{"id":404,"date":"2017-02-27T21:33:15","date_gmt":"2017-02-27T20:33:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kerstins-kirchenkabarett.de\/?page_id=404"},"modified":"2017-02-27T21:58:24","modified_gmt":"2017-02-27T20:58:24","slug":"2017-gereimte-fastnachtspredigt-zu-lukas-10-38-42","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.kerstins-kirchenkabarett.de\/?page_id=404","title":{"rendered":"2017: Gereimte Fastnachtspredigt zu Lukas 10, 38-42"},"content":{"rendered":"<p>Lukas 10, 38-42 \u201eMaria und Marta\u201c<br \/>\nGereimte Fastnachtspredigt<br \/>\nvon Kerstin Sch\u00e4fer, 26. Februar 2017<\/p>\n<p>1. Zwei Schwestern woll\u2019n wir heut betrachten,<br \/>\nbei denen Jesus ist zu Gast,<br \/>\nund was sie aus dem Tag so machten:<br \/>\nder einen Lust, der andern Last.<\/p>\n<p>2. Die Marta rennt in K\u00fcche, Keller<br \/>\nund Vorratskammer auf und ab.<br \/>\nSie treibt sich an &#8211; das geht noch schneller &#8211;<br \/>\nund h\u00e4lt das ganze Haus auf Trab.<\/p>\n<p>3. Gebrat\u2019ne H\u00fchner, Wachteln, Fische,<br \/>\nFasane, Hummer, Lachs und Wild.<br \/>\nBei Marta biegen sich die Tische,<br \/>\nwenn es wen zu bewirten gilt.<\/p>\n<p>4. Zum Nachtisch gibt es Himbeerkuchen,<br \/>\nCremes, T\u00f6rtchen, Nougat, Schokotraum.<br \/>\nDie Marta m\u00fcsst Ihr mal besuchen,<br \/>\nda traut Ihr Euren Augen kaum!<\/p>\n<p>5. Aufs Leibeswohl total versessen<br \/>\nentscheidet unsre Marta gleich:<br \/>\nDer Jesus muss erstmal was essen,<br \/>\nder f\u00e4llt mir sonst ja noch vom Fleisch.<\/p>\n<p>6. Dagegen hat Maria leise<br \/>\nzu Jesu F\u00fc\u00dfen sich gesetzt.<br \/>\nSie nutzt den Tag auf ihre Weise:<br \/>\nDie Zeit zum Zuh\u00f6r\u2018n, die ist jetzt!<\/p>\n<p>7. War das die Leichtigkeit der Jugend?<br \/>\nWollt\u2018 sie den Jesus gar bet\u00f6ren?<br \/>\nEs galt nicht grad als weiblich\u2018 Tugend,<br \/>\nzu sitzen und blo\u00df zuzuh\u00f6ren.<\/p>\n<p>8. Den M\u00e4nnern war es vorbehalten<br \/>\nzu lauschen, wenn der Rabbi spricht.<br \/>\nDie Frauen soll\u2019n das Haus verwalten,<br \/>\nund M\u00fc\u00dfiggang geziemt sich nicht.<\/p>\n<p>9. Maria bleibt jetzt trotzdem sitzen,<br \/>\nauch wenn die Marta das emp\u00f6rt.<br \/>\nZu h\u00f6ren und das Ohr zu spitzen<br \/>\nist sozusagen \u201eunerh\u00f6rt\u201c!<\/p>\n<p>10. Sollt\u2018 ich mich identifizieren<br \/>\nmit einer aus dem Schwestern-Paar,<br \/>\ndie offensichtlich konkurrieren,<br \/>\nich glaub\u2018, mir w\u00e4r die Marta nah.<\/p>\n<p>11. Wenn ich \u00b4nen hohen Gast empfange,<br \/>\ndann steh ich Tag und Nacht nicht still.<br \/>\nDa l\u00e4uft der Herd in vollem Gange,<br \/>\nweil ich dem doch was bieten will.<\/p>\n<p>12. Da wird ger\u00fchrt und auch gesch\u00fcttelt,<br \/>\ngekocht, gebacken und gebraut,<br \/>\nder ganze Hausstand aufger\u00fcttelt,<br \/>\nund nicht nur schnell was aufgetaut.<\/p>\n<p>13. Ich kann mich doch zum Gast nicht setzen<br \/>\nmit Wasser und \u00b4nem Kanten Brot.<br \/>\nDa w\u00fcrd\u2018 ich doch \u00b4ne Pflicht verletzen.<br \/>\nMein Seelenfrieden w\u00e4r bedroht.<\/p>\n<p>14. Auch in der Kirch\u2018 zur Kaffeestunde<br \/>\nk\u00f6nnt ich mich nie dazugesellen<br \/>\nund fr\u00f6hlich plaudern in der Runde,<br \/>\nwenn dort noch w\u00e4r das Geld zu z\u00e4hlen,<\/p>\n<p>15. der Brotkorb und der Kelch zu s\u00e4ubern,<br \/>\ndie Klingelbeutel zu verstau\u2018n.<br \/>\nEs k\u00f6nnt doch wer den Safe ausr\u00e4ubern<br \/>\nund heimlich die Kollekte klau\u2018n!<\/p>\n<p>16. Ein grader Docht bei allen Kerzen,<br \/>\nGesangb\u00fccher in Reih und Glied,<br \/>\ndas liegt mir wirklich sehr am Herzen,<br \/>\nweil\u2019s einfach immer gut aussieht.<\/p>\n<p>17. Ich schreib auch gerne Protokolle,<br \/>\nwenn irgendwo ein Ausschuss tagt,<br \/>\ngeh v\u00f6llig auf in meiner Rolle,<br \/>\nzu schreiben, was ein andrer sagt.<\/p>\n<p>18. Auch riesige Adressenlisten<br \/>\nin Hochformaten oder quer<br \/>\nzu pflegen oder auszumisten,<br \/>\ndas f\u00e4llt mir alles gar nicht schwer.<\/p>\n<p>19. Der Nachteil ist: Bei dieser Menge<br \/>\nder kleinen Tages-Politik<br \/>\nverlier ich ganz leicht im Gedr\u00e4nge<br \/>\ndas gro\u00dfe Ganze aus dem Blick.<\/p>\n<p>20. Und schwups, da wird am n\u00e4chsten Tage,<br \/>\nobwohl ich Pflichten selbst gew\u00e4hlt,<br \/>\ngrad diese n\u00e4chste Pflicht zur Plage,<br \/>\nweil jetzt mich der Termindruck qu\u00e4lt\u2026<\/p>\n<p>21. Es kann sich der, der sich getrieben,<br \/>\ngehetzt, gestresst f\u00fchlt und gejagt,<br \/>\nin die Gejagtheit auch verlieben,<br \/>\nobwohl er sich so laut beklagt.<\/p>\n<p>22. Hier woll\u2019n wir uns zu Jesus wenden,<br \/>\nzu dessen Fu\u00df Maria sitzt,<br \/>\ndieweil erneut mit vollen H\u00e4nden<br \/>\ndie Marta durch die Stube flitzt.<\/p>\n<p>23. \u201eDu, Marta, machst dir sehr viel M\u00fche.<br \/>\nHat das denn alles seinen Sinn?<br \/>\nDu rupfst die H\u00fchner, melkst die K\u00fche.<br \/>\nJetzt setz dich doch zuerst mal hin.\u201c<\/p>\n<p>24. So bremst der Jesus die Gestresste:<br \/>\n\u201eDir wird die Hausarbeit zur Qual.<br \/>\nMach aus dem Tag f\u00fcr dich das Beste.<br \/>\nSetz\u2018 dich zu uns, du hast die Wahl.\u201c<\/p>\n<p>25. Moment mal, hab ich \u201eWahl\u201c vernommen?<br \/>\nHat Jesus das grad selbst erz\u00e4hlt?<br \/>\nIch schau gleich nach und les\u2018 beklommen:<br \/>\nSie \u201ehat das gute Teil ERW\u00c4HLT.\u201c<\/p>\n<p>26. \u201eDas gute Teil\u201c, bei Jesus sitzen<br \/>\nund sozusagen nichts zu tun,<br \/>\ndazwischen ein St\u00fcck Brot stibitzen<br \/>\nund sich ansonsten auszuruh\u2019n,<\/p>\n<p>27. das kann doch Jesus so nicht wollen!<br \/>\nNur Mu\u00dfest\u00fcndchen weit und breit?<br \/>\nIch h\u00f6r schon wieder Marta schmollen:<br \/>\n\u201eWer sowas macht, der kommt nicht weit.\u201c<\/p>\n<p>28. Doch Jesus lehrt, man lebt ges\u00fcnder,<br \/>\nwenn zwischen Arbeit und Gebet<br \/>\nund Kr\u00e4fte-Tanken auch nicht minder<br \/>\nein echtes Gleichgewicht entsteht.<\/p>\n<p>29. Und weiter gibt er zu beachten,<br \/>\negal, was man als Zweites tu,<br \/>\nzuerst nach Gottes Reich zu trachten,<br \/>\n\u201edann f\u00e4llt euch solches alles zu.\u201c<\/p>\n<p>30. In den flankierenden Geschichten<br \/>\nvor Jesu Rast in Martas Haus<br \/>\nwei\u00df uns die Bibel zu berichten:<br \/>\nEr stellt auch gern die Tatkraft raus.<\/p>\n<p>31. Barmherzig ist der Samariter,<br \/>\nder selbstlos den Geschund\u2018nen pflegt,<br \/>\ndenn dessen Schicksal war recht bitter:<br \/>\nberaubt, verletzt und abgelegt.<\/p>\n<p>32. Danach folgt der Exkurs vom Beten<br \/>\nund wie der rechte Wortlaut sei.<br \/>\nDas steht noch nicht bei den Propheten;<br \/>\ndas bringt uns Jesus selber bei.<\/p>\n<p>33. Mal \u00f6fter in der Bibel bl\u00e4ttern<br \/>\nist f\u00fcr den Alltag gar nicht schlecht:<br \/>\nDie Wirksamkeit der alten Lettern!<br \/>\nIch hoffe doch, ihr gebt mir Recht.<\/p>\n<p>34. Ich denke, nicht nur an Silvester<br \/>\nf\u00e4llt uns ein guter Vorsatz ein.<br \/>\nIch schau jetzt auf die kleine Schwester.<br \/>\nIch will jetzt mal Maria sein!<\/p>\n<p>35. Will endlich frei von allen Zw\u00e4ngen,<br \/>\nunschuldig, kindlich, unbedarft<br \/>\ndem Jesus an den Lippen h\u00e4ngen<br \/>\n&#8211; da hab ich mich grad selbst entlarvt.<\/p>\n<p>36. R\u00fcckt in den Fokus eures Strebens<br \/>\nein jedes Wort, was Jesus spricht!<br \/>\nEr ist die \u201eQuelle unsres Lebens,<br \/>\nIn seinem Licht sehn wir das Licht.\u201c<\/p>\n<p>37. Ich komm jetzt raus aus meiner K\u00fcche<br \/>\nund geb\u2018 dem Leben einen Sinn.<br \/>\nDie \u201eLesen-was-gesund-macht\u201c-Spr\u00fcche,<br \/>\ndie weisen doch zur Bibel hin.<\/p>\n<p>38. Na klar! Ich lese jetzt die Bibel,<br \/>\neinmal pro Monat! Woche! Tag!<br \/>\nDie Hoffnung gegen alles \u00dcbel,<br \/>\ndie ich fortan nicht missen mag.<\/p>\n<p>39. Muss nur schnell schau\u2018n, wo war ich neulich,<br \/>\nwo h\u00f6rt\u2018 ich auf, wo blieb ich steh\u2019n?<br \/>\nMan kann das n\u00e4mlich &#8211; wie erfreulich &#8211;<br \/>\nsehr sch\u00f6n an diesem B\u00e4ndchen seh\u2019n.<\/p>\n<p>40. Wenn ich die Bibel hier entfalte,<br \/>\ndann wird mir augenblicklich klar\u2026<br \/>\nIch f\u00fcrchte fast, es ist der alte,<br \/>\nder Predigttext vom letzten Jahr!<\/p>\n<p>41. Mit gutem Vorsatz in den Jahren<br \/>\nist es bei mir wohl nicht weit her.<br \/>\nDas hab ich eben br\u00fcsk erfahren.<br \/>\nAch, wenn ich doch Maria w\u00e4r,<\/p>\n<p>42. die jedes Wort der heil\u2018gen Schriften<br \/>\nzuerst in ihrem Geist bewegt,<br \/>\nohne gedanklich abzudriften,<br \/>\nund dann in ihrem Herzen tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>43. Die Marta soll mich auch begleiten.<br \/>\nIhr Organisations-Talent<br \/>\nz\u00e4hlt fraglos zu den guten Seiten.<br \/>\nSie hat noch nie \u00b4nen Tag verpennt.<\/p>\n<p>44. Inmitten all des Durcheinanders,<br \/>\nda l\u00e4sst mir eines keine Ruh\u2018:<br \/>\nIch bin doch eigentlich ganz anders,<br \/>\nnur komm ich meistens nicht dazu.<\/p>\n<p>45. Maria, Marta, diese beiden,<br \/>\n\u201eBesinnung\u201c und \u201eGesch\u00e4ftigkeit\u201c.<br \/>\nWen mag ich denn nun besser leiden?<br \/>\n\u201eEin jegliches hat seine Zeit.\u201c<\/p>\n<p>46. G\u00f6nnt euren Nerven etwas Schonung.<br \/>\n\u201eAll eure Sorge werft auf ihn.\u201c<br \/>\nNe super aufger\u00e4umte Wohnung<br \/>\nist sicher nicht des Lebens Sinn.<\/p>\n<p>47. Kein Mensch soll unsre Andacht st\u00f6ren,<br \/>\ndenn wer den Schritt zur Kirche lenkt<br \/>\nund auch noch Ohren hat zu h\u00f6ren,<br \/>\nder wird mit Seinem Geist beschenkt.<\/p>\n<p>48. Und wenn wir Jesus recht verstehen,<br \/>\ndann seh\u2019n wir es auch endlich ein:<br \/>\nEs kann nicht nur ums Essen gehen.<br \/>\n\u201eDer Mensch lebt nicht vom Brot allein,<\/p>\n<p>49. sondern zugleich von jedem Worte,<br \/>\ndas aus dem Munde Gottes geht\u201c<br \/>\nund auch von Kreppel oder Torte,<br \/>\nwenn\u2019s grad verlockend vor uns steht.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lukas 10, 38-42 \u201eMaria und Marta\u201c Gereimte Fastnachtspredigt von Kerstin Sch\u00e4fer, 26. Februar 2017 1. Zwei Schwestern woll\u2019n wir heut betrachten, bei denen Jesus ist zu Gast, und was sie aus dem Tag so machten: der einen Lust, der andern Last. 2. Die Marta rennt in K\u00fcche, Keller und Vorratskammer auf und ab. 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