{"id":244,"date":"2015-05-16T21:52:08","date_gmt":"2015-05-16T19:52:08","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?page_id=244"},"modified":"2015-05-16T21:52:08","modified_gmt":"2015-05-16T19:52:08","slug":"2008-gereimte-fastnachtspredigt-zu-jesaja-58-1-9a","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.kerstins-kirchenkabarett.de\/?page_id=244","title":{"rendered":"2008: Gereimte Fastnachtspredigt zu Jesaja 58, 1-9a"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gereimte Fastnachtspredigt zu Jesaja 58, 1-9a<\/strong><\/p>\n<p>\u201eFalsches und echtes Fasten\u201c<br \/>\n3. Februar 2008<br \/>\nvon Kerstin Sch\u00e4fer<\/p>\n<p>Ich will in Kreuzreim-Versen dichten,<br \/>\ndenn wenn man \u00fcbers Christ sein spricht,<br \/>\nkann man aufs Kreuz nicht gut verzichten,<br \/>\nsonst hilft die ganze Predigt nicht.<\/p>\n<p>Da sagt uns Gott durch den Propheten,<br \/>\ndass ihm sein Volk abtr\u00fcnnig sei,<br \/>\ntrotz Bibellesen, Fasten, Beten,<br \/>\negal wie sehr man sich kastei\u2019,<\/p>\n<p>er will\u2019s im Himmel gar nicht h\u00f6ren,<br \/>\nhat keinen Wohlgefallen dran,<br \/>\nwill uns das Himmelreich verwehren.<br \/>\nWas hab\u2019n wir B\u00f6ses ihm getan?<\/p>\n<p>Die Antwort folgt gleich auf dem Fu\u00dfe:<br \/>\nWer fastet, hadert, zankt und schl\u00e4gt,<br \/>\ntut damit nicht die rechte Bu\u00dfe.<br \/>\nDas wird im Folgenden belegt.<\/p>\n<p>Nur Fr\u00f6mmigkeit zu demonstrieren,<br \/>\nin Sack und Asche nur zu gehn,<br \/>\num damit Gott zu imponieren,<br \/>\ndas wird von ihm nicht gern gesehn.<\/p>\n<p>Wer nur den lieben Gott verwaltet<br \/>\nund hoffet auf ihn allezeit<br \/>\nder gilt als hoffnungslos veraltet<br \/>\nin seiner Not und Traurigkeit.<\/p>\n<p>Ein Fasten ohne gute Taten<br \/>\nwird allzu leicht zur Heuchelei,<br \/>\ndrum wird uns hier von Gott geraten:<br \/>\n\u201eJetzt lass auch deinen N\u00e4chsten frei,<\/p>\n<p>den du zu Unrecht festgebunden,<br \/>\nauf den du einst das Joch gelegt,<br \/>\nden du geschlagen und geschunden,<br \/>\ndass er noch heut die Narben tr\u00e4gt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr, Gott, wo hab ich denn ges\u00fcndigt?\u201c<br \/>\nso fragt sich der Gescholtne nun.<br \/>\n\u201eWird Deine Liebe aufgek\u00fcndigt?<br \/>\nWas kann ich denn dagegen tun?\u201c<\/p>\n<p>\u201eTeil mit dem Hungrigen dein Essen,<br \/>\ngib deine Kleidung dem, der friert.<br \/>\nDen Obdachlosen nicht vergessen!<br \/>\nWeh dem, der sich vorm Helfen ziert!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas soll denn aber weiter werden?<br \/>\nIst das nicht ziemlich viel verlangt,<br \/>\nwenn alles Ungl\u00fcck hier auf Erden<br \/>\nauf meiner S\u00fcndenliste prangt?<\/p>\n<p>Und hab ich nicht schon l\u00e4ngst vernommen,<br \/>\ndass durch \u00b4ne noch so gute Tat<br \/>\nkein Mensch das Himmelreich erklommen,<br \/>\nwenn nicht durch Gottes eigne Gnad?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSchon klar, du kannst durch gute Taten<br \/>\nGott nicht auf deine Seite zieh\u2019n,<br \/>\ndoch w\u00e4rst du freilich gut beraten,<br \/>\nnicht vor Verantwortung zu flieh\u2019n.<\/p>\n<p>Wer nur auf eignen Seelenfrieden,<br \/>\nauf Gl\u00fcck und auf Erf\u00fcllung setzt,<br \/>\nhat sich schon selbst von Gott geschieden<br \/>\nund ein Gebot bereits verletzt:<\/p>\n<p>Du sollst auch deinen N\u00e4chsten lieben,<br \/>\nnicht nur dich selbst und nicht nur Gott,<br \/>\nden N\u00e4chsten hier und dort und dr\u00fcben<br \/>\n&#8211; so lautet dieses Hauptgebot.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas klingt ja alles gut und richtig\u201c,<br \/>\nwirft hier der Gl\u00e4ub\u2019ge zaghaft ein,<br \/>\n\u201eBrot, Kleidung, Obdach sind sehr wichtig,<br \/>\ndoch schaff ich\u2019s sicher nicht allein.<\/p>\n<p>Und selbst wenn wir zusammenlegen<br \/>\nund jeder spendet ein paar Kr\u00f6ten,<br \/>\num Elende gesund zu pflegen<br \/>\n&#8211; die ganze Wirtschaft geht doch fl\u00f6ten!<\/p>\n<p>Der Arme sagt im H\u00f6chstfall \u201eDanke\u201c<br \/>\nund ruht sich auf der St\u00fctze aus.<br \/>\nWas kostet uns der chronisch Kranke?<br \/>\nDas haut dem Fass den Boden raus.<\/p>\n<p>Wer will denn dann noch Geld verleihen,<br \/>\nwenn niemals kommt ein Cent zur\u00fcck?<br \/>\nProphet Jesaja, Sie verzeihen:<br \/>\nDas ruiniert uns St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck.\u201c<\/p>\n<p>Wir sind mit Sorgen schwer beladen,<br \/>\nda uns das Gl\u00fcck so leicht entflieht,<br \/>\nweil, kaum dass wir im Gl\u00fccke baden<br \/>\ngleich einer schon den St\u00f6psel zieht.<\/p>\n<p>Doch der Prophet wirkt leicht verwundert.<br \/>\nEr scheint ganz kurz zu \u00fcberlegen<br \/>\nund spricht (auf Seite siebenhundert):<br \/>\n\u201eWer Segen will, der muss sich regen.<\/p>\n<p>Du denkst, es wird nur Geld verschwendet?<br \/>\nAuch wenn du Kr\u00e4fte klug vereinst,<br \/>\nwird kein St\u00fcck Elend abgewendet?<br \/>\nIch glaub, ich wei\u00df jetzt, was du meinst:<\/p>\n<p>Du h\u00e4tt\u2019st mit deinem gro\u00dfen Glauben<br \/>\nso gern mal einen Berg versetzt,<br \/>\nund jetzt komm ich und sag mit Schnauben,<br \/>\ndu habest ein Gebot verletzt.<\/p>\n<p>Wie gern willst du dem Herren droben<br \/>\ntreu dienen! Doch du wei\u00dft nicht wie.<br \/>\nMan muss nicht gleich den Aufstand proben.<br \/>\n\u00dcb Mitleid \u2013 griechisch: Sympathie.\u201c<\/p>\n<p>Denk nur mal an die kleine Spende<br \/>\nan einen Hilfsverein vor Ort.<br \/>\nDa kommt sie in die richt\u2019gen H\u00e4nde.<br \/>\nVielleicht gibt\u2019s auch ein Dankeswort.<\/p>\n<p>Auch deine Kirche kann dir sagen<br \/>\nwohin sie Spendengelder leitet<br \/>\nin guten wie in schlechten Tagen,<br \/>\nweil sie Projekte lang begleitet.<\/p>\n<p>Senioren, Krabbelkinder, Jugend,<br \/>\nDiakonie, Propstei Chonam;<br \/>\nes f\u00fchrt sogar die Spenden-Tugend<br \/>\nzur Herberge von Abraham.<\/p>\n<p>Man halte nur ein wenig stille<br \/>\nund sei doch in sich selbst vergn\u00fcgt,<br \/>\nwie unsers Gottes Gnadenwille,<br \/>\nwie sein Allwissenheit es f\u00fcgt.<\/p>\n<p>Du kannst auch deine Umwelt schonen:<br \/>\nStatt Auto fahr mal mit dem Bus.<br \/>\nDas Klima wird dich dann belohnen.<br \/>\nNoch besser ist: Du gehst zu Fu\u00df.<\/p>\n<p>Apropos Solidarit\u00e4ten:<br \/>\nDer Bauer in der dritten Welt<br \/>\nbeim Kaffee-Pfl\u00fccken, Unkraut-J\u00e4ten,<br \/>\nwas hat denn der von unserm Geld?<\/p>\n<p>Nur ganz allm\u00e4hlich kommt der Wandel,<br \/>\ndass wir gerechte Preise zahlen.<br \/>\nAm besten geht\u2019s im Fair-Trade-Handel,<br \/>\nda gibt\u2019s den Kaffee auch gemahlen.<\/p>\n<p>Es n\u00fctzt dem Bauern herzlich wenig,<br \/>\nwenn ich mich nicht zusammenraufe,<br \/>\nsondern als Schn\u00e4ppchenj\u00e4ger-K\u00f6nig<br \/>\nhier f\u00fcr zwo-fuffzig Kaffee kaufe.<\/p>\n<p>Was helfen uns die schweren Sorgen,<br \/>\nwas hilft uns unser Weh und Ach?<br \/>\nWas hilft es, dass wir alle Morgen<br \/>\nbeseufzen unser Ungemach?<\/p>\n<p>Die Sorg\u2019 des Bauern ist viel schlimmer:<br \/>\nDa geht\u2019s um Lebensunterhalt.<br \/>\nUnd ich sitz\u2019 hier im warmen Zimmer;<br \/>\nbei mir wird blo\u00df der Kaffee kalt.<\/p>\n<p>Das gleiche gilt f\u00fcr die Bananen,<br \/>\ndie\u2019s hier bei uns sch\u00f6n billig gibt.<br \/>\nWir k\u00f6nnen leidvoll nur erahnen,<br \/>\ndass unser Tun ein Schicksal tr\u00fcbt.<\/p>\n<p>Solln wir das Schicksal armer Bauern<br \/>\n&#8211; die Bibel nennt sie \u201eunterjocht\u201c &#8211;<br \/>\ndurch Kaufverhalten untermauern?<br \/>\nDas hat doch letztlich keinen Docht.<\/p>\n<p>Wenn Arme immer \u00e4rmer werden<br \/>\nund Reiche dadurch mehr als reich,<br \/>\ndas ist die Ungleichheit auf Erden.<br \/>\nVor Gott sind alle Menschen gleich.<\/p>\n<p>Die Ungleichheiten aufzuheben,<br \/>\nder Welt ein menschliches Gesicht,<br \/>\nVertrau\u2019n und W\u00e4rme neu zu geben,<br \/>\ndas ist doch quasi unsre Pflicht.<\/p>\n<p>Sogar der gro\u00dfe Sting besingt sie,<br \/>\ndie grad erw\u00e4hnte Sympathie.<br \/>\nDen wirklich Liebenden gelingt sie.<br \/>\n\u201eYou love somebody \u2013 Set them free. \u201c<\/p>\n<p>Du siehst, du kannst durch Beten, Singen,<br \/>\ndurch Kaufverhalten und mit Lachen<br \/>\nund mit so vielen andern Dingen<br \/>\ndie Welt ein wenig besser machen.<\/p>\n<p>Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,<br \/>\nverricht das Deine nur getreu<br \/>\nund trau des Himmels reichem Segen,<br \/>\nso wird er bei dir werden neu.<br \/>\nDenn welcher seine Zuversicht<br \/>\nauf Gott setzt, den verl\u00e4sst er nicht. Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gereimte Fastnachtspredigt zu Jesaja 58, 1-9a \u201eFalsches und echtes Fasten\u201c 3. Februar 2008 von Kerstin Sch\u00e4fer Ich will in Kreuzreim-Versen dichten, denn wenn man \u00fcbers Christ sein spricht, kann man aufs Kreuz nicht gut verzichten, sonst hilft die ganze Predigt nicht. 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