2014: Gereimte Fastnachtspredigt zu Jesaja 58, 1-9a

Gereimte Fastnachtspredigt zu Jesaja 58, 1-9a

„Falsches und echtes Fasten“
2. März 2014
von Kerstin Schäfer
1. Zur Fastenzeit entbrennt erneut
die Frage, wie wir fasten heut‘:
Kein Tabak, Auto, Fernseh-Gucken,
kein Alkohol, nichts Süßes schlucken,

2. kein Eis und keine Schokolade –
was uns halt in den Sinn kommt grade.
´s gibt Möglichkeiten ohne Zahl.
Man hat direkt die Qual der Wahl.

3. Schoko-Verzicht ist angenehm:
Dann ess‘ ich halt Vanille-Creme.
Nein, ich verzicht‘ – das lob ich mir –
mal sieben Wochen auf mein Bier.

4. Dafür schenk ich den roten Wein
mir einfach umso öfter ein.
Computer, Handy, Smartphone, App
macht mich schon viel zu lang zum Depp.

5. „Ich mach dies‘ Jahr, wenn’s irgend geht,
´ne Kuchen-Handy-Wein-Diät.“
Sie haben’s sicher längst erraten:
So schafft man keine guten Taten.

6. Meist nützt das ganze Fasten nur
für sieben Wochen der Figur,
die sich, wenn’s dann auf Ostern geht,
zurück in alte Formen bläht.

7. Manch einer denkt, er zeigt Erbarmen
und Mitgefühl mit all den Armen,
wenn er vorm vollen Kühlschrank steht
und zwingt sich zu ´ner Null-Diät.

8. Das nennt die Bibel Heuchelei,
denn das geht am Bedarf vorbei.
Nur Fasten um des Fastens Willen
wird keines Menschen Hunger stillen.

9. Wohltat nur in den eignen Wänden,
die wird am Gartenzaun schon enden.
Willst Du in Gottes Gnade ruhn,
musst du dem Nächsten Gutes tun.

10. Wir beten „Jesus, sei mein Gast,
segne, was du bescheret hast.“
Und plötzlich klopft es an das Tor.
Steht etwa Jesus jetzt davor?

11. Ein Bettler ist’s, verschwitzt, verdreckt,
der sofort unsern Argwohn weckt.
Hungrig und müde sieht der aus,
doch was will der in meinem Haus?!

12. Der wird doch nicht vom reichen, vollen
Gedeck für Jesus essen wollen?
Und dann noch bleiben eine Nacht?
So hab ich mir das nicht gedacht!

13. „Brich mit dem Hungrigen dein Brot.
Hilf Obdachlosen aus der Not.
Wenn einer friert, so kleid‘ ihn ein
und lass ihn in dein Haus hinein.“

14. Oh, Mist, wir ham’s ja grad gehört!
Ihn wegzuschicken wär‘ verkehrt.
Will ich den Jesus um mich haben,
dann muss ich auch den Bettler laben

15. und mit ihm teilen meine Speise,
ihn stärken für die Weiterreise.
Vielleicht fehlt ihm zu seinem Glück
ein ausgetrag’nes Kleidungsstück.

16. Wenn man dem hilft, der darbt und friert,
und dabei selbstlos noch agiert,
dann kommt die Tat ganz oben an,
dann heißt’s: „Das habt ihr mir getan.“

17. Hilfe in letzter Konsequenz
braucht nicht mal viel Intelligenz,
kein Abi, Studium, Doktortitel,
kaum große finanzielle Mittel.

18. Sie wird im Kleinen oft gefunden,
ist an kein großes Amt gebunden,
nicht an den Sitz im Chorgestühl.
Sie zeigt sich erst durch Mitgefühl.

19. Wenn jemand schrecklich einsam ist,
weil ihn die Welt schlichtweg vergisst,
und du gehst plötzlich auf ihn zu,
dann wendet sich das Blatt im Nu.

20. Sehr hilfreich ist auch das Bestreben,
für die, die täglich um dich leben,
auch mal ein gutes Wort zu finden!
Da wirst du Schranken überwinden.

21. Du sollst die Oma mal besuchen,
wie Rotkäppchen mit Wein und Kuchen.
Die „Wein-Diät“ von weiter oben
wird auf ein andres Mal verschoben.

22. Besuch‘ sie einfach ohne Zaudern,
und ihr kommt wunderbar ins Plaudern.
Entzieh dich nicht dei’m Fleisch und Blut.
Wirst seh’n: Es tut euch beiden gut.

23. Das Himmelreich ist gar nicht weit,
denn Gott schenkt uns Gerechtigkeit.
Wir sollten freilich uns beeilen,
sie unter Menschen aufzuteilen.

24. Dann trägt den Namen sie zu Recht.
Wenn’s nicht so wär‘, das wäre schlecht.
Will man sie noch so gut verwalten,
man kann sie nicht für sich behalten.

25. Es hatte einen Geistesblitz
der Ordens-Bruder Roger Schütz:
„Soll dir dein Leben stets gelingen,
so lass dich zum Konsum nicht zwingen.

26. Der Kaufzwang bringt dich gar nicht weit,
nur in die Kauf-Abhängigkeit.
Du ziehst herum und kaufst und kaufst,
und eh‘ du wirklich mal verschnaufst,

27. bist du ein Teil der großen Meute,
die gierig schnappt nach jeder Beute.
Das Haben bringt dir keinen Spaß.
Schon glaubst du, dir fehlt wieder was.

28. Befrei‘ dich mal von dieser Last
und teile alles, was du hast.
Dann kann ich dir schon jetzt verkünden:
Du wirst viel Freiheit darin finden.“

29. Das ist kein Kerstin-Schäfer-Witz;
das sagte so der Roger Schütz,
die sozusagen „gute Fee“
von der Gemeinde in Taizé.

30. Was mir noch sehr am Herzen liegt
ist, dass man sonntags Ruhe kriegt.
„Am siebten Tage sollst du ruhn“,
das hat – weiß Gott – mit uns zu tun.

31. Wenn ständig jemand schuften muss
für unsern großen Warenfluss,
den die Gesellschaft gern verzehrt,
dann läuft doch etwas grundverkehrt!

32. Da wird gekauft und konsumiert,
bestellt, beraten, anprobiert,
am Werktag, Sonntag, ohne Pause.
Ja, geh’n die Leute nie nach Hause?

33. Die Last ruht auf den Kleinen, Schwachen,
da heißt’s: „Mit uns kann man’s ja machen!
Die Öffnungszeit bestimmt der Boss;
das ist nun einmal unser Los.“

34. Ich wehr‘ mich gegen dieses Joch,
das sagt, „die Mehrheit will das doch“!
Angeblich sei das marktgesteuert,
wird immer wieder laut beteuert.

35. Der Kunde will für’n Grill die Kohlen
auch sonntags an der Tanke holen.
Wenn ich von Wirtschaft eines weiß,
dann das: Es ist ein Teufelskreis.

36. Ich denk‘, wir sollten uns besinnen
und einfach bei uns selbst beginnen,
den Teufelskreis zu überwinden,
denn „du wirst Freiheit darin finden“,

37. Freiheit von der besagten Beute,
Freiheit für dich und andre Leute,
die nicht mehr an der Kasse stehen.
Sie könnten jetzt zur Kirche gehen.

38. Ich weiß, es muss auch welche geben,
die sonntags retten unser Leben:
Die Ärzte und die Krankenschwestern,
ich bin ja schließlich nicht von gestern –

39. die Hebammen dann wohl nicht minder,
sonst gäb’s ja keine Sonntagskinder.
Sagt nicht, mir fehlt dafür der Sinn,
weil ich ein Montagskind bloß bin.

40. Ich fühl‘ mich quasi auserwählt
zu klär‘n, wie viel der Sonntag zählt:
Hab von Geburt an nicht gepennt,
hab Sonntagsruhe noch gegönnt

41. dem heißgeliebten Elternpaar,
und war dann erst am Montag da.
(Das war jetzt wohl kein Geistesblitz;
das war ein Kerstin-Schäfer-Witz.)

42. Ich würd‘ mal sagen: Spaß beiseite
und mit Klamauk genug für heute!
Die Aktion „Sieben Wochen ohne“
sei eine, die sich wieder lohne,

43. so hört man jetzt in Kirchenkreisen.
Bis Ostern wird es sich erweisen.
Falsche Gewissheit hinterfragen,
Lebwohl zu Halbwahrheiten sagen,

44. sich prüfen und in manchen Fällen
was Neues auf die Beine stellen.
Lass dich nicht nur von andern lenken.
Das Motto heißt jetzt: Selber denken!

45. Das eine möcht‘ ich noch bekunden:
Dass ihr den Weg hierher gefunden
bei all den Konkurrenz-Anlässen,
das werde ich euch nie vergessen.

46. Der Friede Gottes ist viel höher
und doch uns Menschen sehr viel näher
als die Vernunft es je begreift
sei sie auch noch so sehr gereift.

47. Er möge weiterhin bewahren,
wenn wir auf unsern Wegen fahren,
auch unsre Herzen, unsre Sinnen.
Und dieser Friede wärmt von innen.
Amen

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