{"id":764,"date":"2024-12-19T18:04:48","date_gmt":"2024-12-19T17:04:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kerstins-kirchenkabarett.de\/?page_id=764"},"modified":"2024-12-19T21:14:03","modified_gmt":"2024-12-19T20:14:03","slug":"2024-gereimte-fastnachtspredigt-zu-amos-5-21-24","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.kerstins-kirchenkabarett.de\/?page_id=764","title":{"rendered":"2024: Gereimte Fastnachtspredigt zu Amos 5, 21-24"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Recht str\u00f6me wie Wasser<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>21&nbsp;Ich hasse und verachte eure Feste und mag eure Versammlungen nicht riechen \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>22&nbsp;es sei denn, ihr bringt mir rechte Brandopfer dar \u2013, und an euren Speisopfern habe ich kein Gefallen, und euer fettes Schlachtopfer sehe ich nicht an.<\/p>\n\n\n\n<p>23&nbsp;Tu weg von mir das Gepl\u00e4rr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht h\u00f6ren!<\/p>\n\n\n\n<p>24&nbsp;Es str\u00f6me aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gereimte Fastnachtspredigt, Amos 5, 21-24<\/strong><br>von Kerstin Sch\u00e4fer<br>11. Februar 2024<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Der Amos winkt zum dritten Mal<br>mit seines hohen Zaunes Pfahl.<br>Dreimal durft ich mich schon bem\u00fchen<br>die rechten Schl\u00fcsse draus zu ziehen.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Das, was ich dieses Jahr erwog,<br>das ist ein \u201eAmos-Dialog\u201c.<br>Der Amos schimpft auf die Gemeinde,<br>und ich h\u00e4tt diese gern zum Freunde.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>In Ich-Form zeigt uns der Prophet<br>die Haltung Gottes ganz konkret:<br>\u201eIch, Gott, verachte eure Feste,<br>selbst wenn ihr glaubt, ihr tut das Beste,<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>mag die Versammlungen nicht riechen,<br>wollt ihr mir auch zu F\u00fc\u00dfen kriechen.<br>An Opfern in den heil\u2019gen Hallen,<br>da find ich keinerlei Gefallen.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Und eure Lieder sind gepl\u00e4rrt,<br>was stark an meinen Nerven zerrt.<br>Das Harfenspiel will ich nicht h\u00f6ren,<br>auch den Gesang nicht von den Ch\u00f6ren.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Das Recht soll str\u00f6men wie ein Fluss,<br>dass keiner mehr verdursten muss.<br>Es str\u00f6me die Gerechtigkeit<br>von nun an bis in alle Zeit.\u201c<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Wir wolln uns an die Worte heften<br>und diese St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck entkr\u00e4ften.<br>Was Gott angeblich alles hasst,<br>das nehmen wir mal ganz gefasst.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>\u201eDu, Amos, wirfst gleich \u00fcbern Haufen,<br>wie uns\u2019re Gottesdienste laufen.<br>Schon hast du Unrecht uns getan.<br>Jetzt schau sie dir doch erst mal an!<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Ich werd\u00b4 \u00b4nen Beispiel-Sonntag w\u00e4hlen<br>und frank und frei davon erz\u00e4hlen:<br>Das Vorspiel stammt von Buxtehude,<br>dann gr\u00fc\u00dft die Pfarrerin: \u201eEi guude!\u201c<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Die Orgel oder das Klavier<br>spielt \u201eLiebster Jesu, wir sind hier\u201c<br>und noch diverse andre Lieder,<br>mal trendig-hip, mal brav und bieder.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Nach Predigt, Psalmwort und Gebet<br>das Abendmahl schon vor uns steht.<br>Hier gilt\u2019s mit Brot und Wein und Saft<br>zu st\u00e4rken Jesu J\u00fcngerschaft.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Dann spricht die Pfarrerin den Segen,<br>worauf sich m\u00fcde Glieder regen,<br>den Kirchraum alsbald zu verlassen.<br>Was, bitte, gibt\u2019s daran zu hassen?<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Zum Schluss f\u00fcllt man den Klingelbeutel.<br>Wir sind nicht hochn\u00e4sig und eitel.<br>Wir haben vielmehr Tag und Nacht<br>die Kranken, Armen mitbedacht.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Dir kann\u2019s nach fast dreitausend Jahren,<br>mein lieber Amos, wiederfahren,<br>dich nicht mehr richtig zu erinnern<br>an Harfen, blechern oder zinnern,<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>an den Gesang der Zeitgenossen<br>&#8211; die tr\u00e4llerten wohl unverdrossen -,<br>an Leier oder Hirtenfl\u00f6te,<br>das war bestimmt \u00b4ne m\u00fcde Tr\u00f6te.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Bei uns, da spielt die Klarinette<br>mit der Oboe um die Wette.<br>Das Fundament ist das Fagott,<br>und das spielt auch schon ziemlich flott.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Die Bratschen, Celli und die Geigen,<br>die wollen Gottes Wort bezeugen.<br>Die Gruppe des Continuo,<br>die macht\u2019s nat\u00fcrlich ebenso.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Es tiriliert die helle Fl\u00f6te,<br>und \u2013 oh mein Gott \u2013 die Bach-Trompete!<br>Die solltest du wahrhaftig h\u00f6ren,<br>statt unsern Gottesdienst st\u00f6ren.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Wir singen gern und oft Kantaten.<br>Von wem? Na, dreimal darfst du raten!<br>Beim Meisterkomponisten Bach,<br>da werd\u2018 ich regelm\u00e4\u00dfig schwach.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Bei uns hat christliche Musik<br>die Worte Gottes stets im Blick.<br>Die Tatkraft Gottes starken Arms<br>bezeugt der gute alte Brahms.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Man spielt den Georg Friedrich H\u00e4ndel<br>beim Kerzenlicht, beim \u201eLight of Candle\u201c.<br>Bei der Musik von Mendelssohn<br>genie\u00df ich jeden einz\u2019lnen Ton.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Und sind Vivaldi, Mozart, Haydn<br>nicht wunderbare Ohren-Freuden?<br>Auch bei Puccini oder Britten<br>ist Jesus immer in der Mitten.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>L\u00f6st nicht \u00b4ne einzelne Gitarre<br>die Konfirmanden aus der Starre,<br>um pl\u00f6tzlich wundersch\u00f6n zu singen<br>von Gottes Welt und andern Dingen?<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Sind nicht die Lieder aus Taiz\u00e9<br>des Kircheng\u00e4ngers ABC,<br>um unsern Herrn im Himmel droben<br>anbetend vierstimmig zu loben?<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Das Blaskonzert mit der Posaune<br>macht allen H\u00f6rern gute Laune.<br>So mancher Bl\u00e4ser ist f\u00fcrs Horn,<br>das er da spielt, direkt gebor\u2019n.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Das Jahresinstrument, die Tuba,<br>spielt flotte Rhythmen heut aus Kuba.<br>Nat\u00fcrlich spielt auch die Trompete,<br>das ist \u00b4ne super-coole Fete.\u201c<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>\u201eNun gut\u201c, sagt Amos, \u201eich verstehe,<br>ihr sucht tats\u00e4chlich Gottes N\u00e4he,<br>wenn ihr im Gospel-Workshop groovt<br>und euch auf Gottes Wort beruft.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Es mag euch ab und zu gelingen,<br>dem Herrn ein Loblied darzubringen<br>in diesem euren Gotteshaus.<br>Wie sieht\u2019s mit Sakramenten aus?\u201c<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>\u201eDa hab\u2019n wir einiges auf Lager:<br>Es kommen Onkel, Nichte, Schwager<br>und Gro\u00dffamilien gleich zu Haufe,<br>wenn wir begeh\u2018n das Fest der Taufe.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Du solltest seh\u2019n, wie die dann wimmeln,<br>um ihren T\u00e4ufling anzuhimmeln,<br>die Jungen gleichsam wie die Alten,<br>um das Ereignis festzuhalten:<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Der Tag gebannt auf Celluloid,<br>damit die Nachwelt sich dran freut!\u201c<br>Doch der Prophet scheint nicht zu schmunzeln,<br>er legt vielmehr die Stirn in Runzeln.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Der Amos h\u00f6rt sich\u2019s an im Groll,<br>denn jetzt hat er die Schnauze voll:<br>\u201eWas ist das f\u00fcr ein dummes Zeug?<br>Mir scheint, ihr macht das nur f\u00fcr euch:<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Nur Kameras und Handys z\u00fccken,<br>dem T\u00e4ufling dicht zu Leibe r\u00fccken,<br>damit ich das Ereignis seh\u2018<br>in Einzelheiten am PC?<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Wenn ihr nur schaut durch eure Linsen,<br>geht die Gemeinschaft in die Binsen.<br>Ihr solltet euch dazu bequemen,<br>das Kind in diese AUFZUNEHMEN!<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Nach dieser ungl\u00fccksel\u2018gen Panne,<br>was habt ihr sonst noch auf der Pfanne?\u201c<br>\u201eNa ja, wir hab\u2019n das Abendmahl<br>mit Wein und Saft zur freien Wahl.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Lang hatten wir Gemeinschaftskelche,<br>doch heute gibt es kaum noch welche.<br>Denn nach den letzten Pandemien<br>sind diese irgendwie verschrien.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Nun gibt es, wie gehabt, das Brot<br>&#8211; so weit ist alles noch im Lot.<br>Dann haben wir f\u00fcr Wein und Saft<br>\u00b4zig Einzelkelche angeschafft.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Man will sich ja willkommen f\u00fchlen,<br>und keiner soll dazwischen sp\u00fclen.<br>Die Kelche kommen aufs Tablett.<br>Ich glaub, die Leute finden\u2019s nett.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Wir teilen Jesu Trank und Speise<br>und hoffen, dass auf diese Weise<br>die Frommen und die nicht so Frommen<br>am Tisch des Herrn zusammenkommen.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Hast du hier auch was zu bem\u00e4ngeln,<br>Prophet, und willst uns weiter g\u00e4ngeln?\u201c<br>\u201eNein nein, ich will euch nicht blo\u00df schelten,<br>das lass ich ausnahmsweise gelten.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Doch was mir weiter Sorgen macht,<br>ist, dass es allenthalben kracht.<br>Man h\u00f6rt von Krisen und von Kriegen,<br>wo stets die Schwachen unterliegen.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Die Ukraine und Nahost<br>sind schon seit Langem sturmumtost.<br>Wie wollt ihr M\u00e4nnern, Frau\u2019n und Kindern<br>das kriegsbedingte Unrecht lindern?\u201c<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>\u201eDas haben wir uns auch gedacht<br>und haben quasi \u00fcber Nacht,<br>damit das nicht im Abgrund m\u00fcndet,<br>den Ukraine-Treff gegr\u00fcndet.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Der wird auch sehr gut angenommen.<br>Auch viele Deutsche sind gekommen,<br>was deutlich zeigt, dass ganz konkret<br>an solchem Treff Bedarf besteht.\u201c<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Auch wenn ihm fast die Hoffnung schwand,<br>guckt Amos wieder recht entspannt:<br>\u201eDas ist Musik in meinem Ohr.<br>Genauso stell ich mir das vor.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Doch lass ich`s damit nicht bewenden;<br>es brennt doch grad an allen Enden.<br>Das Klima spielt bei euch verr\u00fcckt.<br>Noch keine L\u00f6sung ist gegl\u00fcckt.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Auch das Problem der Migration<br>besch\u00e4ftigt mich seit Jahren schon.<br>Und die, die gegen Fremde hetzen<br>und Menschenrechte grob verletzen,<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>die machen seit geraumer Zeit<br>sich lautstark auf den Stra\u00dfen breit.<br>Wer pocht denn auf Demokratie?<br>&#8211; Ich wei\u00df, das kostet Energie.\u201c<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>\u201eHier, Amos, gibt\u2019s \u00b4nen Hoffnungsschimmer:<br>Nachdem die Lage immer schlimmer,<br>bedrohlich gar zu werden schien,<br>gibt\u2019s Hunderttausend in Berlin,<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>in Hamburg, Frankfurt und in K\u00f6ln,<br>die sich dem Mob entgegenstell\u2018n.<br>Ein Slogan hat sich festgesetzt,<br>und zwar: Nie wieder \u2013 das ist jetzt!\u201c<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>\u201eDas klingt\u201c, sagt Amos, \u201egar nicht schlecht.<br>Mir scheint, das Mitgef\u00fchl ist echt<br>mit den Verfolgten, Armen, Schwachen.<br>Jetzt m\u00fcsst ihr stetig weitermachen:<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Euch sorgen um die Kreatur<br>in Stadt und Land, in Wald und Flur,<br>und denen, die das alles hassen<br>das Feld nicht wieder \u00fcberlassen.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Hier geht es um Gerechtigkeit<br>und nicht um Gier und Geiz und Neid.<br>Und das ist aller M\u00fchen wert.<br>Wer das nicht glaubt, der lebt verkehrt.\u201c<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>\u201eProphet, wir werden uns bem\u00fchen,<br>ab jetzt an einem Strang zu ziehen,<br>und gegen die, die weiter z\u00fcndeln,<br>die positiven Kr\u00e4fte b\u00fcndeln.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Statt ins Private abzuschweifen,<br>soll heut in uns der Vorsatz reifen,<br>dass wir in allen Zweifelsf\u00e4llen<br>uns sch\u00fctzend vor die Schwachen stellen.<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Schicksale, die in unser\u2019n Zimmern<br>tagt\u00e4glich \u00fcbern Bildschirm flimmern,<br>die sollten uns dazu erweichen,<br>mal ab und zu die Hand zu reichen,<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>als ein Gebot der N\u00e4chstenliebe,<br>damit die Hoffnung nicht zerstiebe<br>darauf, dass auf der sch\u00f6nen Erde<br>es endlich wieder Frieden werde.\u201c<br><br>Amen<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Recht str\u00f6me wie Wasser 21&nbsp;Ich hasse und verachte eure Feste und mag eure Versammlungen nicht riechen \u2013 22&nbsp;es sei denn, ihr bringt mir rechte Brandopfer dar \u2013, und an euren Speisopfern habe ich kein Gefallen, und euer fettes Schlachtopfer sehe ich nicht an. 23&nbsp;Tu weg von mir das Gepl\u00e4rr deiner Lieder; 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