2023: Gereimte Fastnachtspredigt zu 1. Korinther 13, 1-13

Das Hohelied der Liebe

1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.
2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts.
3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und meinen Leib dahingäbe, mich zu rühmen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.
4 Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf,
5 sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu,
6 sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit;
7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.
8 Die Liebe höret nimmer auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird.
9 Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk.
10 Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.
11 Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war.
12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.
13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Gereimte Fastnachtspredigt, 1. Korinther 13, 1-13
von Kerstin Schäfer
19. Februar 2023

  1. Mit Menschen- und mit Engelszungen,
    bei uns und auf der ganzen Welt,
    da wird so allerhand besungen,
    was man zum Thema „Liebe“ zählt.

  2. Es findet sich beim langen Blättern
    durch die Musik-Literatur
    in großen, goldverbrämten Lettern
    so mancher heiße Liebesschwur:

  3. „Liebling, mein Herz, das lässt dich grüßen;
    die ganze Welt ist wie verhext.
    Ich lege dir mein Herz zu Füßen;
    Veronika, der Spargel wächst.“

  4. O Isabella von Kastilien,
    wie schön wär‘ es mit dir zu zweit!
    Pack deine ganzen Utensilien.
    Hast, schöne Maid, du für mich Zeit?

  5. Wir düsen gern in Sauseschritten,
    gar „atemlos“ durch unsre Nacht
    und schau’n auf unser’n Himmelsritten,
    was dann die Liebe mit uns macht.

  6. Aufs Bett im Kornfeld ganz versessen,
    mit siebzehn Jahr‘ und blondem Haar,
    hast du den Farbfilm glatt vergessen,
    und keiner glaubt, wie schön es war.

  7. Das Herz in Heidelberg verloren
    und obendrein noch den Pullover,
    verliebt bis über beide Ohren,
    und schuld war nur der Bossa-Nova.

  8. Ja, rote Lippen soll man küssen,
    und blau, blau blüht der Enzian.
    Bleib weg mit schwarz-braun‘ Haselnüssen.
    Ich will ´nen Co-ooow-Boy als Mann!

  9. Ich glaub, so manche Liebesschnulze
    wie „Marmor, Stein und Eisen bricht“
    ist was für Müller, Meier, Schulze.
    Fürs „Schäferstündchen“ taugt sie nicht.

  10. Meist hab‘ ich in den Schlagerwelten
    den Kern des Paulus-Briefs vermisst.
    Doch einen Song, den lass ich gelten
    mit „Liebe fragt nicht. Liebe ist.“

  11. Die Liebe „ist“ schon ein Stück weiter
    im Angesicht vom Traualtar.
    Dann zählt man heimlich, still und heiter
    die Hochzeitstage Jahr für Jahr.

  12. Die Hochzeit namens „Petersilie“,
    sie zeugt von langem Liebesglück.
    Da kauft man sich ´ne Immobilie,
    geht Hand in Hand durch dünn und dick.

  13. Auch kann die Hochzeit silbrig blinken,
    nach fünfundzwanzig Jahr’n Bestand.
    Drauf sollt‘ man unbedingt was trinken,
    denn das ist ja schon allerhand!

  14. Sie kann durchaus auch golden glänzen.
    Ein halb‘ Jahrhundert ist dann voll.
    Nach oben gibt es keine Grenzen;
    das macht die Liebe ja so toll!

  15. Mit dreiunddreißig ist sie „zinnern“
    und quasi „wie aus einem Guss“.
    Man sollt‘ sich freilich dran erinnern,
    dass man sie auch polieren muss.

  16. Seit über dreiunddreißig Jahren,
    da sind wir Schäfers „Mann und Frau“.
    Doch was wir dann davor wohl waren,
    das weiß ich nicht mehr so genau.

  17. Genug der lust’gen Zahlenspiele,
    wer wann, warum, mit wem vereint.
    Liebes-Geschichten gibt es viele,
    doch das hat Paulus nicht gemeint.

  18. Der Paulus spricht von Gottesliebe,
    die auf uns Menschen überspringt,
    damit die Hoffnung nicht zerstiebe,
    dass unser Lebenswerk gelingt.

  19. Schon im Barock war man recht fleißig;
    die Texte war‘n dort nicht so flach.
    Bachwerk-Verzeichnis vierunddreißig,
    hier schreibt Johann Sebastian Bach:

  20. „O Feuer, Ursprung aller Liebe,
    entzünd‘ die Herzen, weih‘ sie ein!
    Ach, dass dein‘ Flamme bei uns bliebe!
    Dein Tempel wünschen wir zu sein.“

  21. Zum Thema „Mensch- und Engelszungen“:
    Wenn einer hat mit Phantasie
    die Gunst der Hörerschaft errungen,
    voll Geist, Rhetorik und Esprit,

  22. jedoch es mangelt ihm an Liebe,
    an Mitgefühl und auch an Herz,
    wär‘ das, was davon übrigbliebe,
    nichts weiter als ein tönend‘ Erz.

  23. Wenn einer hat mit großem Glauben
    schon beinah einen Berg versetzt
    und auch die Blinden und die Tauben
    mit seinem Predigtstil ergötzt,

  24. wenn einer wirkt mit Geistesstärke
    beruflich und privat grandios,
    und überzeugt durch große Werke,
    und alles fällt ihm in den Schoß,

  25. wenn einer kann die Welt verstehen,
    es ihm jedoch an Liebe fehlt,
    dann nützt das nichts fürs Weltgeschehen,
    weil dann das Unheil weiterschwelt.

  26. Auch sollt‘ man nicht den Leib verbrennen
    und als vermeintlich „Superchrist“
    sich vorschnell von dem Leben trennen,
    weil damit nichts gewonnen ist.

  27. Sein Hab und Gut ganz herzugeben
    und Geld zu spenden reich und viel,
    doch ohne Nutzen für das Leben,
    was man damit bewahren will,

  28. wird denen, die das nötig hätten,
    trotz aller Mühen des Verzichts
    nicht unbedingt das Leben retten,
    denn ohne Liebe bringt das nichts.

  29. Die Liebe ist ein Quell der Güte
    und sie besticht durch Freundlichkeit.
    Auch Zorn kommt ihr nicht in die Tüte.
    Sie kennt nicht Eifersucht noch Neid.

  30. Die Liebe lässt sich niemals reizen.
    Sie übt sich stetig in Geduld.
    Mit Langmut wird sie auch nicht geizen,
    vielmehr vergibt sie jede Schuld.

  31. Die Liebe lässt sich nicht erbittern;
    sie reicht sogar dem Feind die Hand.
    Trotz Beben, Stürmen und Gewittern,
    sie glaubt und hofft, hält allem stand.

  32. Jetzt sagen sich die allermeisten:
    „Das ist für mich doch viel zu schwer.
    Wie soll ich das denn alles leisten?
    O lieber Gott, ich kann nicht mehr!“

  33. Die Liebe GOTTES ist so mächtig,
    dass sie das alles leisten kann.
    Dagegen sind wir alle schmächtig,
    ob Kind, ob Greis, ob Frau, ob Mann.

  34. Doch immer, wenn auf unsereinen
    ein Abglanz dieser Liebe fällt,
    vermag sie durch uns durchzuscheinen
    als kleiner Lichtblick für die Welt.
  35. Wenn man so klug ist wie die Kinder,
    kennt man die Welt noch nicht genau,
    (das wussten auch schon die Korinther),
    man kennt sie erst als Mann / als Frau.

  36. Auch dann noch zeigt sich wie in Spiegeln
    ein bruchstückhaftes, dunkles Bild,
    gleich wie ein Buch mit sieben Siegeln,
    die es erst noch zu öffnen gilt.

  37. Das Gottesreich scheint jetzt verschwommen
    und eingetaucht in trübes Licht.
    Dann aber sehen wir vollkommen,
    von Angesicht zu Angesicht.

  38. Der Paulus sagt: Nun lasst uns lieben,
    weil wir bereits Geliebte sind.
    Man kann sich in der Liebe üben,
    so selbstverständlich wie ein Kind.

  39. Ich will euch noch ein Beispiel nennen,
    ein Beispiel aus der Gegenwart,
    wie wir einander lieben können,
    wenn Liebe sich mit Demut paart:

  40. Wir haben hier in der Gemeinde
    ´ne Dame, die Geburtstag hat.
    Ein jeder hat sie gern zum Freunde;
    sie ist aktiv von früh bis spat.

  41. In dieser schönen Faschingswoche
    ist ihr Geburtstag auch noch rund!
    Sie prägt mit Wohltat die Epoche,
    doch wirkt sie stets im Hintergrund.

  42. Zwar ist sie nicht mehr jung an Jahren
    (sag ich jetzt einfach überspitzt),
    doch deshalb ist sie so erfahren,
    wenn sie uns helfend unterstützt.

  43. Im Gottesdienst, Gemeindeleben,
    da steht sie jederzeit bereit,
    um stets das Beste uns zu geben.
    Anscheinend hat sie immer Zeit.

  44. Ein Beispiel für selbstlose Liebe,
    die alles and’re überragt!
    Ach, wenn das doch noch lang so bliebe!
    Sie hat sich auch noch nie beklagt.

  45. Jetzt hör ich auf, hier rumzueiern,
    denn diese treue Dame kann es.
    Es gilt gebührend sie zu feiern:
    Die Ahrend-Orgel in Johannes.

  46. Ich denk grad an Beerdigungen:
    Wenn man ´nen Todesfall beklagt
    und trifft sich nachher ungezwungen,
    was man dann alles Liebes sagt!

  47. Sollt‘ man nicht auch zu Lebenszeiten
    den lieben Menschen nah und fern
    ´ne Freude ab und zu bereiten
    und sagen: „Du, ich hab‘ dich gern!“

  48. Nun aber bleiben Hoffnung, Glauben
    und auch die Liebe, diese drei.
    Kein Mensch soll uns die Hoffnung rauben,
    dass Liebe stets die größte sei.

Amen