{"id":195,"date":"2015-05-16T14:44:26","date_gmt":"2015-05-16T12:44:26","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?page_id=195"},"modified":"2015-05-19T10:55:26","modified_gmt":"2015-05-19T08:55:26","slug":"195-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.kerstins-kirchenkabarett.de\/?page_id=195","title":{"rendered":"2015: Gereimte Fastnachtspredigt zu 2. Korinther 6, 1-10"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gereimte Fastnachtspredigt zu 2. Korinther 6, 1-10<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie Bew\u00e4hrung des Apostels in seinem Dienst\u201c<br \/>\n15. Februar 2015<br \/>\nvon Kerstin Sch\u00e4fer<\/p>\n<p>1. Ach, was muss man oft von b\u00f6sen<br \/>\nS\u00fcndern h\u00f6ren oder lesen!<br \/>\nWie zum Beispiel hier von diesen,<br \/>\nwelche \u201edie Korinther\u201c hie\u00dfen,<\/p>\n<p>2. die, anstatt auf weise Lehren<br \/>\ndes Apostels stets zu h\u00f6ren,<br \/>\noftmals \u00fcber Paulus lachten<br \/>\nund sich heimlich lustig machten.<\/p>\n<p>3. Paulus gibt sich viele M\u00fch\u2018,<br \/>\nunterweist und lehret sie,<br \/>\nhofft, dass sie in Glaubenssachen<br \/>\nm\u00f6glichst alles richtig machen.<\/p>\n<p>4. Aber die Korinther dachten,<br \/>\nwie sie ihn verdrie\u00dflich machten.<br \/>\nNun hat dieser brave Lehrer<br \/>\nleider kaum noch \u00b4nen Verehrer,<\/p>\n<p>5. weil sich hier die Sch\u00f6nen, Reichen<br \/>\nmit dem Mann nicht gern vergleichen.<br \/>\nGanz in Bettler-Kluft geh\u00fcllt<br \/>\nsteht er da als Jammerbild,<\/p>\n<p>6. der als Redner nicht begnadet,<br \/>\n(was dem Anseh\u2019n weiter schadet)<br \/>\nund der trotzdem weiter predigt,<br \/>\nseine Leut\u2018 w\u00e4r\u2019n bald erledigt,<\/p>\n<p>7. weil sie Gnade zwar empfangen,<br \/>\naber nie zum Heil gelangen,<br \/>\nwenn sie nicht in diesem Leben<br \/>\neifrig schon nach Wohltat streben.<\/p>\n<p>8. Doch als Gr\u00fcnder der Gemeinde<br \/>\nhat er diese nun zum Feinde.<br \/>\nWie sie jetzt die Nase r\u00fcmpfen<br \/>\nund als Ketzer ihn beschimpfen,<\/p>\n<p>9. ist nur schwerlich zu ertragen,<br \/>\nsie, die einst in sch\u00f6nen Tagen,<br \/>\nbald im Hofe, bald im Garten,<br \/>\nlebensfroh sich um ihn scharten!<\/p>\n<p>10. Ach, der Paulus weint auf\u2019s Neu<br \/>\nund spitzt weiter seinen Blei-<br \/>\nstift f\u00fcr ein paar weit\u2019re Briefe,<br \/>\ndie ich heute nicht vertiefe.<\/p>\n<p>11. Als ich j\u00fcngst im Schwarzwald weilte<br \/>\nund zum Gottesdienst dort eilte,<br \/>\nsprach der Pfarrer mit Betr\u00fcben:<br \/>\n\u201eWie kann man den N\u00e4chsten lieben,<\/p>\n<p>12. wenn f\u00fcr die sechstausend Seelen<br \/>\nschlichtweg Arbeitskr\u00e4fte fehlen?<br \/>\nSekret\u00e4rin, Diakon,<br \/>\nPfarrer \u2013 und das war\u2019s auch schon.<\/p>\n<p>13. Wer soll Konfirmanden lehren<br \/>\nund die Glaubenskraft vermehren?<br \/>\nWer soll au\u00dfer mir denn leiten<br \/>\nall die Amtest\u00e4tigkeiten?<\/p>\n<p>14. Wann soll ich mein Pfeifchen rauchen,<br \/>\nwenn mich st\u00e4ndig alle brauchen?<br \/>\nJeder sucht sein Seelenheil,<br \/>\nnur der Pfarrer hat sein Teil!\u201c<\/p>\n<p>15. Denkt Euch nur: Das war kein Witz!<br \/>\nBeinah\u2018 lupft\u2018 es mich vom Sitz.<br \/>\nDie Gemeinde jedenfalls<br \/>\nhat der Pfarrer wohl \u201eam Hals\u201c.<\/p>\n<p>16. Fr\u00fcher hatt\u2018 man hierzuland\u2018<br \/>\ndie Gemeinde \u201ein der Hand\u201c.<br \/>\nBald drauf, als es Sonntag wieder,<br \/>\nund ich lauschte brav und bieder<\/p>\n<p>17. in der Kirche mit Gef\u00fchle<br \/>\neinem andern Orgelspiele<br \/>\nin \u00b4ner anderen Gemeinde,<br \/>\ndie den Pfarrer hat zum Freunde,<\/p>\n<p>18. denk\u2018 ich: Was f\u00fcr ein Kontrast!<br \/>\nKeiner f\u00e4llt dem Mann zur Last.<br \/>\nSekret\u00e4rin, Kirchendiener,<br \/>\nJungschar-Leiter, Jugend-Teamer,<\/p>\n<p>19. Kirchen\u00e4lteste, Kantoren,<br \/>\nPr\u00e4dikanten und Senioren,<br \/>\nBibelleser, Frauenkreise,<br \/>\nHelfer f\u00fcr die Konfi-Reise &#8211;<\/p>\n<p>20. Alle zieh\u2019n an einem Strange.<br \/>\nDiesem Pfarrer wird nicht bange.<br \/>\nUnd verwundert steht und spricht er:<br \/>\n\u201eIch seh\u2018 hundertzehn Gesichter,<\/p>\n<p>21. die mich alle unterst\u00fctzen<br \/>\nund so der Gemeinschaft n\u00fctzen.\u201c<br \/>\nKommt er abends sp\u00e4t nach Haus\u2018,<br \/>\nzieht er sich die Stiefel aus,<\/p>\n<p>22. was man, ohne alle Frage,<br \/>\nnach des Tages M\u00fch und Plage<br \/>\neinem guten Gottesmann<br \/>\nauch von Herzen g\u00f6nnen kann.<\/p>\n<p>23. Auch wenn Pflichten aller Arten<br \/>\nund Geburtstagskinder warten,<br \/>\nmuss er nicht allein sich qu\u00e4len,<br \/>\nkann auf den Besuchskreis z\u00e4hlen.<\/p>\n<p>24. Kurz: Man ist darauf bedacht,<br \/>\nwie Gemeinde Freude macht,<br \/>\nweil\u2019s schon in der Bibel hei\u00dft:<br \/>\nViele Gaben \u2013 doch ein Geist.<\/p>\n<p>25. Und ich sag\u2019s Euch im Vertrauen:<br \/>\nUns\u2019re Pfarrerinnen bauen<br \/>\nbei der eignen Amtsverwaltung<br \/>\nebenfalls auf Team-Gestaltung.<\/p>\n<p>26. Eine jauchzte nach dem Motto<br \/>\n\u201e\u00b4S ist wie\u2019n Sechser fast im Lotto,<br \/>\nzu Johannes zu geh\u00f6ren,<br \/>\nhier die S\u00fcnder zu bekehren.\u201c<\/p>\n<p>27. Da denk\u2018 ich: Ist das nicht sch\u00f6n,<br \/>\nso viel Engagement zu seh\u2019n!<br \/>\nKeiner l\u00e4sst uns hier allein.<br \/>\nHier will ich gern S\u00fcnder sein!<\/p>\n<p>28. Doch zur\u00fcck auf Paulus\u2018 Pfade<br \/>\nund zum Abschnitt mit der \u201eGnade\u201c,<br \/>\ndie man leicht empf\u00e4ngt vergebens<br \/>\nin den Wirren dieses Lebens.<\/p>\n<p>29. Dies sagt auch Bonhoeffers Dietrich:<br \/>\nEs sei jedem Christsein widrig,<br \/>\nstets auf Gnade zwar zu hoffen<br \/>\ndoch sich weiterhin zu zoffen.<\/p>\n<p>30. So wird Gnade schlicht zu billig,<br \/>\nwenn man meint, Gott w\u00fcrde willig<br \/>\neinfach Gnade auf uns gie\u00dfen,<br \/>\ndass der Wohlstand m\u00f6ge sprie\u00dfen,<\/p>\n<p>31. und man k\u00f6nnt\u2018 nach freiem Willen<br \/>\nGnade sich in Flaschen f\u00fcllen,<br \/>\nab und zu \u00b4nen Schluck draus nehmen.<br \/>\nDas ist f\u00fcr die ganz Bequemen.<\/p>\n<p>32. Mancher formuliert es k\u00fchner:<br \/>\n\u201eGnade sind gebrat\u2019ne H\u00fchner,<br \/>\ndie uns in die M\u00fcnder fliegen,<br \/>\nsozusagen aus Vergn\u00fcgen.<\/p>\n<p>33. Und vom ganzen H\u00fchnerschmaus<br \/>\nguckt nur noch ein Bein heraus.\u201c<br \/>\nNein! Wir d\u00fcrfen hier nicht ruh\u2019n!<br \/>\nManches muss man selber tun.<\/p>\n<p>34. \u201eGnade\u201c, schreibt Bonhoeffer drum,<br \/>\n\u201eist das Evangelium\u201c,<br \/>\ndas man nicht als Reise bucht,<br \/>\nsondern \u201eunerm\u00fcdlich sucht.\u201c<\/p>\n<p>35. Gnade hilft uns aus den N\u00f6ten,<br \/>\ndoch es muss darum gebeten,<br \/>\nja, sogar gerungen werden,<br \/>\nwie im Himmel, so auf Erden.<\/p>\n<p>36. \u201eGnade\u201c, sucht vor allen Dingen<br \/>\nuns auch Paulus nahzubringen,<br \/>\n\u201eist die T\u00fcr, an die man klopft,<br \/>\nwenn der Weg zum Heil verstopft.\u201c<\/p>\n<p>37. Auch wenn uns das nicht geheuer:<br \/>\nEigentlich ist Gnade teuer.<br \/>\nHoch ist Bonhoeffer zu preisen,<br \/>\nder sich dieses hei\u00dfe Eisen<\/p>\n<p>38. mutig damals macht zu eigen,<br \/>\nstatt geflissentlich zu schweigen.<br \/>\nDenn er unterscheidet grade<br \/>\nbillige von teurer Gnade.<\/p>\n<p>39. \u201eTeuer\u201c hat er\u2018s eingesch\u00e4tzt,<br \/>\nChristus nachzufolgen &#8211; jetzt.<br \/>\n\u201eBillig\u201c, S\u00fcnden zu vergeben,<br \/>\nohne Umkehr anzustreben.<\/p>\n<p>40. Billig w\u00e4re: Kinder taufen<br \/>\nund sich nicht zusammenraufen,<br \/>\nsie im Geist der Heilsgeschichten<br \/>\nwirklich auch zu unterrichten.<\/p>\n<p>41. Billig w\u00e4r\u2018 es auch am Ende,<br \/>\nzu verschleudern Sakramente,<br \/>\nnach Bekenntnis nicht zu fragen<br \/>\nan den Abendmahls-Sonntagen.<\/p>\n<p>42. Schlimm, wenn man das Ziel verdr\u00e4ngt<br \/>\nund ans Kaffeekr\u00e4nzchen denkt:<br \/>\n\u201eFrau\u2019n und M\u00e4nner schlucken munter<br \/>\njedes ein St\u00fcck Brot hinunter.\u201c<\/p>\n<p>43. Ganz im Stillen und in Ehren<br \/>\nein St\u00fcck Wei\u00dfbrot zu verzehren,<br \/>\ndas ist freilich angenehmer<br \/>\nund dazu auch viel bequemer,<\/p>\n<p>44. als die S\u00fcnden zu bekennen,<br \/>\ndie uns von der Gnade trennen.<br \/>\nDas klingt freilich sehr vermessen,<br \/>\nals h\u00e4tt\u2019 Weisheit ich \u201egefressen\u201c.<\/p>\n<p>45. Sowas w\u00fcrd\u2018 ich nie behaupten,<br \/>\nweil Sie mir das gar nicht glaubten.<br \/>\nVon dem, was wir heut gelernt,<br \/>\nbin ich selbst noch weit entfernt.<\/p>\n<p>46. Nur des Reformators Worte<br \/>\nsei\u2019n zitiert an diesem Orte<br \/>\nganz im Geist des Miteinanders:<br \/>\n\u201eHier steh\u2018 ich, ich kann nicht anders.\u201c<\/p>\n<p>47. Jetzt ist alles fast in Butter:<br \/>\nKerstin bringt den Spruch vom Luther,<br \/>\nwof\u00fcr sie besonders schw\u00e4rmt,<br \/>\nwenn er wieder aufgew\u00e4rmt.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gereimte Fastnachtspredigt zu 2. Korinther 6, 1-10 \u201eDie Bew\u00e4hrung des Apostels in seinem Dienst\u201c 15. Februar 2015 von Kerstin Sch\u00e4fer 1. Ach, was muss man oft von b\u00f6sen S\u00fcndern h\u00f6ren oder lesen! 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