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Gereimte Fastnachtspredigt zu Lukas 10, 38-42,
"Marta und Maria"
6. März 2011
von Kerstin Schäfer
1. Zwei Schwestern hab’n hohem Besuch
von Jesus, so steht’s in dem Buch.
Maria darf sitzen,
die Marta muss schwitzen
und hat auch schon sehr bald genug.
2. Die Marta blieb lange verschwunden
und wurd’ in der Küche gefunden.
Sie macht sich viel Mühe
mit Fleisch und mit Brühe
und schuftet seit mehreren Stunden.
3. Jetzt kann sie es nicht mehr ertragen.
Sie muss es dem Jesus jetzt sagen:
„Ich schaff hier alleine,
mach der doch mal Beine,
sonst platzt mir allmählich der Kragen.
4. Maria sitzt vor deinen Füßen,
und du scheinst das noch zu begrüßen.
Was will die beim Rabbi?
Die macht doch kein Abi!
Ich sag dir: Das wird sie noch büßen."
5. Der Herr kennt die Sorgen genau
und nimmt der geschäftigen Frau
mit einfachen Regeln
den Wind aus den Segeln:
„Was machst du für einen Radau?
6. Kein Mensch verlangt, dass man sich quält.
Grad hab ich vom Vater erzählt.
Dich mag ich gut leiden,
doch sie hat von beiden
die bessere Seite gewählt."
7. Soweit also Jesu Erklärung.
Doch was folgt auf diese Belehrung?
Die Marta wird grollen
und weiterhin schmollen
trotz aller gebot’nen Verehrung.
8. Was sagt die Geschichte uns heute,
wenn ich sie aus meiner Sicht deute?
Ein klares Ergebnis
nach diesem Erlebnis,
das wäre schon was, was mich freute.
9. Wir sollten wohl über die Schwestern
von oben herab nicht gleich lästern.
Probleme zu haben
mit menschlichen Gaben,
das gibt es doch heute wie gestern.
10. Man müsste es einfach probieren,
vielleicht auch mal etwas riskieren,
um eig’ne Talente
- nicht erst nach der Rente -
im Alltag geschickt zu platzieren.
11. Der Sinn ist bei solchen Geschichten
nicht gleich über andre zu richten.
Die eigenen Stärken,
die muss man sich merken.
Ich glaub, ich versuch’s heut mit Dichten.
12. Da hat in der Heiligen Schrift
die Marta, die Jesus dort trifft,
statt Nähe zu spüren,
Gespräche zu führen,
grad diese Entscheidung umschifft.
13. Maria verlegt sich aufs Hören
und lässt sich von Marta nicht stören.
Ob ich nicht zum Kochen
mich auch hätt’ verkrochen?
Ich könnt es bis heut nicht beschwören.
14. Der Jesus ist Meister der Worte,
und zwar von besonderer Sorte.
Er kann durch die Lehren
auch Zweifler bekehren,
doch braucht er dazu keine Torte.
15. Mensch, Marta, du hast einen Gast!
Der glaubt doch, er fällt dir zur Last,
wenn du bist am Rödeln
mit Töpfen und Knödeln.
Komm, setz dich, solang du ihn hast!
16. Am End willst auf emsigen Sohlen
du auch noch den Wischmopp rausholen,
um bis in die Puppen
auf Hochglanz zu schruppen
am Boden die hölzernen Bohlen.
17. Hör zu, liebe Marta von heut!
Es heißt: Alles hat seine Zeit.
Das Staubtuch zu schwingen
statt Lobpreis zu singen,
das haben schon manche bereut.
18. Beim Sofa gibt’s staubige Flusen,
am Türgriff zerknitterte Blusen.
Du solltest dich zügeln,
die jetzt noch zu bügeln!
Das kann so ein Gast nicht verknusen.
19. Auch wenn sie nicht glänzt, deine Wohnung,
dein Rücken verdient etwas Schonung.
Am Tag unsres Herrn,
da ruht man doch gern.
Den Gottesdienst gibt’s zur Belohnung.
20. Ich sag’s euch mit ernsthafter Miene:
Der Jesus kam her, dass er diene,
und nicht, um von Massen
sich dienen zu lassen.
Das wär’ doch ´ne ganz andre Schiene.
21. Das hab’n doch schon Kinder erfasst:
„Herr Jesus, komm sei unser Gast.
Am Tisch uns begegne
und bitte, Herr, segne
was Du uns bescheret heut hast."
22. Ein Kernstück gemeindlichen Lebens,
das ist die Kultur dieses Strebens
nach göttlicher Nähe
vom Kopf bis zur Zehe.
Sonst ist doch die Chose vergebens.
23. Die Kirchen in unseren Orten,
die öffnen vermehrt ihre Pforten
für zahlreiche Kreise,
mal laute, mal leise,
und Gruppen verschiedenster Sorten.
24. Das ist ja soweit auch ganz richtig,
denn Gruppen und Kreise sind wichtig.
Doch wenn sie als Hüllen
nur Selbstzweck erfüllen,
dann, kann ich euch sagen, verzicht ich.
25. Man macht sich in seiner Gemeinde
vielleicht nicht gerade zum Feinde
mit endlosem Planen,
doch lässt sich’s erahnen:
Man schafft sich dann auch keine Freunde.
26. Die kirchliche Ausschussarbeit
verschlingt manchmal ganz schön viel Zeit.
Grad war’s noch halb acht,
schon ist’s Mitternacht.
Ich hatt’ mich aufs Bett schon gefreut.
27. Es gibt einen Ausschuss fürs Bauen,
da sitzen mehr Männer als Frauen.
Der pflegt die Gebäude
den Menschen zur Freude
und hat unser vollstes Vertrauen.
28. Der Ausschuss für Kirchenmusik
hat Chor und Orchester im Blick:
Wer rückt die Podeste
für kirchliche Feste
und wann probt man wo welches Stück?
29. Man kann sich beim Thema „Finanzen"
nicht gut hinter Akten verschanzen.
Es muss halt gelingen,
das Geld reinzubringen,
und sei es an Fasching durch Tanzen.
30. Die Kita läuft fast nebenher,
als wenn es das Einfachste wär.
Doch wer seine Vita
verknüpft mit der Kita,
der trägt an Verantwortung schwer.
31. Die Arbeit mit euch Konfirmanden
- ich seh’, ihr seid zahlreich vorhanden –
weist Kinder und Jugend
auf Pfade der Tugend,
die hoffentlich nicht gleich versanden.
32. Der Ausschuss für Öffentlichkeit
hält stets alle Infos bereit,
weil viele Aktionen
sich noch viel mehr lohnen,
wenn sich auch das Publikum freut.
33. Es gibt sehr verschiedne Talente,
und jeder setzt eig’ne Akzente.
Man bündle die Kräfte
in diesem Geschäfte,
sonst bleiben die Gaben Fragmente.
34. An Christi Leib sind wir die Glieder,
so hör’n wir es hier immer wieder.
Am Stamm sind wir Zweige,
Er spielt Erste Geige
und wir singen all seine Lieder:
35. Von Jesu Geburt und den Freuden
bis hin zu den späteren Leiden,
von himmlischen Pforten
an weltlichen Orten.
Da werden uns manche beneiden.
36. Der Friede von Gott, unserm Herrn,
nach dem wir uns alle verzehr’n,
er lässt sich nicht fassen,
doch sind wir verlassen,
wenn wir ihn auf Dauer entbehr’n.
Amen |
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Gereimte Fastnachtspredigt zu 1. Korinther 13, 1-13
"Das Hohelied der Liebe"
14. Februar 2010
von Kerstin Schäfer
1. Nachdem ich schon zum zweiten Mal
gepredigt hab im Großen Saal,
der besser zu beheizen war
als der Bereich um den Altar,
bin ich jetzt doch ein bisschen stolz,
zu stehn am echten Kanzelholz,
wo vor mir große Theologen
die Quintessenz aus Texten zogen.
2. Der Text ist heute ziemlich leicht.
Auf Liebe sind wir ja geeicht
und wissen, dass kein Streben nützt,
wenn man die Liebe nicht besitzt.
3. Doch halt! So einfach ist’s nicht immer,
und manch Ereignis ist viel schlimmer,
als viele das ertragen können.
Ich will hier nur ein Beispiel nennen:
4. Es bebte vor ´nem knappen Jahr
die Erde rund um L’Aquila,
dem schönen Ort in den Abruzzen,
den viele gern für Urlaub nutzen.
5. Auch hier ist’s wie bei vielen Beben:
es kostet Hunderte das Leben,
und Tausende sind obdachlos,
besitzen nur noch Hemd und Hos’.
6. Es werden Zelte aufgestellt
mit Spenden aus der ganzen Welt.
Und mancher muss mit ein, zwei Kisten
die nächste Zeit sein Dasein fristen.
7. An jeden, der dann draußen pennt,
denkt väterlich der Präsident
und glaubt, sein Trostwort bringt die Wende:
„Nehmt’s als ein Camping-Wochenende!“
8. Er ist vielleicht kein böser Bube,
doch fehlt ihm jede Kinderstube.
Der gute Geist, der hier vonnöten,
ging schon bei der Erziehung flöten.
9. In Kitas und im Klassenzimmer,
Büro und Hörsaal – wo auch immer –
ich sag’s den Jungen und den Alten:
„Lasst doch ein bisschen Liebe walten!“
10. Doch hör ich schon im Geist Protest.
Die Vorurteile sitzen fest.
Man merkt nicht viel von Toleranz
und geht dann lieber auf Distanz.
11. „Wie? Ich soll meinen Lehrer lieben,
der stets versucht, mich auszusieben?
Der sitzt auf seinem hohen Ross
und wär’ mich lieber heut schon los.“
12. „Was? Diese Schüler soll man lieben?
Die sind verlogen und durchtrieben.
Die kleinen ungezognen Flegel,
die sind zu meinem Sarg die Nägel.“
13. Gemach! So kommt ihr doch nicht weiter.
Ein bisschen Rücksicht wär gescheiter.
„Mit Liebe bei der Sache sein“ –
das ist es, glaub ich, was ich mein.
14. Der Paulus schreibt an die Korinther:
„Ich glaub, es wär’ für euch gesünder,
wenn ihr die Liebe einbezieht
in alles, was um euch geschieht.
15. Wollt ihr die großen Reden schwingen,
wird’s ohne Herzblut nicht gelingen,
denn ohne Liebe - ´s ist kein Scherz –
da seid ihr nur ein tönend Erz.
16. Wisst ihr die Leute zu entzücken
mit Prophetie und Bergerücken
und habt die Liebe nicht dabei,
ist’s nur ´ne große Mogelei.
17. Wenn ihr den Armen alles schenkt,
euch selbst dabei den Leib versengt
und lasst dabei nicht Liebe walten,
bleibt wieder alles nur beim Alten.“
18. Die Liebe ist privat sehr wichtig.
Das halt ich auch für gut und richtig.
Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
ob sich das Herz zum Herzen findet.
19. Wird auch Verliebtheit bald verblassen,
muss man die Liebe wachsen lassen.
Sie soll euch durch Jahrzehnte tragen,
in guten wie in schlechten Tagen.
20. Dass unser Wissen Stückwerk ist,
den Blick aufs Ganze man vermisst,
das hat der Paulus schon erzählt,
als wüsst’ er, was uns heute quält.
21. Aus Funk und Fernseh’n kennt ihr’s schon:
die Riesen-Rückruf-Akti-on.
Verklemmte Gas- und Bremspedale,
die werden leicht zur Todesfalle.
22. Peugeot, Toyota, Citroën,
ich frage euch: Wo sind wir denn?
Ihr schraubt das Ding zusamm’n in Eil’.
Wo bleibt die Liebe zum Detail?
23. Ja, auch beruflich kann man’s üben,
die Arbeit, die man tut, zu lieben
Geduld und Sorgfalt einzusetzen
und einfach weniger zu hetzen.
24. Langmütig, freundlich ist die Liebe,
folgt nicht dem nächsten besten Triebe,
Mutwillen, Eifer kennt sie nicht.
Sie stellt sich nicht ins Rampenlicht.
25. Die Liebe weiß, was sich gehört,
tut nur, was keinen andern stört,
ist auf Verbitt’rung nicht erpicht
und nachtragend ganz sicher nicht.
26. Das Unrecht wird sie gänzlich meiden;
die Wahrheit mag sie besser leiden.
Ertragen kann sie schlimmste Pein,
lässt den Gequälten nicht allein,
27. glaubt an das Gute heldenhaft
mit ganzer Überzeugungskraft.
Wenn großes Unheil uns entsetzt,
sagt sie: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“
28. Ein Blick sei auf die Welt gerichtet,
damit sich da der Nebel lichtet:
Konzern-Fusionen hier und dort,
das ist jetzt wohl der neuste Sport.
29. Wenn ein Konzern den andern schluckt,
wird eine Prämie ausgespuckt.
Die Liebe zu dem großen Geld
regiert anscheinend unsre Welt.
30. Und wer weist eigentlich die Banken
zurück in die gesunden Schranken?
Sie wollen alle unser Bestes,
denn Derivate sind nichts Festes.
31. Das Geld woll’n sie in harter Währung.
Wie lang schon kennt man die Erklärung:
„Sobald das Geld im Kasten klingt,
die Seele in den Himmel springt.“?
32. Ich will mich heute nicht genieren,
den „Banker“ neu zu definieren:
´S ist einer, der ´nen Schirm verleiht
und ihn zurückverlangt, wenn’s schneit.
33. Was sagt uns Paulus an der Stelle?
Prophetisch Reden ist nicht helle
in dieser Wissensdurst-Epoche.
Beim Wetter reicht’s ´ne halbe Woche.
34. Das wöchentliche Horoskop
verdient nicht unbedingt viel Lob.
Zwar kann man’s leicht als Wahrheit deuten,
doch passt es auch bei andern Leuten.
35. Als ich noch klein war und ein Kind,
war ich so klug, wie Kinder sind.
Jetzt bin ich groß und eine Frau.
Kenn’ ich die Wahrheit jetzt genau?
36. Es kann bestimmt was Größ’res geben
als dieses unscheinbare Leben.
Das wird erhab’ner - ja vollkommen -
als das, was wir bisher vernommen.
37. Wie durch ´nen Spiegel sehen wir
ein dunkles Bild von dir und mir.
Wird Gott dereinst den Schleier heben,
soll’n wir ein klares Bild erleben.
38. Nun bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe.
Wenn man das Leben so betriebe,
dass keiner einen Schaden nimmt,
dann glaub ich, dass die Mischung stimmt.
39. Dem Valentin wird heut beteuert,
dass man um seinetwillen feiert.
Die Liebenden verehr’n ihn glühend,
um ein Geschenk sich schnell bemühend,
40. doch nicht für diesen Kirchenmann,
nein, heute ist die Liebste dran.
Da gibt es Blumen und Konfekt,
was man dann auf den Hüften trägt.
41. Bevor ihr anfangt laut zu gähnen,
wollt’ ich den Luther noch erwähnen
und dann zu einem Ende kommen,
sonst lauschen wieder bloß die Frommen.
42. Das „Hohe Lied“ hab’n wir gesungen
mit Menschen- und mit Engelszungen.
Das tiefe Lied kommt nach der Predigt
das wär’ dann damit auch erledigt.
43. Längst ist noch alles nicht in Butter,
drum sprech’ ich hier mit Martin Luther
inmitten all des Durcheinanders:
„Hier stehe ich. Ich kann nicht anders.
Gott helfe mir.
Amen.“
Gereimte Fastnachtspredigt zu Markus 8, 31-38
„Ankündigung von Jesu Leiden und Nachfolge Jesu“
22. Februar 2009
von Kerstin Schäfer
1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser fünften Jahreszeit
an tollen Faschingstagen.
Schau an der frohen Narren Zier
und siehe, wie viel Schnaps und Bier
sie heute noch vertragen.
2. „Konsum“ heißt heut das Zauberwort
zu jeder Zeit, an jedem Ort,
man kauft, verbraucht und lächelt.
Wir pfeifen auf Versich’rungsschutz!
Heut hau’n wir kräftig auf den Putz,
obwohl die Wirtschaft schwächelt.
3. Der „Konsumismus“ macht nicht halt
vor Mann und Frau, vor Jung und Alt,
sie alle woll’n gut leben.
Ich geb’ es zu, ihr lieben Leut’:
Auch ich bin nicht davor gefeit
das Geld schnell auszugeben.
4. Wir renovier’n grad unser Bad,
das Jahre auf dem Buckel hat.
Der Umbau dauert lange.
Seit sieben Wochen nicht geduscht,
im Haus verteilt der ganze Kruscht,
vorm Klo ´ne Warteschlange!
5. Ist das Konsum? Ist das Verzicht?
Ich weiß es manchmal wirklich nicht.
Dem Handwerk dient’s zum Lohne.
Die Fastenzeit steht vor der Tür
und ich hab sie grad hinter:
die „Sieben Wochen ohne“.
6. Wir leben heut in einer Welt,
die Reichtum für Erfüllung hält
im Lebenstraum der meisten.
Doch oft genug wohnt nebenan
die arme Frau, der arme Mann,
die könn’n sich das nicht leisten.
7. In Zeiten vor dem Überfluss
schuf jeder Schuster je ein Fuß-
Modell von seinen Kunden.
Wenn alte Schuh’ hinüber war’n,
so fertigte er neue an.
Man kam über die Runden.
8. Heut kauft sich manche junge Frau
die gleichen Schuh’ in gelb, rot, blau,
um sich auf „cool“ zu trimmen.
Im Ferseh’n bläut man ihr dann ein:
„Die Handtasch muss lebendisch sein!“
Das Image, das muss stimmen.
9. Man definiert sich viel zu schnell
nach „Germany’s next Topmodel(l) “,
ich weiß das aus Erfahrung.
Der Kaufrausch, der die Glitzer-Welt
im Innersten zusammenhält,
braucht täglich neue Nahrung.
10. Nach Nahrung schreit auch manches Kind,
des’ Eltern aus Somalia sind,
mit chronisch leeren Händen.
Wir aber hab’n im reichen Land
die Fernbedienung schnell zur Hand,
das Elend auszublenden.
11. Wir ham’s geschafft. Wir sind jetzt wer!
Auch unsre Mäuler war’n mal leer.
Wer will uns das verdenken?
Wir geh’n zur Mainzer Fassenacht,
wir freu’n uns, wenn es stinkt und kracht,
und werfen mit Geschenken.
12. Doch Jesus ruft zum Leiden auf,
nimmt Marter, Kreuz und Tod in Kauf.
Was soll’n wir davon halten?
Auch Petrus hat gleich aufbegehrt.
Es passt ihm nicht, was Jesus lehrt.
„Herr, lass es doch beim Alten!“
13. Da weist ihn Jesus scharf zurecht:
„Du, Satan, kennst mich aber schlecht.
Ich soll dem Kreuz entrinnen?
Das ist doch plumpe Menschensicht.
Nein, göttlich ist das wirklich nicht.
Ich glaub’, du bist von Sinnen!“
14. Wer strikt an diesem Leben klebt,
hat irgendwann umsonst gelebt.
Es wird ihm doch nichts nützen.
Er kann den Reichtum dieser Welt,
auch Anerkennung, Macht und Geld
im Himmel nicht besitzen.
15. Was nutzt es ihm, dass er gewinnt
die ganze Welt samt Frau und Kind
und dass ihm gar nichts fehle,
sein’ Menschlichkeit jedoch verschwimmt
und er dabei noch Schaden nimmt
an seiner armen Seele!
16. Das Kreuz erschien ihm gleich zu schwer,
da hat er sich wie’n Millionär
an Hab und Gut geklammert.
Hätt’ er doch nur Verzicht geübt!
Das Geld hat ihm die Sicht getrübt,
jetzt steht er da und jammert.
17. Wen Jesus so beschreiben kann
sind du und ich, ist jedermann:
Genießer, Spieler, Raucher,
Moral-Apostel, Pisten-Sau,
Börsianer, Banker, Klosterfrau,
Otto Normalverbraucher.
18. Soll’n wir jetzt alle Bettler sein
und uns vom letzten Scheck befrei’n,
uns ab und zu mal geißeln?
Wird man uns, wenn wir allen Tand
und Schmuckwerk geben aus der Hand,
ein hehres Grabmal meißeln?
19. Um jeglichen Konsumverzicht
geht’s Jesus hierbei sicher nicht.
Man darf sich auch mal freuen.
Doch wenn dadurch ein Leid passiert,
dass Frau sich mit ´nem Kleid verziert,
dann muss man das bereuen.
20. Wir dürfen unsre schöne Welt
nicht, weil uns das jetzt grad gefällt,
auf Kosten andrer plündern.
Es gilt, egal ob Herr, ob Knecht,
für jeden gleiches Menschenrecht
bis zu den Kindeskindern.
21. Man stellt sich gerne taub und blind
und merkt nicht, wo Probleme sind,
statt richtig hinzusehen,
lässt Alte, Kranke oft allein
und liefert sie in Heime ein.
Das muss doch anders gehen!
22. Warum nicht mal was ausprobier’n
und Alt und Jung zusammenführ’n,
da profitiert doch jeder!
Mama kocht Opas Leibgericht,
die Enkelin spricht ein Gedicht
aus Urgroßvaters Feder.
23. Die Kindergarten-Kinderlein,
die singen heut im Altersheim.
Da freu’n sich sicher alle.
Die hochbetagte Nachtigall
ergötzt und füllt mit ihrem Schall
die Hugenottenhalle.
24. Konfetti schwingt sich in die Luft,
der Prinz schlüpft in die Faschings-Kluft,
posiert mit seinem Kleide.
Prinzessin und der Bauersmann,
die ziehen sich viel schöner an
mit lauter Faschings-Seide.
25. Die Narren kriegen nie genug
vom Iseborjer Faschingszug,
man sieht’s an ihren Mienen.
Der fesche Bub, die leichte Dirn,
die wollen ihrem Dreigestirn
bis Aschermittwoch dienen.
26. Ist bei dem Zug der Weg vereist
mit Regen, der vom Himmel fleußt;
dann geht er in die Binsen.
Gemütlich wird’s dann eher nicht,
dafür gibt’s hier das Leibgericht:
den Teller voller Linsen.
27. Der Frohsinn kommt jetzt mit Gewalt,
darüber jauchzet jung und alt
und rühmt die große Güte
des Chefs; der drückt ein Auge zu.
Man zwängt sich in zu kleine Schuh’
und in zu große Hüte.
28. Ich selber kann und mag nicht ruh’n.
Des großen Gottes großes Tun
erweckt mir alle Sinnen.
Ich singe mit, wenn alles singt,
und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen.
29. Da Gottes Friede höher ist
als die Vernunft es je ermisst,
hab’ er mit uns Erbarmen,
bewahr’ er Herz und Sinnen gern
in Christus Jesus, unserm Herrn.
Und ich sag leise Amen.
Gereimte Fastnachtspredigt zu Jesaja 58, 1-9a
„Falsches und echtes Fasten“
3. Februar 2008
von Kerstin Schäfer
Ich will in Kreuzreim-Versen dichten,
denn wenn man übers Christ sein spricht,
kann man aufs Kreuz nicht gut verzichten,
sonst hilft die ganze Predigt nicht.
Da sagt uns Gott durch den Propheten,
dass ihm sein Volk abtrünnig sei,
trotz Bibellesen, Fasten, Beten,
egal wie sehr man sich kastei’,
er will’s im Himmel gar nicht hören,
hat keinen Wohlgefallen dran,
will uns das Himmelreich verwehren.
Was hab’n wir Böses ihm getan?
Die Antwort folgt gleich auf dem Fuße:
Wer fastet, hadert, zankt und schlägt,
tut damit nicht die rechte Buße.
Das wird im Folgenden belegt.
Nur Frömmigkeit zu demonstrieren,
in Sack und Asche nur zu gehn,
um damit Gott zu imponieren,
das wird von ihm nicht gern gesehn.
Wer nur den lieben Gott verwaltet
und hoffet auf ihn allezeit
der gilt als hoffnungslos veraltet
in seiner Not und Traurigkeit.
Ein Fasten ohne gute Taten
wird allzu leicht zur Heuchelei,
drum wird uns hier von Gott geraten:
„Jetzt lass auch deinen Nächsten frei,
den du zu Unrecht festgebunden,
auf den du einst das Joch gelegt,
den du geschlagen und geschunden,
dass er noch heut die Narben trägt.“
„Herr, Gott, wo hab ich denn gesündigt?“
so fragt sich der Gescholtne nun.
„Wird Deine Liebe aufgekündigt?
Was kann ich denn dagegen tun?“
„Teil mit dem Hungrigen dein Essen,
gib deine Kleidung dem, der friert.
Den Obdachlosen nicht vergessen!
Weh dem, der sich vorm Helfen ziert!“
„Was soll denn aber weiter werden?
Ist das nicht ziemlich viel verlangt,
wenn alles Unglück hier auf Erden
auf meiner Sündenliste prangt?
Und hab ich nicht schon längst vernommen,
dass durch ´ne noch so gute Tat
kein Mensch das Himmelreich erklommen,
wenn nicht durch Gottes eigne Gnad?“
„Schon klar, du kannst durch gute Taten
Gott nicht auf deine Seite zieh’n,
doch wärst du freilich gut beraten,
nicht vor Verantwortung zu flieh’n.
Wer nur auf eignen Seelenfrieden,
auf Glück und auf Erfüllung setzt,
hat sich schon selbst von Gott geschieden
und ein Gebot bereits verletzt:
Du sollst auch deinen Nächsten lieben,
nicht nur dich selbst und nicht nur Gott,
den Nächsten hier und dort und drüben
- so lautet dieses Hauptgebot.“
„Das klingt ja alles gut und richtig“,
wirft hier der Gläub’ge zaghaft ein,
„Brot, Kleidung, Obdach sind sehr wichtig,
doch schaff ich’s sicher nicht allein.
Und selbst wenn wir zusammenlegen
und jeder spendet ein paar Kröten,
um Elende gesund zu pflegen
- die ganze Wirtschaft geht doch flöten!
Der Arme sagt im Höchstfall „Danke“
und ruht sich auf der Stütze aus.
Was kostet uns der chronisch Kranke?
Das haut dem Fass den Boden raus.
Wer will denn dann noch Geld verleihen,
wenn niemals kommt ein Cent zurück?
Prophet Jesaja, Sie verzeihen:
Das ruiniert uns Stück für Stück.“
Wir sind mit Sorgen schwer beladen,
da uns das Glück so leicht entflieht,
weil, kaum dass wir im Glücke baden
gleich einer schon den Stöpsel zieht.
Doch der Prophet wirkt leicht verwundert.
Er scheint ganz kurz zu überlegen
und spricht (auf Seite siebenhundert):
„Wer Segen will, der muss sich regen.
Du denkst, es wird nur Geld verschwendet?
Auch wenn du Kräfte klug vereinst,
wird kein Stück Elend abgewendet?
Ich glaub, ich weiß jetzt, was du meinst:
Du hätt’st mit deinem großen Glauben
so gern mal einen Berg versetzt,
und jetzt komm ich und sag mit Schnauben,
du habest ein Gebot verletzt.
Wie gern willst du dem Herren droben
treu dienen! Doch du weißt nicht wie.
Man muss nicht gleich den Aufstand proben.
Üb Mitleid – griechisch: Sympathie.“
Denk nur mal an die kleine Spende
an einen Hilfsverein vor Ort.
Da kommt sie in die richt’gen Hände.
Vielleicht gibt’s auch ein Dankeswort.
Auch deine Kirche kann dir sagen
wohin sie Spendengelder leitet
in guten wie in schlechten Tagen,
weil sie Projekte lang begleitet.
Senioren, Krabbelkinder, Jugend,
Diakonie, Propstei Chonam;
es führt sogar die Spenden-Tugend
zur Herberge von Abraham.
Man halte nur ein wenig stille
und sei doch in sich selbst vergnügt,
wie unsers Gottes Gnadenwille,
wie sein Allwissenheit es fügt.
Du kannst auch deine Umwelt schonen:
Statt Auto fahr mal mit dem Bus.
Das Klima wird dich dann belohnen.
Noch besser ist: Du gehst zu Fuß.
Apropos Solidaritäten:
Der Bauer in der dritten Welt
beim Kaffee-Pflücken, Unkraut-Jäten,
was hat denn der von unserm Geld?
Nur ganz allmählich kommt der Wandel,
dass wir gerechte Preise zahlen.
Am besten geht’s im Fair-Trade-Handel,
da gibt’s den Kaffee auch gemahlen.
Es nützt dem Bauern herzlich wenig,
wenn ich mich nicht zusammenraufe,
sondern als Schnäppchenjäger-König
hier für zwo-fuffzig Kaffee kaufe.
Was helfen uns die schweren Sorgen,
was hilft uns unser Weh und Ach?
Was hilft es, dass wir alle Morgen
beseufzen unser Ungemach?
Die Sorg’ des Bauern ist viel schlimmer:
Da geht’s um Lebensunterhalt.
Und ich sitz’ hier im warmen Zimmer;
bei mir wird bloß der Kaffee kalt.
Das gleiche gilt für die Bananen,
die’s hier bei uns schön billig gibt.
Wir können leidvoll nur erahnen,
dass unser Tun ein Schicksal trübt.
Solln wir das Schicksal armer Bauern
- die Bibel nennt sie „unterjocht“ -
durch Kaufverhalten untermauern?
Das hat doch letztlich keinen Docht.
Wenn Arme immer ärmer werden
und Reiche dadurch mehr als reich,
das ist die Ungleichheit auf Erden.
Vor Gott sind alle Menschen gleich.
Die Ungleichheiten aufzuheben,
der Welt ein menschliches Gesicht,
Vertrau’n und Wärme neu zu geben,
das ist doch quasi unsre Pflicht.
Sogar der große Sting besingt sie,
die grad erwähnte Sympathie.
Den wirklich Liebenden gelingt sie.
„You love somebody – Set them free. “
Du siehst, du kannst durch Beten, Singen,
durch Kaufverhalten und mit Lachen
und mit so vielen andern Dingen
die Welt ein wenig besser machen.
Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,
verricht das Deine nur getreu
und trau des Himmels reichem Segen,
so wird er bei dir werden neu.
Denn welcher seine Zuversicht
auf Gott setzt, den verlässt er nicht. Amen.
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