38 Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf.
39 Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu.
40 Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihnen zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll!
41 Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe.
42 Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.
Gereimte Fastnachtspredigt
Lk. 10, 38-42 „Maria und Marta“
von Kerstin Schäfer, 2. März 2025
- Hmmmmm!
Der Lammbraten ist top gelungen:
Schön kross und saftig, zart und frisch.
Ein Festtagsmahl für Kenner-Zungen,
das bringt die Marta auf den Tisch. - Dazu die knusprig-leck‘ren Brote,
Olivenöl, sehr fein gewürzt,
ein Wein mit ganz besond’rer Note.
Ein Narr, wer sich da nicht drauf stürzt! - Die Düfte, die zum Himmel steigen,
sie sind fürwahr die reinste Wonne.
Oliven, Trauben, Datteln, Feigen,
sie glitzern taufrisch in der Sonne. - Die Männer liegen längst zu Tische
und draußen wuselt flink das Weib.
Es kocht die Marta in der Küche
sich fast die Seele aus dem Leib. - Die Seele aus dem Leib zu kochen
ist sicher nicht grad zu empfehlen.
Mich treibt das um seit vielen Wochen.
Die Seele würd‘ uns schmerzlich fehlen. - Was ist wohl wichtiger im Leben?
Der Leib wird irgendwann erkalten.
Es gilt nach Höherem zu streben:
Die Seele, die muss ewig halten. - Noch immer seh’n wir Marta eilen.
Gastfreundschaft ist ein hohes Gut.
Sie gönnt sich nicht, mal zu verweilen,
so wie es die Maria tut. - Sie tritt vielmehr mit Zornesmiene
dem Jesus alsbald vors Gesicht:
„Dass ich hier ganz alleine diene,
Herr Jesus, danach fragst du nicht?“ - „Herr, fragst du nicht, ob wir ersaufen?“
so fragten auch die Jünger einst.
„Die Wellen spül’n uns über ‘n Haufen,
derweil du sanft zu ruhen scheinst.“ - Die Wellen und den Sturm zu stillen,
gelingt dem Jesus ganz entspannt.
Er unterwirft sie seinem Willen.
Er nimmt auch Marta an die Hand: - „Du machst viel Mühe dir und Sorgen,“
erwidert Jesus allsogleich,
„doch bleibt die Botschaft dir verborgen,
die Botschaft über Gottes Reich. - Siehst du die Vögel unterm Himmel?
Das hab ich doch schon oft erklärt.
Sie stürzen sich in das Getümmel.
Die brauchen keinen eignen Herd. - Siehst du die Lilien auf dem Felde?
– grad nicht, es ist erst Februar –
Doch zeigt sich ihre Pracht in Bälde,
so sorglos wie in jedem Jahr.“ - Jetzt wollt ich euch einmal verwirren.
Mit Februar, das war ein Scherz.
Doch ihr lasst euch nicht leicht beirren.
Wir haben jetzt natürlich März. (mit „ä“) - „Du hast das Wichtigste vergessen,“
wirft Marta jetzt beharrlich ein.
„Wer sorgt denn bitteschön fürs Essen?
Das macht sich doch nicht von allein. - Nun nimm zum Beispiel meine Schwester:
Sie legt die Hände in den Schoß,
und ich bin folglich noch gestresster.
Herr, warum duldest du das bloß? - Maria sitzt zu deinen Füßen,
weil du zu predigen geruhst,
und ich muss dafür auch noch büßen.“
Die Marta zeigt sich not amused. - „Moment mal, büßen muss hier keiner,“
bremst Jesus jetzt die Marta aus,
„nun mach dich doch nicht künstlich kleiner,
es ist doch schließlich auch dein Haus. - Du kannst dich ruhig zu uns setzen,“
nimmt er den Wind ihr aus den Segeln,
„und kannst, statt wild herum zu hetzen,
dich einfach mal herunter pegeln.“ - Maria lauscht auf Jesu Lehren.
Das ist es, was gerade zählt,
das sollte niemand ihr verwehren.
Sie hat das gute Teil gewählt. - „Und das wird nicht von ihr genommen,“
stellt Jesus jetzt energisch fest.
Die Marta fühlt sich so beklommen,
dass sie das Wuseln jetzt mal lässt. - Derweil zieht Jesus durch sein Reden
die Hörerschaft in seinen Bann.
Und jetzt erreicht er wirklich jeden.
Auch Marta spürt: Das ist jetzt dran. - Ab jetzt entspannen sich die Mienen
– endlich vom Küchendienst befreit.
Beim Hören ist es wie beim Dienen:
Ein jegliches hat seine Zeit. - Es gibt auch eine Zeit zum Handeln
– barmherzig wie der Samariter –
und nicht nur stur vorbei zu wandeln.
Das wäre für den Kranken bitter. - Auch Jesus hat an vielen Orten
Verletzte, Kranke oft geheilt
und vor so mancher Städte Pforten
bei Ausgestoßenen verweilt. - Doch heute, hier, steht seine Lehre
eindeutig mal im Vordergrund,
damit man geistlich sich ernähre,
aus erster Hand, aus erstem Mund. - Er hat für uns „Worte des Lebens“,
egal, wohin wir nachher geh’n:
Ihr lauscht den Worten nicht vergebens,
drum bleibt solang bei Jesus steh’n. - Auch sagt er uns: „Wer mein Wort hört
und dem, der mich gesandt hat, glaubt,
dem sei auf Ewigkeit beschert
das beste Leben überhaupt. - Kommt her zu mir, die ihr beladen,
geknechtet seid und fast erdrückt.
Hier findet ihr den Quell der Gnaden.
Bei mir, da werdet ihr erquickt. - Wenn Menschen Gottes Worte hören
und aufmerksam bei sich bewahren,
dann soll man sie dabei nicht stören.
Sie werden Seligkeit erfahren.“ - Was heißt das nun für unser Leben
in kirchlichen Zusammenhängen?
Soll’n wir nach etwas Hohem streben?
Sind wir befreit von allen Zwängen? - Die Hände in den Schoß zu legen,
um sich genüsslich auszuruh’n,
steht unter keinem guten Segen.
Es gibt doch ständig was zu tun: - Gottesdienst-Räume vorbereiten
mit Kerzen, Glocken, Blumen, Büchern,
und bei besond’ren Festlichkeiten
auch noch mit bunt bedruckten Tüchern. - Auf Blumenbeeten Blumen gießen,
von Zeit zu Zeit die Hecken stutzen,
damit die Pflanzen richtig sprießen
zu unser aller Freud und Nutzen. - Allwöchentlich den Gehsteig fegen,
Getränke kühlen, Liedblatt falten.
Es muss jemand die Website pflegen,
und jemand muss das Geld verwalten. - Beim Büchercafé braucht man Kuchen,
Kaffee, Milch, Zucker auf dem Tisch,
Servietten schnell zusammensuchen
und Blumensträußchen, alles frisch. - An großen Festen brauchst’s Plakate
und meistens auch ganz viele Flyer
für Ostern, Weihnacht und Kantate.
Dann wird es eine schöne Feier. - Oft muss man über steile Treppen
für das Konzert vom Kirchenchor
´ne Vielzahl von Podesten schleppen.
Alsdann gibt’s Wohlklang für das Ohr. - Advent, da heißt es Plätzchen backen
und Socken stricken für’n Bazar,
dann alles hübsch in Päckchen packen,
auch Babyschühchen, Paar für Paar. - Bei solcherart Alltäglichkeiten,
die einen groß, die andern klein,
die ich versucht hab auszubreiten,
da fällt mir glatt die Marta ein: - Der „Tischdienst“, den wir von ihr kennen,
bei dem sie schuftet wie noch nie,
und dabei droht, sich zu verrennen,
heißt übersetzt „Diakonie“. - Als „Nächstenliebe“ kennt man heute
die Haltung in der Christenheit.
Das praktizieren viele Leute
aus wohlverstand’ner Menschlichkeit. - Doch Marta hat es übertrieben,
statt auch mal auf sich selbst zu achten.
Wir werden das ab heute üben:
zuerst nach Gottes Reich zu trachten. - „Trachtet zuerst nach seinem Reiche,
so fällt euch solches alles zu.“
Wenn ich’s mit anderem vergleiche,
find‘ ich, das ist der große Clou. - Und wenn wir suchen, soll’n wir finden,
und dem, der klopft, wird aufgetan.
All unsre Sorgen soll’n verschwinden.
Das klingt doch nach nem guten Plan. - Ach, sucht doch den, lasst alles stehen,
wenn ihr von Christus Heil begehrt.
Er ist es, der im Handumdrehen
euch auch ein Stück vom Heil gewährt. - Und um die Seligkeit zu finden,
such, wer da will, ein andres Ziel
als Christi Worte zu verkünden.
Ich halt‘ das für nen guten Deal. - Wie wär’s, als Marta zu agieren,
und außerdem zu gleichem Teil
sich als Maria konzentrieren
auf Jesu Worte und seil Heil. - Ich glaube, beides ist notwendig:
Mal Marta, mal Maria sein.
Das hält den Glauben quicklebendig
und kann uns neue Kraft verleih’n. - Der Friede Gottes mög euch leiten,
der höher ist als die Vernunft,
und euch auf eurem Weg begleiten
bei jeglicher Zusammenkunft.
Amen.