{"id":235,"date":"2015-05-16T21:46:35","date_gmt":"2015-05-16T19:46:35","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?page_id=235"},"modified":"2015-05-16T21:47:41","modified_gmt":"2015-05-16T19:47:41","slug":"2010-gereimte-fastnachtspredigt-zu-1-korinther-13-1-13","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.kerstins-kirchenkabarett.de\/?page_id=235","title":{"rendered":"2010: Gereimte Fastnachtspredigt zu 1. Korinther 13, 1-13"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gereimte Fastnachtspredigt zu 1. Korinther 13, 1-13<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Das Hohelied der Liebe&#8220;<br \/>\n14. Februar 2010<br \/>\nvon Kerstin Sch\u00e4fer<\/p>\n<p>1. Nachdem ich schon zum zweiten Mal<br \/>\ngepredigt hab im Gro\u00dfen Saal,<br \/>\nder besser zu beheizen war<br \/>\nals der Bereich um den Altar,<br \/>\nbin ich jetzt doch ein bisschen stolz,<br \/>\nzu stehn am echten Kanzelholz,<br \/>\nwo vor mir gro\u00dfe Theologen<br \/>\ndie Quintessenz aus Texten zogen.<\/p>\n<p>2. Der Text ist heute ziemlich leicht.<br \/>\nAuf Liebe sind wir ja geeicht<br \/>\nund wissen, dass kein Streben n\u00fctzt,<br \/>\nwenn man die Liebe nicht besitzt.<\/p>\n<p>3. Doch halt! So einfach ist\u2019s nicht immer,<br \/>\nund manch Ereignis ist viel schlimmer,<br \/>\nals viele das ertragen k\u00f6nnen.<br \/>\nIch will hier nur ein Beispiel nennen:<\/p>\n<p>4. Es bebte vor \u00b4nem knappen Jahr<br \/>\ndie Erde rund um L\u2019Aquila,<br \/>\ndem sch\u00f6nen Ort in den Abruzzen,<br \/>\nden viele gern f\u00fcr Urlaub nutzen.<\/p>\n<p>5. Auch hier ist\u2019s wie bei vielen Beben:<br \/>\nes kostet Hunderte das Leben,<br \/>\nund Tausende sind obdachlos,<br \/>\nbesitzen nur noch Hemd und Hos\u2019.<\/p>\n<p>6. Es werden Zelte aufgestellt<br \/>\nmit Spenden aus der ganzen Welt.<br \/>\nUnd mancher muss mit ein, zwei Kisten<br \/>\ndie n\u00e4chste Zeit sein Dasein fristen.<\/p>\n<p>7. An jeden, der dann drau\u00dfen pennt,<br \/>\ndenkt v\u00e4terlich der Pr\u00e4sident<br \/>\nund glaubt, sein Trostwort bringt die Wende:<br \/>\n\u201eNehmt\u2019s als ein Camping-Wochenende!\u201c<\/p>\n<p>8. Er ist vielleicht kein b\u00f6ser Bube,<br \/>\ndoch fehlt ihm jede Kinderstube.<br \/>\nDer gute Geist, der hier vonn\u00f6ten,<br \/>\nging schon bei der Erziehung fl\u00f6ten.<\/p>\n<p>9. In Kitas und im Klassenzimmer,<br \/>\nB\u00fcro und H\u00f6rsaal \u2013 wo auch immer \u2013<br \/>\nich sag\u2019s den Jungen und den Alten:<br \/>\n\u201eLasst doch ein bisschen Liebe walten!\u201c<\/p>\n<p>10. Doch h\u00f6r ich schon im Geist Protest.<br \/>\nDie Vorurteile sitzen fest.<br \/>\nMan merkt nicht viel von Toleranz<br \/>\nund geht dann lieber auf Distanz.<\/p>\n<p>11. \u201eWie? Ich soll meinen Lehrer lieben,<br \/>\nder stets versucht, mich auszusieben?<br \/>\nDer sitzt auf seinem hohen Ross<br \/>\nund w\u00e4r\u2019 mich lieber heut schon los.\u201c<\/p>\n<p>12. \u201eWas? Diese Sch\u00fcler soll man lieben?<br \/>\nDie sind verlogen und durchtrieben.<br \/>\nDie kleinen ungezognen Flegel,<br \/>\ndie sind zu meinem Sarg die N\u00e4gel.\u201c<\/p>\n<p>13. Gemach! So kommt ihr doch nicht weiter.<br \/>\nEin bisschen R\u00fccksicht w\u00e4r gescheiter.<br \/>\n\u201eMit Liebe bei der Sache sein\u201c \u2013<br \/>\ndas ist es, glaub ich, was ich mein.<\/p>\n<p>14. Der Paulus schreibt an die Korinther:<br \/>\n\u201eIch glaub, es w\u00e4r\u2019 f\u00fcr euch ges\u00fcnder,<br \/>\nwenn ihr die Liebe einbezieht<br \/>\nin alles, was um euch geschieht.<\/p>\n<p>15. Wollt ihr die gro\u00dfen Reden schwingen,<br \/>\nwird\u2019s ohne Herzblut nicht gelingen,<br \/>\ndenn ohne Liebe &#8211; \u00b4s ist kein Scherz \u2013<br \/>\nda seid ihr nur ein t\u00f6nend Erz.<\/p>\n<p>16. Wisst ihr die Leute zu entz\u00fccken<br \/>\nmit Prophetie und Berger\u00fccken<br \/>\nund habt die Liebe nicht dabei,<br \/>\nist\u2019s nur \u00b4ne gro\u00dfe Mogelei.<\/p>\n<p>17. Wenn ihr den Armen alles schenkt,<br \/>\neuch selbst dabei den Leib versengt<br \/>\nund lasst dabei nicht Liebe walten,<br \/>\nbleibt wieder alles nur beim Alten.\u201c<\/p>\n<p>18. Die Liebe ist privat sehr wichtig.<br \/>\nDas halt ich auch f\u00fcr gut und richtig.<br \/>\nDrum pr\u00fcfe, wer sich ewig bindet,<br \/>\nob sich das Herz zum Herzen findet.<\/p>\n<p>19. Wird auch Verliebtheit bald verblassen,<br \/>\nmuss man die Liebe wachsen lassen.<br \/>\nSie soll euch durch Jahrzehnte tragen,<br \/>\nin guten wie in schlechten Tagen.<\/p>\n<p>20. Dass unser Wissen St\u00fcckwerk ist,<br \/>\nden Blick aufs Ganze man vermisst,<br \/>\ndas hat der Paulus schon erz\u00e4hlt,<br \/>\nals w\u00fcsst\u2019 er, was uns heute qu\u00e4lt.<\/p>\n<p>21. Aus Funk und Fernseh\u2019n kennt ihr\u2019s schon:<br \/>\ndie Riesen-R\u00fcckruf-Akti-on.<br \/>\nVerklemmte Gas- und Bremspedale,<br \/>\ndie werden leicht zur Todesfalle.<\/p>\n<p>22. Peugeot, Toyota, Citro\u00ebn,<br \/>\nich frage euch: Wo sind wir denn?<br \/>\nIhr schraubt das Ding zusamm\u2019n in Eil\u2019.<br \/>\nWo bleibt die Liebe zum Detail?<\/p>\n<p>23. Ja, auch beruflich kann man\u2019s \u00fcben,<br \/>\ndie Arbeit, die man tut, zu lieben<br \/>\nGeduld und Sorgfalt einzusetzen<br \/>\nund einfach weniger zu hetzen.<\/p>\n<p>24. Langm\u00fctig, freundlich ist die Liebe,<br \/>\nfolgt nicht dem n\u00e4chsten besten Triebe,<br \/>\nMutwillen, Eifer kennt sie nicht.<br \/>\nSie stellt sich nicht ins Rampenlicht.<\/p>\n<p>25. Die Liebe wei\u00df, was sich geh\u00f6rt,<br \/>\ntut nur, was keinen andern st\u00f6rt,<br \/>\nist auf Verbitt\u2019rung nicht erpicht<br \/>\nund nachtragend ganz sicher nicht.<\/p>\n<p>26. Das Unrecht wird sie g\u00e4nzlich meiden;<br \/>\ndie Wahrheit mag sie besser leiden.<br \/>\nErtragen kann sie schlimmste Pein,<br \/>\nl\u00e4sst den Gequ\u00e4lten nicht allein,<\/p>\n<p>27. glaubt an das Gute heldenhaft<br \/>\nmit ganzer \u00dcberzeugungskraft.<br \/>\nWenn gro\u00dfes Unheil uns entsetzt,<br \/>\nsagt sie: \u201eDie Hoffnung stirbt zuletzt.\u201c<\/p>\n<p>28. Ein Blick sei auf die Welt gerichtet,<br \/>\ndamit sich da der Nebel lichtet:<br \/>\nKonzern-Fusionen hier und dort,<br \/>\ndas ist jetzt wohl der neuste Sport.<\/p>\n<p>29. Wenn ein Konzern den andern schluckt,<br \/>\nwird eine Pr\u00e4mie ausgespuckt.<br \/>\nDie Liebe zu dem gro\u00dfen Geld<br \/>\nregiert anscheinend unsre Welt.<\/p>\n<p>30. Und wer weist eigentlich die Banken<br \/>\nzur\u00fcck in die gesunden Schranken?<br \/>\nSie wollen alle unser Bestes,<br \/>\ndenn Derivate sind nichts Festes.<\/p>\n<p>31. Das Geld woll\u2019n sie in harter W\u00e4hrung.<br \/>\nWie lang schon kennt man die Erkl\u00e4rung:<br \/>\n\u201eSobald das Geld im Kasten klingt,<br \/>\ndie Seele in den Himmel springt.\u201c?<\/p>\n<p>32. Ich will mich heute nicht genieren,<br \/>\nden \u201eBanker\u201c neu zu definieren:<br \/>\n\u00b4S ist einer, der \u00b4nen Schirm verleiht<br \/>\nund ihn zur\u00fcckverlangt, wenn\u2019s schneit.<\/p>\n<p>33. Was sagt uns Paulus an der Stelle?<br \/>\nProphetisch Reden ist nicht helle<br \/>\nin dieser Wissensdurst-Epoche.<br \/>\nBeim Wetter reicht\u2019s \u00b4ne halbe Woche.<\/p>\n<p>34. Das w\u00f6chentliche Horoskop<br \/>\nverdient nicht unbedingt viel Lob.<br \/>\nZwar kann man\u2019s leicht als Wahrheit deuten,<br \/>\ndoch passt es auch bei andern Leuten.<\/p>\n<p>35. Als ich noch klein war und ein Kind,<br \/>\nwar ich so klug, wie Kinder sind.<br \/>\nJetzt bin ich gro\u00df und eine Frau.<br \/>\nKenn\u2019 ich die Wahrheit jetzt genau?<\/p>\n<p>36. Es kann bestimmt was Gr\u00f6\u00df\u2019res geben<br \/>\nals dieses unscheinbare Leben.<br \/>\nDas wird erhab\u2019ner &#8211; ja vollkommen &#8211;<br \/>\nals das, was wir bisher vernommen.<\/p>\n<p>37. Wie durch \u00b4nen Spiegel sehen wir<br \/>\nein dunkles Bild von dir und mir.<br \/>\nWird Gott dereinst den Schleier heben,<br \/>\nsoll\u2019n wir ein klares Bild erleben.<\/p>\n<p>38. Nun bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe.<br \/>\nWenn man das Leben so betriebe,<br \/>\ndass keiner einen Schaden nimmt,<br \/>\ndann glaub ich, dass die Mischung stimmt.<\/p>\n<p>39. Dem Valentin wird heut beteuert,<br \/>\ndass man um seinetwillen feiert.<br \/>\nDie Liebenden verehr\u2019n ihn gl\u00fchend,<br \/>\num ein Geschenk sich schnell bem\u00fchend,<\/p>\n<p>40. doch nicht f\u00fcr diesen Kirchenmann,<br \/>\nnein, heute ist die Liebste dran.<br \/>\nDa gibt es Blumen und Konfekt,<br \/>\nwas man dann auf den H\u00fcften tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>41. Bevor ihr anfangt laut zu g\u00e4hnen,<br \/>\nwollt\u2019 ich den Luther noch erw\u00e4hnen<br \/>\nund dann zu einem Ende kommen,<br \/>\nsonst lauschen wieder blo\u00df die Frommen.<\/p>\n<p>42. Das \u201eHohe Lied\u201c hab\u2019n wir gesungen<br \/>\nmit Menschen- und mit Engelszungen.<br \/>\nDas tiefe Lied kommt nach der Predigt<br \/>\ndas w\u00e4r\u2019 dann damit auch erledigt.<\/p>\n<p>43. L\u00e4ngst ist noch alles nicht in Butter,<br \/>\ndrum sprech\u2019 ich hier mit Martin Luther<br \/>\ninmitten all des Durcheinanders:<br \/>\n\u201eHier stehe ich. Ich kann nicht anders.<br \/>\nGott helfe mir.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gereimte Fastnachtspredigt zu 1. Korinther 13, 1-13 &#8222;Das Hohelied der Liebe&#8220; 14. Februar 2010 von Kerstin Sch\u00e4fer 1. Nachdem ich schon zum zweiten Mal gepredigt hab im Gro\u00dfen Saal, der besser zu beheizen war als der Bereich um den Altar, bin ich jetzt doch ein bisschen stolz, zu stehn am echten Kanzelholz, wo vor mir &hellip; <a href=\"https:\/\/www.kerstins-kirchenkabarett.de\/?page_id=235\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">2010: Gereimte Fastnachtspredigt zu 1. Korinther 13, 1-13<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-235","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kerstins-kirchenkabarett.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/235","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kerstins-kirchenkabarett.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kerstins-kirchenkabarett.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kerstins-kirchenkabarett.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kerstins-kirchenkabarett.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=235"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.kerstins-kirchenkabarett.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/235\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":239,"href":"https:\/\/www.kerstins-kirchenkabarett.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/235\/revisions\/239"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kerstins-kirchenkabarett.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=235"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}