{"id":222,"date":"2015-05-16T21:35:46","date_gmt":"2015-05-16T19:35:46","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?page_id=222"},"modified":"2015-05-16T21:43:38","modified_gmt":"2015-05-16T19:43:38","slug":"gereimte-fastnachtspredigt-zu-amos-5-21-24","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.kerstins-kirchenkabarett.de\/?page_id=222","title":{"rendered":"2012: Gereimte Fastnachtspredigt zu Amos 5, 21-24"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gereimte Fastnachtspredigt zu Amos 5, 21-24<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDer \u00e4u\u00dferliche Gottesdienst tut&#8217;s nicht&#8220;<br \/>\n19. Februar 2012<br \/>\nvon Kerstin Sch\u00e4fer<\/p>\n<p>1. \u201eWas n\u00fctzt mir euer Gottesdienst,<br \/>\nin dem ihr betet, singt und pienst?<br \/>\nWas hilft\u2019s, dass ihr euch hier versammelt,<br \/>\nwenn drau\u00dfen jedes Recht vergammelt?<\/p>\n<p>2. Und auch die wohlgemeinten Spenden<br \/>\naus euren reichen, fetten H\u00e4nden,<br \/>\ndie Dank- und auch die Opfergaben,<br \/>\ndie will ich von euch gar nicht haben.<\/p>\n<p>3. Erspart mir euer Lied-Gepl\u00e4rr&#8220;,<br \/>\nso schimpft laut Amos Gott, der Herr,<br \/>\n\u201eund auch das ganze Orgelspiel<br \/>\nist mir zuwider und zuviel.&#8220;<\/p>\n<p>4. Ja, hoppla, das ist Gottes Kunde<br \/>\naus des Propheten Amos Munde?<br \/>\nWill Gott tats\u00e4chlich uns die Sachen,<br \/>\ndie ihm doch dienen, madig machen?<\/p>\n<p>5. Grad war\u2019s noch friedlich, fromm und heiter.<br \/>\nDoch halt: Der Vers geht ja noch weiter.<br \/>\nKann der Prophet mit sanften T\u00f6nen<br \/>\nuns doch noch mit dem Text vers\u00f6hnen?<\/p>\n<p>6. \u201eWie Wasser str\u00f6men soll das Recht,<br \/>\nsonst geht es der Gemeinschaft schlecht.<br \/>\nGerechtigkeit ruft in euch wach.<br \/>\nSie str\u00f6me wie ein stet\u2019ger Bach.&#8220;<\/p>\n<p>7. Ja, wie? Wir sind doch die Gerechten;<br \/>\nund drau\u00dfen stehn die echten Schlechten.<br \/>\nWir gehn zur Kirche, Gott zur Freude,<br \/>\ntun keiner Fliege was zuleide.<\/p>\n<p>8. Wir singen, beten, preisen, loben.<br \/>\nDer Kerzenduft steigt sch\u00f6n nach oben.<br \/>\nKein Unrecht find\u2019st du bei uns allen,<br \/>\ndas muss dem Herrgott doch gefallen!<\/p>\n<p>9. \u201eGenug&#8220;, ruft Amos, \u201egeht mal raus.<br \/>\nWie sieht die Welt denn heute aus?<br \/>\nIhr habt das Ding bereits verpatzt;<br \/>\nmir ist der Kragen schon geplatzt!<\/p>\n<p>10. Seht ihr das Recht wie Wasser str\u00f6men?<br \/>\nIhr solltet euch &#8211; wei\u00df Gott &#8211; was sch\u00e4men!<br \/>\nDa ist ein Hauen und ein Stechen.<br \/>\nWohin man schaut, gibt\u2019s nur Verbrechen<\/p>\n<p>11. und Vorteilsnahme, Korruption,<br \/>\nwie vor 3000 Jahren schon.<br \/>\nMan schaut be\u00e4ngstigt und verwundert<br \/>\nins einundzwanzigste Jahrhundert.&#8220;<\/p>\n<p>12. Nein, Amos, das sind doch nicht wir.<br \/>\nWir beten und wir sitzen hier.<br \/>\nDie B\u00f6sen, das sind stets die andern.<br \/>\nDa brauchst du gar nicht weit zu wandern.<\/p>\n<p>13. Den Nachbarn in dem Kirchenspiel<br \/>\nist schon der Chorgesang zuviel,<br \/>\nzu schweigen ganz von den Trompeten!<br \/>\n\u00b4Ne Kirche hat halt nicht blo\u00df Fl\u00f6ten.<\/p>\n<p>14. Doch Fl\u00f6tent\u00f6ne beizubringen,<br \/>\ndas soll uns hoffentlich gelingen,<br \/>\nden Nachbarn, die in diesem ganzen<br \/>\nCarree uns auf der Nas\u2019 rumtanzen.<\/p>\n<p>15. \u201eDa, guckt&#8220;, ruft Amos, \u201eals Gemeinde<br \/>\nhabt ihr schon eure Lieblingsfeinde.<br \/>\nDie einzelnen Gemeindeglieder<br \/>\nsind sicher auch nicht brav und bieder.<\/p>\n<p>16. Das wollt ihr mir doch nicht erz\u00e4hlen,<br \/>\ndass euch Gewissensbisse qu\u00e4len,<br \/>\nwenn ihr mal glaubt, ihr seid im Recht,<br \/>\nund einen Streit vom Zaune brecht.&#8220;<\/p>\n<p>17. Na ja, man streitet sich schon mal.<br \/>\nDas gibt\u2019s ja schlie\u00dflich \u00fcberall,<br \/>\nund auch, dass, eh\u2019 man sich versieht,<br \/>\nder andre Teil den K\u00fcrzern zieht.<\/p>\n<p>18. Man trennt sich manchmal auch im Streit.<br \/>\nOft tut es einem sp\u00e4ter leid.<br \/>\nAuch ist es uns schon mal passiert,<br \/>\ndass so \u00b4ne Sache eskaliert.<\/p>\n<p>19. Grad denkt man noch, \u00b4s gibt ein Problem,<br \/>\nwas auch nicht grade angenehm.<br \/>\nMan handelt etwas ungeschickt.<br \/>\nSchwupp! Das Problem wird zum Konflikt.<\/p>\n<p>20. Durch Ignoranz &#8211; das ist das Doofe &#8211;<br \/>\nwird der Konflikt zur Katastrophe.<br \/>\nDann schau\u2019n wir uns bel\u00e4mmert an:<br \/>\nWo ist der Mensch, der helfen kann?<\/p>\n<p>21. \u201eIch kann euch helfen in der Not&#8220;,<br \/>\nsagt Amos, \u201ebin zwar lang schon tot,<br \/>\ndoch wie ihr wisst, ham wir Propheten<br \/>\ngewisse Seher-Qualit\u00e4ten.<\/p>\n<p>22. Das Unrecht macht sich bei euch breit,<br \/>\ngenauso wie zu meiner Zeit.<br \/>\nIhr habt es bisher nicht geschafft,<br \/>\ndass diese L\u00fccke nicht mehr klafft.<\/p>\n<p>23. Die L\u00fccke zwischen Arm und Reich,<br \/>\ndie gab\u2019s bei uns und gibt\u2019s bei euch.<br \/>\nDie L\u00fccke zwischen Schwach und M\u00e4chtig<br \/>\ngedeiht zu allen Zeiten pr\u00e4chtig.<\/p>\n<p>24. Drum rat ich M\u00e4nnern und auch Frau\u2019n,<br \/>\nauf Arme nicht herabzuschau\u2019n,<br \/>\nauf Schwachen nicht noch rumzutreten.<br \/>\nSie sind doch ohnehin in N\u00f6ten.<\/p>\n<p>25. So einer hat oft keine Lobby<br \/>\nund meistens nicht einmal ein Hobby.<br \/>\nDer macht sich keinen sch\u00f6nen Lenz;<br \/>\nder k\u00e4mpft um seine Existenz!<\/p>\n<p>26. Drum gilt es, Schwache aufzurichten,<br \/>\nstatt ihnen Mitschuld anzudichten<br \/>\nam Schicksal, das sie schwer ertragen<br \/>\nin guten wie in schlechten Tagen.&#8220;<\/p>\n<p>27. Prophet, wir werden uns bem\u00fchen,<br \/>\nab jetzt an einem Strang zu ziehen.<br \/>\nDoch wolln wir, statt hier rumzueiern<br \/>\nauch weiter Gottesdienste feiern.<\/p>\n<p>28. Und &#8211; deine Wut in allen Ehren &#8211;<br \/>\ngrad das willst du uns heut verwehren.<br \/>\nWie war das mit dem Lied-Gepl\u00e4rre<br \/>\nund mit der Opferspenden-Sperre?<\/p>\n<p>29. Wir leben und wir lassen leben<br \/>\nund sind bereit, was abzugeben.<br \/>\nWir stimmen in die Lieder ein.<br \/>\nDas kann doch so verkehrt nicht sein.<\/p>\n<p>30. \u201eVerkehrt&#8220;, spricht Amos, \u201eist das nicht,<br \/>\ndoch steht\u2019s euch nicht gut zu Gesicht,<br \/>\ndass ihr Distanz zum N\u00e4chsten schafft.<br \/>\nIhr schmort zu sehr im eig\u2019nen Saft.<\/p>\n<p>31. Ich m\u00f6chte, dass ihr Demut lernt.<br \/>\nZwar bin ich weit davon entfernt,<br \/>\nin Bausch und Bogen zu verdammen,<br \/>\ndoch passt hier manches nicht zusammen:<\/p>\n<p>32. Ihr droht, beim Trinken und beim Essen<br \/>\ndie \u201eAusgesto\u00dfnen&#8220; zu vergessen.<br \/>\nDie satte Selbstgerechtigkeit<br \/>\nmacht sich in eurer Kirche breit.<\/p>\n<p>33. Und eines schlagt euch aus dem Kopf:<br \/>\nDas ist ein furchtbar alter Zopf,<br \/>\nzu glauben, dass es Gott was n\u00fctze,<br \/>\nwenn jeder von euch bei ihm sitze<\/p>\n<p>34. in seinem sch\u00f6nen Gotteshaus.<br \/>\nGrad anders wird ein Schuh daraus:<br \/>\nGott dient den Menschen hier auf Erden,<br \/>\nund daraus kann was Gr\u00f6\u00df\u2019res werden,<\/p>\n<p>35. wenn dies die Menschen auch erfassen<br \/>\nund lernen, sich drauf einzulassen,<br \/>\nsich nicht im Egoismus \u00fcben<br \/>\nund endlich mal den N\u00e4chsten lieben!<\/p>\n<p>36. Ich hoff\u2019, es hat bei euch gefunkt:<br \/>\nDer Gott, der steht im Mittelpunkt!<br \/>\nDer Gott, der hat euch was zu sagen!<br \/>\nEr kann euch durch die Woche tragen.&#8220;<\/p>\n<p>37. So weit der Aufruf des Propheten,<br \/>\ndamit wir nicht ins Leere beten<br \/>\nund dass wir uns nicht selbst besingen.<br \/>\nDas Miteinander muss gelingen.<\/p>\n<p>38. Wer diesen Mittelpunkt nicht ehrt,<br \/>\nmacht irgendetwas grundverkehrt.<br \/>\nUnd wer die Hauptperson nicht feiert,<br \/>\nnur lieblos Verslein runterleiert,<\/p>\n<p>39. der wird genauso wenig froh<br \/>\nwie in dem Sketch von Loriot<br \/>\nder sechzigj\u00e4hr\u2019ge Jubilar.<br \/>\nDen stellt er ausgezeichnet dar,<\/p>\n<p>40. wie er durchs Festtags-Studio stolpert,<br \/>\nderweil ein Chor durchs Liedgut holpert.<br \/>\nZwei M\u00e4dels sind verst\u00e4rkt bem\u00fcht,<br \/>\ndass er durch Lorbeer-Tore zieht.<\/p>\n<p>41. Er wird geschubst und auch geschoben<br \/>\nund schlie\u00dflich ganz heraufgehoben<br \/>\nin eine Art Kulissen-Himmel.<br \/>\nDazwischen sieht man ein Gewimmel<\/p>\n<p>42. halbnackter Jubil\u00e4umss\u00e4nger.<br \/>\nDie Peinlichkeit wird immer l\u00e4nger.<br \/>\nEin Podiumsredner scheitert kl\u00e4glich. &#8211;<br \/>\nEs ist ganz einfach unertr\u00e4glich.<\/p>\n<p>43. Uns kommt\u2019s nat\u00fcrlich lustig vor:<br \/>\nder echte Loriot-Humor.<br \/>\nDoch letztlich tritt der Ernst der Lage<br \/>\nwohl auch in diesem Sketch zutage.<\/p>\n<p>44. Geburtstag voller Heuchelei<br \/>\nzielt am Geburtstagskind vorbei.<br \/>\nUnd Gottesdienste ohne Gott<br \/>\nsind letztlich nur ein Haufen Schrott.<\/p>\n<p>45. Drum schreibt\u2019s euch alle hinters Ohr:<br \/>\nMan feiert Fastnacht mit Humor.<br \/>\nMan feiert Gottesdienst mit Gott,<br \/>\nsonst erntet man bei Amos Spott.<\/p>\n<p>46. Sollt\u2019s ausnahmsweise mal geschehen,<br \/>\ndass diese drei zusammen gehen,<br \/>\n&#8211; Fastnacht und Gottesdienst und Reim &#8211;<br \/>\nda bleibt man doch nicht gern daheim.<\/p>\n<p>47. Da macht man sich zur Kirche auf,<br \/>\nwenn\u2019s sein muss auch im Dauerlauf.<br \/>\nDort wird man die Gemeinschaft pflegen,<br \/>\nvom \u201eKyrie&#8220; bis hin zum Segen.<\/p>\n<p>48. Man bleibt vorm Auseinandergehen<br \/>\nnoch bei \u00b4ner Tasse Kaffee stehen.<br \/>\nDoch wird man dort vor allen Dingen<br \/>\nmal lauthals \u201eHalleluja&#8220; singen.<\/p>\n<p>49. Da Gottes Friede h\u00f6her ist<br \/>\nals die Vernunft es je ermisst,<br \/>\nbewahr\u2019 er euer Herz und Sinnen<br \/>\nin Jesus Christus, ganz tief drinnen.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gereimte Fastnachtspredigt zu Amos 5, 21-24 \u201eDer \u00e4u\u00dferliche Gottesdienst tut&#8217;s nicht&#8220; 19. 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