richtig zu verorten:
„Hinweg, du Satan! Hinter mich!“
17. Die neuste Bibelübersetzung
lehnt sich stark an den Urtext an:
Im Sinne einer „Strafversetzung“
stellt Jesus Petrus hinten an.
18. Der Jünger soll ihn nicht behindern,
ihm tunlichst nicht im Wege steh‘n.
Er will im Dienst an Gottes Kindern
den Weg ans Kreuz zu Ende geh‘n.
19. Aus Menschensicht ist das verständlich,
dass Petrus sich dagegen wehrt.
Zwar ist das Leben nun mal endlich,
doch solch ein Tod scheint ihm verkehrt.
20. Er will doch seinen Herrn beschützen,
der Menschen speist und Kranke heilt.
Wem sollt‘ es bitteschön denn nützen,
wenn Jesus ins Verderben eilt?!
21. Das Herz der Jesus-Fan-Bewegung,
das hier in Galiläa schlägt,
zeigt das nicht seine wahre Prägung,
wenn man sich nicht weit weg bewegt?
22. Lass noch mehr Gleichnisse uns hören
von Vögeln, Lilien auf dem Feld,
vom Weinberg, Saat und Senfkorn-Lehren.
Bleib bei uns, Christus, unser Held!
23. Wir woll’n sie weiterhin genießen,
die süße Zone des Komforts.
Kein Mensch soll Fastnacht uns vermiesen,
den Höhepunkt unsres Humors.
24. Wir wolln’s uns weiter gut geh‘n lassen
beim Kurztrip übern großen Teich,
und jubeln, feiern, hoch die Tassen!
Man zahlt ja CO2-Ausgleich.
25. Wir wollen mit der Seele baumeln
am Südsee-Palmenstrand entlang.
Veranstalter sind längst am Taumeln.
Doch wir, wir halten sie in Gang!
26. Manch einer fühlt sich erst lebendig,
wenn er den höchsten Berg besteigt.
Nahtod-Erfahrung ist heut trendig,
besonders wenn`s die Masse liked.
27. Im Kreuzfahrtschiff von edlem Stile
fahr’n wir nach Nord, Süd, West und Ost
und halten dort die Krokodile
für Rettungsboote von Lacoste.
28. Wir sehen keinen Grund zu jammern,
trotz Dürre, Sturmflut, Erdrutsch, Blitz.
Der Strohhalm, an den wir uns klammern,
steckt in ´nem Glas Aperol Spritz.
29. Nur sollten wir’s nicht übertreiben
mit unserm Tanz auf dem Vulkan
und immer schön am Boden bleiben.
Sonst bricht der Übermut sich Bahn.
30. „Ihr stürzt euch doch von ei’m Vergnügen
kopfüber gleich ins nächste bald.“
So pflegte Opa uns zu rügen.
Da war‘n wir bloß im Odenwald!
31. Doch jetzt mal wirklich Spaß beiseite!
Ich denk, es ist noch nicht zu spät
– obwohl Zynismus ich verbreite –
dass unsre Welt nicht untergeht.
32. Wir schau’n auf unsre Bibelstelle,
wo Jesus ruft: Kommt hinter mich!
Hier hör‘n wir es aus erster Quelle:
Ein jeder nehm‘ sein Kreuz auf sich.
33. Das gilt nicht nur für jene Leute,
zu denen Jesus damals sprach.
Das gilt genauso für uns heute.
Nun nimm dein Kreuz und folg ihm nach!
34.„Warum sollt‘ ich mein Kreuz denn tragen,
das ist für mich doch viel zu schwer,“
fragt mancher jetzt mit Unbehagen,
und findet’s „irgendwie nicht fair.“
35. Ist das denn fair, dass Straßenkinder,
komplett auf sich allein gestellt,
geraten oft an Menschenschinder,
die damit wittern großes Geld?!
36. Ist das denn fair, dass Obdachlose
in unsrer reichen Stadt campier’n
mit Pappkartons aus Zellulose,
und beinah‘ über Nacht erfrier’n?!
37. Ist das denn fair, wenn Altenheime
die Pforten schließen für Besuch,
weil eine Anzahl winz’ger Keime
verbunden ist mit großem Fluch?!
38. Ein Mann wie Johann Hinrich Wichern,
der Kindern ein Zuhause schenkt,
der hört sie bald schon wieder kichern,
weil Kind-Sein mit Vertrau’n anfängt.
39. Wenn einer ohne viel Geschwafel
Bedürftigen gibt Wurst und Brot
von unsrer reich gedeckten Tafel,
dann hilft das auch schon in der Not.
40. Und außerdem – ihr werdet lachen –
ein Mittel gegen Einsamkeit
ist, sich zur Oma aufzumachen.
Dann ist man immerhin zu zweit.
41. Wir sollten’s uns zu eigen machen,
das Leid der andern um uns her,
der Alten, Kranken, Armen, Schwachen,
dann ist ihr Kreuz nicht mehr so schwer.
42. Wenn man in Zeiten von Corona
das tausendfache Leid bemerkt,
dann hilft uns Jesus in persona,
indem er uns den Rücken stärkt.
43. Und Rücken-Stärken heißt am Ende,
dass jeder Mensch, ob Frau, ob Mann,
vermittelst seiner eignen Hände
sein eignes Kreuz auch tragen kann.
44. Dass wir einander dienen sollen,
– so sagt mein Konfirmandenspruch –
um anderen Respekt zu zollen,
das steht sogar im Petrus-Buch.
45. So wird aus diesem braven Manne
ein starker Fels im Endeffekt.
Die eine oder andre Panne
hat die Gemeinschaft weggesteckt.
46. Hätt‘ unsereins an Petrus‘ Stelle
nicht auch verleugnet seinen Herrn,
damit die Häscher auf die Schnelle
ihn nicht gleich vor den Richtstuhl zerr‘n?
47. Wer ängstlich hängt an seinem Leben
und fühlt sich dabei schwach und klein,
dem wird auch Jesus gern vergeben
und helfen aus der Angst und Pein.
48. Doch wenn wir wie die eitlen Pfauen
auf Glanz und Glamour sind bedacht
und nur auf unsren Nabel schauen,
dann haben wir was falsch gemacht.
49. Geht einer mit dem Reichtum baden,
weil er den Hals nicht voll gekriegt,
dann nimmt auch seine Seele Schaden,
was insgesamt viel schwerer wiegt.
50. Genauso wenn sich einer brüstet
und meint, er sei ein toller Hecht,
dann zeigt sich Jesus ganz entrüstet
von diesem „sündigen Geschlecht“.
51. Er stellt uns kräftig in den Senkel,
womöglich bis ins vierte Glied,
von Kindeskind bis Enkelsenkel,
noch ehe man sich recht versieht.
52. Es kann sich also durchaus lohnen,
dem Teufel strikt zu widerstehn
und Jesu Lehren beizuwohnen,
um dann auch wieder Land zu sehn.
53. Das Land, das wir mit ihm bereisen
– das wünsche ich uns jedenfalls –
wird sich als wunderschön erweisen,
sogar noch schöner als die Pfalz. Amen