{"id":240,"date":"2015-05-16T21:49:51","date_gmt":"2015-05-16T19:49:51","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?page_id=240"},"modified":"2015-05-16T21:49:51","modified_gmt":"2015-05-16T19:49:51","slug":"2009-gereimte-fastnachtspredigt-zu-markus-8-31-38","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.kerstins-kirchenkabarett.de\/?page_id=240","title":{"rendered":"2009: Gereimte Fastnachtspredigt zu Markus 8, 31-38"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gereimte Fastnachtspredigt zu Markus 8, 31-38<\/strong><\/p>\n<p>\u201eAnk\u00fcndigung von Jesu Leiden und Nachfolge Jesu\u201c<br \/>\n22. Februar 2009<br \/>\nvon Kerstin Sch\u00e4fer<\/p>\n<p>1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud<br \/>\nin dieser f\u00fcnften Jahreszeit<br \/>\nan tollen Faschingstagen.<br \/>\nSchau an der frohen Narren Zier<br \/>\nund siehe, wie viel Schnaps und Bier<br \/>\nsie heute noch vertragen.<\/p>\n<p>2. \u201eKonsum\u201c hei\u00dft heut das Zauberwort<br \/>\nzu jeder Zeit, an jedem Ort,<br \/>\nman kauft, verbraucht und l\u00e4chelt.<br \/>\nWir pfeifen auf Versich\u2019rungsschutz!<br \/>\nHeut hau\u2019n wir kr\u00e4ftig auf den Putz,<br \/>\nobwohl die Wirtschaft schw\u00e4chelt.<\/p>\n<p>3. Der \u201eKonsumismus\u201c macht nicht halt<br \/>\nvor Mann und Frau, vor Jung und Alt,<br \/>\nsie alle woll\u2019n gut leben.<br \/>\nIch geb\u2019 es zu, ihr lieben Leut\u2019:<br \/>\nAuch ich bin nicht davor gefeit<br \/>\ndas Geld schnell auszugeben.<\/p>\n<p>4. Wir renovier\u2019n grad unser Bad,<br \/>\ndas Jahre auf dem Buckel hat.<br \/>\nDer Umbau dauert lange.<br \/>\nSeit sieben Wochen nicht geduscht,<br \/>\nim Haus verteilt der ganze Kruscht,<br \/>\nvorm Klo \u00b4ne Warteschlange!<\/p>\n<p>5. Ist das Konsum? Ist das Verzicht?<br \/>\nIch wei\u00df es manchmal wirklich nicht.<br \/>\nDem Handwerk dient\u2019s zum Lohne.<br \/>\nDie Fastenzeit steht vor der T\u00fcr<br \/>\nund ich hab sie grad hinter:<br \/>\ndie \u201eSieben Wochen ohne\u201c.<\/p>\n<p>6. Wir leben heut in einer Welt,<br \/>\ndie Reichtum f\u00fcr Erf\u00fcllung h\u00e4lt<br \/>\nim Lebenstraum der meisten.<br \/>\nDoch oft genug wohnt nebenan<br \/>\ndie arme Frau, der arme Mann,<br \/>\ndie k\u00f6nn\u2019n sich das nicht leisten.<\/p>\n<p>7. In Zeiten vor dem \u00dcberfluss<br \/>\nschuf jeder Schuster je ein Fu\u00df-<br \/>\nModell von seinen Kunden.<br \/>\nWenn alte Schuh\u2019 hin\u00fcber war\u2019n,<br \/>\nso fertigte er neue an.<br \/>\nMan kam \u00fcber die Runden.<\/p>\n<p>8. Heut kauft sich manche junge Frau<br \/>\ndie gleichen Schuh\u2019 in gelb, rot, blau,<br \/>\num sich auf \u201ecool\u201c zu trimmen.<br \/>\nIm Ferseh\u2019n bl\u00e4ut man ihr dann ein:<br \/>\n\u201eDie Handtasch muss lebendisch sein!\u201c<br \/>\nDas Image, das muss stimmen.<\/p>\n<p>9. Man definiert sich viel zu schnell<br \/>\nnach \u201eGermany\u2019s next Topmodel(l) \u201c,<br \/>\nich wei\u00df das aus Erfahrung.<br \/>\nDer Kaufrausch, der die Glitzer-Welt<br \/>\nim Innersten zusammenh\u00e4lt,<br \/>\nbraucht t\u00e4glich neue Nahrung.<\/p>\n<p>10. Nach Nahrung schreit auch manches Kind,<br \/>\ndes\u2019 Eltern aus Somalia sind,<br \/>\nmit chronisch leeren H\u00e4nden.<br \/>\nWir aber hab\u2019n im reichen Land<br \/>\ndie Fernbedienung schnell zur Hand,<br \/>\ndas Elend auszublenden.<\/p>\n<p>11. Wir ham\u2019s geschafft. Wir sind jetzt wer!<br \/>\nAuch unsre M\u00e4uler war\u2019n mal leer.<br \/>\nWer will uns das verdenken?<br \/>\nWir geh\u2019n zur Mainzer Fassenacht,<br \/>\nwir freu\u2019n uns, wenn es stinkt und kracht,<br \/>\nund werfen mit Geschenken.<\/p>\n<p>12. Doch Jesus ruft zum Leiden auf,<br \/>\nnimmt Marter, Kreuz und Tod in Kauf.<br \/>\nWas soll\u2019n wir davon halten?<br \/>\nAuch Petrus hat gleich aufbegehrt.<br \/>\nEs passt ihm nicht, was Jesus lehrt.<br \/>\n\u201eHerr, lass es doch beim Alten!\u201c<\/p>\n<p>13. Da weist ihn Jesus scharf zurecht:<br \/>\n\u201eDu, Satan, kennst mich aber schlecht.<br \/>\nIch soll dem Kreuz entrinnen?<br \/>\nDas ist doch plumpe Menschensicht.<br \/>\nNein, g\u00f6ttlich ist das wirklich nicht.<br \/>\nIch glaub\u2019, du bist von Sinnen!\u201c<\/p>\n<p>14. Wer strikt an diesem Leben klebt,<br \/>\nhat irgendwann umsonst gelebt.<br \/>\nEs wird ihm doch nichts n\u00fctzen.<br \/>\nEr kann den Reichtum dieser Welt,<br \/>\nauch Anerkennung, Macht und Geld<br \/>\nim Himmel nicht besitzen.<\/p>\n<p>15. Was nutzt es ihm, dass er gewinnt<br \/>\ndie ganze Welt samt Frau und Kind<br \/>\nund dass ihm gar nichts fehle,<br \/>\nsein\u2019 Menschlichkeit jedoch verschwimmt<br \/>\nund er dabei noch Schaden nimmt<br \/>\nan seiner armen Seele!<\/p>\n<p>16. Das Kreuz erschien ihm gleich zu schwer,<br \/>\nda hat er sich wie\u2019n Million\u00e4r<br \/>\nan Hab und Gut geklammert.<br \/>\nH\u00e4tt\u2019 er doch nur Verzicht ge\u00fcbt!<br \/>\nDas Geld hat ihm die Sicht getr\u00fcbt,<br \/>\njetzt steht er da und jammert.<\/p>\n<p>17. Wen Jesus so beschreiben kann<br \/>\nsind du und ich, ist jedermann:<br \/>\nGenie\u00dfer, Spieler, Raucher,<br \/>\nMoral-Apostel, Pisten-Sau,<br \/>\nB\u00f6rsianer, Banker, Klosterfrau,<br \/>\nOtto Normalverbraucher.<\/p>\n<p>18. Soll\u2019n wir jetzt alle Bettler sein<br \/>\nund uns vom letzten Scheck befrei\u2019n,<br \/>\nuns ab und zu mal gei\u00dfeln?<br \/>\nWird man uns, wenn wir allen Tand<br \/>\nund Schmuckwerk geben aus der Hand,<br \/>\nein hehres Grabmal mei\u00dfeln?<\/p>\n<p>19. Um jeglichen Konsumverzicht<br \/>\ngeht\u2019s Jesus hierbei sicher nicht.<br \/>\nMan darf sich auch mal freuen.<br \/>\nDoch wenn dadurch ein Leid passiert,<br \/>\ndass Frau sich mit \u00b4nem Kleid verziert,<br \/>\ndann muss man das bereuen.<\/p>\n<p>20. Wir d\u00fcrfen unsre sch\u00f6ne Welt<br \/>\nnicht, weil uns das jetzt grad gef\u00e4llt,<br \/>\nauf Kosten andrer pl\u00fcndern.<br \/>\nEs gilt, egal ob Herr, ob Knecht,<br \/>\nf\u00fcr jeden gleiches Menschenrecht<br \/>\nbis zu den Kindeskindern.<\/p>\n<p>21. Man stellt sich gerne taub und blind<br \/>\nund merkt nicht, wo Probleme sind,<br \/>\nstatt richtig hinzusehen,<br \/>\nl\u00e4sst Alte, Kranke oft allein<br \/>\nund liefert sie in Heime ein.<br \/>\nDas muss doch anders gehen!<\/p>\n<p>22. Warum nicht mal was ausprobier\u2019n<br \/>\nund Alt und Jung zusammenf\u00fchr\u2019n,<br \/>\nda profitiert doch jeder!<br \/>\nMama kocht Opas Leibgericht,<br \/>\ndie Enkelin spricht ein Gedicht<br \/>\naus Urgro\u00dfvaters Feder.<\/p>\n<p>23. Die Kindergarten-Kinderlein,<br \/>\ndie singen heut im Altersheim.<br \/>\nDa freu\u2019n sich sicher alle.<br \/>\nDie hochbetagte Nachtigall<br \/>\nerg\u00f6tzt und f\u00fcllt mit ihrem Schall<br \/>\ndie Hugenottenhalle.<\/p>\n<p>24. Konfetti schwingt sich in die Luft,<br \/>\nder Prinz schl\u00fcpft in die Faschings-Kluft,<br \/>\nposiert mit seinem Kleide.<br \/>\nPrinzessin und der Bauersmann,<br \/>\ndie ziehen sich viel sch\u00f6ner an<br \/>\nmit lauter Faschings-Seide.<\/p>\n<p>25. Die Narren kriegen nie genug<br \/>\nvom Iseborjer Faschingszug,<br \/>\nman sieht\u2019s an ihren Mienen.<br \/>\nDer fesche Bub, die leichte Dirn,<br \/>\ndie wollen ihrem Dreigestirn<br \/>\nbis Aschermittwoch dienen.<\/p>\n<p>26. Ist bei dem Zug der Weg vereist<br \/>\nmit Regen, der vom Himmel fleu\u00dft;<br \/>\ndann geht er in die Binsen.<br \/>\nGem\u00fctlich wird\u2019s dann eher nicht,<br \/>\ndaf\u00fcr gibt\u2019s hier das Leibgericht:<br \/>\nden Teller voller Linsen.<\/p>\n<p>27. Der Frohsinn kommt jetzt mit Gewalt,<br \/>\ndar\u00fcber jauchzet jung und alt<br \/>\nund r\u00fchmt die gro\u00dfe G\u00fcte<br \/>\ndes Chefs; der dr\u00fcckt ein Auge zu.<br \/>\nMan zw\u00e4ngt sich in zu kleine Schuh\u2019<br \/>\nund in zu gro\u00dfe H\u00fcte.<\/p>\n<p>28. Ich selber kann und mag nicht ruh\u2019n.<br \/>\nDes gro\u00dfen Gottes gro\u00dfes Tun<br \/>\nerweckt mir alle Sinnen.<br \/>\nIch singe mit, wenn alles singt,<br \/>\nund lasse, was dem H\u00f6chsten klingt,<br \/>\naus meinem Herzen rinnen.<\/p>\n<p>29. Da Gottes Friede h\u00f6her ist<br \/>\nals die Vernunft es je ermisst,<br \/>\nhab\u2019 er mit uns Erbarmen,<br \/>\nbewahr\u2019 er Herz und Sinnen gern<br \/>\nin Christus Jesus, unserm Herrn.<br \/>\nUnd ich sag leise Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gereimte Fastnachtspredigt zu Markus 8, 31-38 \u201eAnk\u00fcndigung von Jesu Leiden und Nachfolge Jesu\u201c 22. Februar 2009 von Kerstin Sch\u00e4fer 1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser f\u00fcnften Jahreszeit an tollen Faschingstagen. 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