2013: Gereimte Fastnachtspredigt zu Lukas 18, 31-43

Gereimte Fastnachtspredigt zu Lukas 18, 31-43

„Die dritte Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung“ und „Die Heilung eines Blinden bei Jericho“,

9. Februar 2013
von Kerstin Schäfer
faschingspredigt_2013

1. Es kamen zwei Matrosen neulich
zu ihrem Chef, dem Kapitän.
Sie hatten nämlich – wie abscheulich! –
´nen blinden Passagier geseh’n.

2. „Ein blinder Passagier! Zum Teufel!
Der muss hier augenblicklich fort.“
Der Kapitän lässt keinen Zweifel:
„Werft ihn am besten über Bord.“

3. Gesagt, getan. Die zwei versenken
den Mann sofort am Meeresgrund.
Erst danach fang’n sie an zu denken:
„Was mach’n wir mit dem Blindenhund?“

4. Was will uns dieser Witz verraten?
Wir seh’n es augenblicklich ein:
Man kann auf ganz verschied’ne Arten
mit Blindheit schwer geschlagen sein.

5. So auch zu biblisch fernen Zeiten:
Da schlägt uns Lukas heute vor,
die Jünger Jesu zu begleiten;
sie steh’n vor Jericho am Tor.

6. Wir sehen Männer, Frauen, Kinder,
sie alle streben in die Stadt.
Am Rand der Menge sitzt ein Blinder,
der auch was mitbekommen hat.

7. Zuvor jedoch lasst uns noch weilen
bei Jesus und der Jüngerschar,
die fröhlich mit ihm vorwärts eilen
und glauben an ein Jubeljahr:

8. Ein jeder schwelgt auf seine Weise.
Sie freu’n sich seit Methusalem
auf diese ganz besond’re Reise:
die Reise nach Jerusalem.

9. „Jerusalem, du schöne Stätte!“
– allein der Name macht schon Mut,
„wir geh’n mit Jesus um die Wette,
und sind wir da, wird alles gut!

10. Auf Nimmer-Wiederseh’n, ihr Bösen!
Denn unser Herr, der ist auf Zack!
Der Christus wird uns all’ erlösen,
zunächst mal von dem Römer-Pack.“

11. So fiebern sie auf ihren Wegen
mit nie gekannter Euphorie
dem „Sturm aufs Rathaus“ schon entgegen,
zumindest in der Phantasie.

12. Die Jünger sind jetzt kaum zu halten,
woll’n in die Heil’ge Stadt sogleich.
„Dort bleibt jetzt gar nichts mehr beim Alten,
denn dort entsteht Sein Königreich!“

13. Doch Jesus spricht derweil vom Leiden,
von Spucke, Geifer, Hohn und Spott
und von Misshandlung durch die Heiden,
von Geißelung bis hin zum Tod.

14. Kein Wunder, dass sie nichts verstehen.
Das macht für sie doch keinen Sinn:
Sie woll’n ins Himmelreich eingehen,
und Jesus strebt zur Richtstatt hin?!

15. Der Sinn bleibt ihnen sehr verborgen,
und das zum wiederholten Mal.
Schon oft hat Jesus voller Sorgen
erwähnt die bitt’re Marterqual.

16. Das woll’n die Jünger gar nicht sehen,
auf düstre Wahrheit nicht erpicht.
„Er kann nicht einfach von uns gehen
– durch Tod am Kreuz schon dreimal nicht!“

17. Zwar spricht ihr Herr vom Auferstehen
am dritten Tage nach dem Tod.
Die Jünger woll’n auch das nicht sehen.
Bisher schien alles doch im Lot!

18. Vom Tod und Aufersteh’n des Herren
weiß heut’ natürlich jedes Kind.
Die Jünger konnt’ man nicht belehren.
Sie war’n auf diesem Auge blind.

19. Ich glaub’, ich hätte auch Probleme
als Jünger dort zu dieser Zeit,
wenn Jesus mich beiseite nähme
und spräch’, das Ende sei nicht weit.

20. Da trabt man fröhlich durch die Lande,
voll Zuversicht und Harmonie,
und plötzlich ahnt man Todesbande.
Ich hab’ da grad ein Déjà-vu:

21. Hat nicht die Bibel vor vier Jahren
zur Faschingszeit mit „Markus 8″,
als wir hier auch versammelt waren,
das Leben uns so schwer gemacht?

22. Auch hier wird Leiden angekündigt.
´S ist Petrus, der’s nicht glauben will,
weil sich sein Herr doch nie versündigt.
Doch Jesus fährt ihn an: „Schweig still!“

23. Dabei will Petrus ihn beschützen,
eh’ er ins off’ne Messer rennt.
Doch soll sein Vorstoß ihm nichts nützen,
weil Jesus ihn jetzt „Satan“ nennt.

24. „Geh weg von mir, denn dein Bekenntnis
ist doch bloß menschlicher Natur.
Dir fehlt das göttliche Verständnis“,
sagt Jesus barsch, „hier störst du nur.“

25. Man könnte sich vor Gram verzehren,
wie stets zu dieser Faschingszeit,
als wollt’ die Bibel uns belehren:
„Hey, Frohsinn, mach dich nicht zu breit!“

26. Zwar könnt’ man über’s Osterlachen
schon heute frisch, fromm, fröhlich, frei
sich mal ein paar Gedanken machen,
doch führt am Kreuz kein Weg vorbei.

27. Sogar die Jünger woll’n den weiten
und schweren Weg mit Jesus geh’n
und weiter tapfer vorwärts schreiten,
auch wenn sie heut’ das Ziel nicht seh’n.

28. Fast hätt’ den Blinden ich vergessen,
der dort sitzt seit geraumer Zeit,
auf seine Heilung ganz versessen,
und der jetzt laut nach Jesus schreit.

29. „Sohn Davids, hilf, erbarm dich meiner!“
ruft er, der seine Chance erkannt.
Da hat zuvor ihm nämlich einer
den Namen Jesu schnell genannt.

30. „Sohn Davids, hilf!“ Er schreit noch lauter,
damit ihm nicht die Chance entflieht.
Und in die grobe Richtung schaut er,
wo Jesus mit den Jüngern zieht.

31. Die bei ihm steh’n, wolln’s ihm verbieten:
„Du kannst doch hier nicht so laut schrei’n!
Es gibt Gewinner und auch Nieten.
Du bist halt blind; jetzt sieh es ein!“

32. Hier kann man wunderbar erkennen,
was Lebensqualität vermindert.
Ich will das Kind beim Namen nennen:
Man ist nicht, nein, man wird behindert.

33. Nicht genug damit, dass der Blinde
sein Lebtag schon nichts sehen kann.
Man raunzt ihn auch noch an: „Verschwinde!“
und legt ihm einen Maulkorb an.

34. Doch vorne scheint sich was zu rühren,
denn Jesus steht jetzt plötzlich still.
Er lässt den Blinden zu sich führen
und fragt ihn, was der von ihm will.

35. „Herr, dass ich sehen kann natürlich,“
fängt dieser gleich zu reden an.
Und manche finden’s ungebührlich,
dass man so etwas fordern kann.

36. Für Jesus aber sind die Worte
genau das, was er hören will.
Er heilt den Blinden gleich am Orte.
Die Kritiker sind sofort still.

37. Denn unser Blinder kann jetzt sehen.
Er zeigt sich völlig selbstbewusst
und wird sogleich mit Jesus gehen
voll Dankbarkeit und Lebenslust.

38. „Geholfen hat dir hier dein Glaube,“
sagt Jesus ihm noch hinterher.
Das gilt für Blinde und für Taube,
für Lahme und noch viele mehr.

39. Im Film mit Namen „Bruce Allmächtig“,
da fällt mir eine Szene ein,
die demonstriert mal wieder prächtig:
So hilfreich kann das Beten sein.

40. Man sieht, wie Gott und Bruce betreten
´ne Wasserfläche grad zu Fuß,
Gott fragt: „Wie hältst du’s mit dem Beten?
Nun zeig doch mal, mein lieber Bruce!“

41. Da betet Bruce „für Fried auf Erden,
und dass die Menschheit Gutes tut.
Und keiner soll mehr hungrig werden.“
Dann fragt er Gott: „War das jetzt gut?“

42. „Na ja,“ sagt Gott, „es ist schon richtig,
wenn du die Menschheit einbeziehst.
Was aber ist Dir wirklich wichtig,
wenn du dein eig’nes Herz ansiehst?“

43. „Dass meine Frau kommt unverzüglich
zu mir zurück, wenn’s irgend geht!“
Das findet Gott nun sehr vergnüglich:
„Na, das ist doch mal ein Gebet!“

44. Dann hat er Bruce noch mitgegeben:
„Glaub nicht an Zaubertricks und Plunder.
Willst du ein Wunder einst erleben,
dann sei am besten selbst das Wunder!“

45. Der Bruce im Film lässt sich das sagen
und leistet manche gute Tat.
Vielleicht soll’n wir es auch mal wagen
zu folgen diesem guten Rat.

46. Und Gottes Friede, unermesslich,
der die Vernunft weit überragt,
bewahre unser Herz verlässlich
in Christus Jesus unverzagt.

Amen

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