2015: Gereimte Fastnachtspredigt zu 2. Korinther 6, 1-10

Gereimte Fastnachtspredigt zu 2. Korinther 6, 1-10

„Die Bewährung des Apostels in seinem Dienst“
15. Februar 2015
von Kerstin Schäfer

1. Ach, was muss man oft von bösen
Sündern hören oder lesen!
Wie zum Beispiel hier von diesen,
welche „die Korinther“ hießen,

2. die, anstatt auf weise Lehren
des Apostels stets zu hören,
oftmals über Paulus lachten
und sich heimlich lustig machten.

3. Paulus gibt sich viele Müh‘,
unterweist und lehret sie,
hofft, dass sie in Glaubenssachen
möglichst alles richtig machen.

4. Aber die Korinther dachten,
wie sie ihn verdrießlich machten.
Nun hat dieser brave Lehrer
leider kaum noch ´nen Verehrer,

5. weil sich hier die Schönen, Reichen
mit dem Mann nicht gern vergleichen.
Ganz in Bettler-Kluft gehüllt
steht er da als Jammerbild,

6. der als Redner nicht begnadet,
(was dem Anseh’n weiter schadet)
und der trotzdem weiter predigt,
seine Leut‘ wär’n bald erledigt,

7. weil sie Gnade zwar empfangen,
aber nie zum Heil gelangen,
wenn sie nicht in diesem Leben
eifrig schon nach Wohltat streben.

8. Doch als Gründer der Gemeinde
hat er diese nun zum Feinde.
Wie sie jetzt die Nase rümpfen
und als Ketzer ihn beschimpfen,

9. ist nur schwerlich zu ertragen,
sie, die einst in schönen Tagen,
bald im Hofe, bald im Garten,
lebensfroh sich um ihn scharten!

10. Ach, der Paulus weint auf’s Neu
und spitzt weiter seinen Blei-
stift für ein paar weit’re Briefe,
die ich heute nicht vertiefe.

11. Als ich jüngst im Schwarzwald weilte
und zum Gottesdienst dort eilte,
sprach der Pfarrer mit Betrüben:
„Wie kann man den Nächsten lieben,

12. wenn für die sechstausend Seelen
schlichtweg Arbeitskräfte fehlen?
Sekretärin, Diakon,
Pfarrer – und das war’s auch schon.

13. Wer soll Konfirmanden lehren
und die Glaubenskraft vermehren?
Wer soll außer mir denn leiten
all die Amtestätigkeiten?

14. Wann soll ich mein Pfeifchen rauchen,
wenn mich ständig alle brauchen?
Jeder sucht sein Seelenheil,
nur der Pfarrer hat sein Teil!“

15. Denkt Euch nur: Das war kein Witz!
Beinah‘ lupft‘ es mich vom Sitz.
Die Gemeinde jedenfalls
hat der Pfarrer wohl „am Hals“.

16. Früher hatt‘ man hierzuland‘
die Gemeinde „in der Hand“.
Bald drauf, als es Sonntag wieder,
und ich lauschte brav und bieder

17. in der Kirche mit Gefühle
einem andern Orgelspiele
in ´ner anderen Gemeinde,
die den Pfarrer hat zum Freunde,

18. denk‘ ich: Was für ein Kontrast!
Keiner fällt dem Mann zur Last.
Sekretärin, Kirchendiener,
Jungschar-Leiter, Jugend-Teamer,

19. Kirchenälteste, Kantoren,
Prädikanten und Senioren,
Bibelleser, Frauenkreise,
Helfer für die Konfi-Reise –

20. Alle zieh’n an einem Strange.
Diesem Pfarrer wird nicht bange.
Und verwundert steht und spricht er:
„Ich seh‘ hundertzehn Gesichter,

21. die mich alle unterstützen
und so der Gemeinschaft nützen.“
Kommt er abends spät nach Haus‘,
zieht er sich die Stiefel aus,

22. was man, ohne alle Frage,
nach des Tages Müh und Plage
einem guten Gottesmann
auch von Herzen gönnen kann.

23. Auch wenn Pflichten aller Arten
und Geburtstagskinder warten,
muss er nicht allein sich quälen,
kann auf den Besuchskreis zählen.

24. Kurz: Man ist darauf bedacht,
wie Gemeinde Freude macht,
weil’s schon in der Bibel heißt:
Viele Gaben – doch ein Geist.

25. Und ich sag’s Euch im Vertrauen:
Uns’re Pfarrerinnen bauen
bei der eignen Amtsverwaltung
ebenfalls auf Team-Gestaltung.

26. Eine jauchzte nach dem Motto
„´S ist wie’n Sechser fast im Lotto,
zu Johannes zu gehören,
hier die Sünder zu bekehren.“

27. Da denk‘ ich: Ist das nicht schön,
so viel Engagement zu seh’n!
Keiner lässt uns hier allein.
Hier will ich gern Sünder sein!

28. Doch zurück auf Paulus‘ Pfade
und zum Abschnitt mit der „Gnade“,
die man leicht empfängt vergebens
in den Wirren dieses Lebens.

29. Dies sagt auch Bonhoeffers Dietrich:
Es sei jedem Christsein widrig,
stets auf Gnade zwar zu hoffen
doch sich weiterhin zu zoffen.

30. So wird Gnade schlicht zu billig,
wenn man meint, Gott würde willig
einfach Gnade auf uns gießen,
dass der Wohlstand möge sprießen,

31. und man könnt‘ nach freiem Willen
Gnade sich in Flaschen füllen,
ab und zu ´nen Schluck draus nehmen.
Das ist für die ganz Bequemen.

32. Mancher formuliert es kühner:
„Gnade sind gebrat’ne Hühner,
die uns in die Münder fliegen,
sozusagen aus Vergnügen.

33. Und vom ganzen Hühnerschmaus
guckt nur noch ein Bein heraus.“
Nein! Wir dürfen hier nicht ruh’n!
Manches muss man selber tun.

34. „Gnade“, schreibt Bonhoeffer drum,
„ist das Evangelium“,
das man nicht als Reise bucht,
sondern „unermüdlich sucht.“

35. Gnade hilft uns aus den Nöten,
doch es muss darum gebeten,
ja, sogar gerungen werden,
wie im Himmel, so auf Erden.

36. „Gnade“, sucht vor allen Dingen
uns auch Paulus nahzubringen,
„ist die Tür, an die man klopft,
wenn der Weg zum Heil verstopft.“

37. Auch wenn uns das nicht geheuer:
Eigentlich ist Gnade teuer.
Hoch ist Bonhoeffer zu preisen,
der sich dieses heiße Eisen

38. mutig damals macht zu eigen,
statt geflissentlich zu schweigen.
Denn er unterscheidet grade
billige von teurer Gnade.

39. „Teuer“ hat er‘s eingeschätzt,
Christus nachzufolgen – jetzt.
„Billig“, Sünden zu vergeben,
ohne Umkehr anzustreben.

40. Billig wäre: Kinder taufen
und sich nicht zusammenraufen,
sie im Geist der Heilsgeschichten
wirklich auch zu unterrichten.

41. Billig wär‘ es auch am Ende,
zu verschleudern Sakramente,
nach Bekenntnis nicht zu fragen
an den Abendmahls-Sonntagen.

42. Schlimm, wenn man das Ziel verdrängt
und ans Kaffeekränzchen denkt:
„Frau’n und Männer schlucken munter
jedes ein Stück Brot hinunter.“

43. Ganz im Stillen und in Ehren
ein Stück Weißbrot zu verzehren,
das ist freilich angenehmer
und dazu auch viel bequemer,

44. als die Sünden zu bekennen,
die uns von der Gnade trennen.
Das klingt freilich sehr vermessen,
als hätt’ Weisheit ich „gefressen“.

45. Sowas würd‘ ich nie behaupten,
weil Sie mir das gar nicht glaubten.
Von dem, was wir heut gelernt,
bin ich selbst noch weit entfernt.

46. Nur des Reformators Worte
sei’n zitiert an diesem Orte
ganz im Geist des Miteinanders:
„Hier steh‘ ich, ich kann nicht anders.“

47. Jetzt ist alles fast in Butter:
Kerstin bringt den Spruch vom Luther,
wofür sie besonders schwärmt,
wenn er wieder aufgewärmt.

Amen

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