2011: Gereimte Fastnachtspredigt zu Lukas 10, 38-42,

Gereimte Fastnachtspredigt zu Lukas 10, 38-42,

„Marta und Maria“
6. März 2011
von Kerstin Schäfer

1. Zwei Schwestern hab’n hohem Besuch
von Jesus, so steht’s in dem Buch.
Maria darf sitzen,
die Marta muss schwitzen
und hat auch schon sehr bald genug.

2. Die Marta blieb lange verschwunden
und wurd’ in der Küche gefunden.
Sie macht sich viel Mühe
mit Fleisch und mit Brühe
und schuftet seit mehreren Stunden.

3. Jetzt kann sie es nicht mehr ertragen.
Sie muss es dem Jesus jetzt sagen:
„Ich schaff hier alleine,
mach der doch mal Beine,
sonst platzt mir allmählich der Kragen.

4. Maria sitzt vor deinen Füßen,
und du scheinst das noch zu begrüßen.
Was will die beim Rabbi?
Die macht doch kein Abi!
Ich sag dir: Das wird sie noch büßen.“

5. Der Herr kennt die Sorgen genau
und nimmt der geschäftigen Frau
mit einfachen Regeln
den Wind aus den Segeln:
„Was machst du für einen Radau?

6. Kein Mensch verlangt, dass man sich quält.
Grad hab ich vom Vater erzählt.
Dich mag ich gut leiden,
doch sie hat von beiden
die bessere Seite gewählt.“

7. Soweit also Jesu Erklärung.
Doch was folgt auf diese Belehrung?
Die Marta wird grollen
und weiterhin schmollen
trotz aller gebot’nen Verehrung.

8. Was sagt die Geschichte uns heute,
wenn ich sie aus meiner Sicht deute?
Ein klares Ergebnis
nach diesem Erlebnis,
das wäre schon was, was mich freute.

9. Wir sollten wohl über die Schwestern
von oben herab nicht gleich lästern.
Probleme zu haben
mit menschlichen Gaben,
das gibt es doch heute wie gestern.

10. Man müsste es einfach probieren,
vielleicht auch mal etwas riskieren,
um eig’ne Talente
– nicht erst nach der Rente –
im Alltag geschickt zu platzieren.

11. Der Sinn ist bei solchen Geschichten
nicht gleich über andre zu richten.
Die eigenen Stärken,
die muss man sich merken.
Ich glaub, ich versuch’s heut mit Dichten.

12. Da hat in der Heiligen Schrift
die Marta, die Jesus dort trifft,
statt Nähe zu spüren,
Gespräche zu führen,
grad diese Entscheidung umschifft.

13. Maria verlegt sich aufs Hören
und lässt sich von Marta nicht stören.
Ob ich nicht zum Kochen
mich auch hätt’ verkrochen?
Ich könnt es bis heut nicht beschwören.

14. Der Jesus ist Meister der Worte,
und zwar von besonderer Sorte.
Er kann durch die Lehren
auch Zweifler bekehren,
doch braucht er dazu keine Torte.

15. Mensch, Marta, du hast einen Gast!
Der glaubt doch, er fällt dir zur Last,
wenn du bist am Rödeln
mit Töpfen und Knödeln.
Komm, setz dich, solang du ihn hast!

16. Am End willst auf emsigen Sohlen
du auch noch den Wischmopp rausholen,
um bis in die Puppen
auf Hochglanz zu schruppen
am Boden die hölzernen Bohlen.

17. Hör zu, liebe Marta von heut!
Es heißt: Alles hat seine Zeit.
Das Staubtuch zu schwingen
statt Lobpreis zu singen,
das haben schon manche bereut.

18. Beim Sofa gibt’s staubige Flusen,
am Türgriff zerknitterte Blusen.
Du solltest dich zügeln,
die jetzt noch zu bügeln!
Das kann so ein Gast nicht verknusen.

19. Auch wenn sie nicht glänzt, deine Wohnung,
dein Rücken verdient etwas Schonung.
Am Tag unsres Herrn,
da ruht man doch gern.
Den Gottesdienst gibt’s zur Belohnung.

20. Ich sag’s euch mit ernsthafter Miene:
Der Jesus kam her, dass er diene,
und nicht, um von Massen
sich dienen zu lassen.
Das wär’ doch ´ne ganz andre Schiene.

21. Das hab’n doch schon Kinder erfasst:
„Herr Jesus, komm sei unser Gast.
Am Tisch uns begegne
und bitte, Herr, segne
was Du uns bescheret heut hast.“

22. Ein Kernstück gemeindlichen Lebens,
das ist die Kultur dieses Strebens
nach göttlicher Nähe
vom Kopf bis zur Zehe.
Sonst ist doch die Chose vergebens.

23. Die Kirchen in unseren Orten,
die öffnen vermehrt ihre Pforten
für zahlreiche Kreise,
mal laute, mal leise,
und Gruppen verschiedenster Sorten.

24. Das ist ja soweit auch ganz richtig,
denn Gruppen und Kreise sind wichtig.
Doch wenn sie als Hüllen
nur Selbstzweck erfüllen,
dann, kann ich euch sagen, verzicht ich.

25. Man macht sich in seiner Gemeinde
vielleicht nicht gerade zum Feinde
mit endlosem Planen,
doch lässt sich’s erahnen:
Man schafft sich dann auch keine Freunde.

26. Die kirchliche Ausschussarbeit
verschlingt manchmal ganz schön viel Zeit.
Grad war’s noch halb acht,
schon ist’s Mitternacht.
Ich hatt’ mich aufs Bett schon gefreut.

27. Es gibt einen Ausschuss fürs Bauen,
da sitzen mehr Männer als Frauen.
Der pflegt die Gebäude
den Menschen zur Freude
und hat unser vollstes Vertrauen.

28. Der Ausschuss für Kirchenmusik
hat Chor und Orchester im Blick:
Wer rückt die Podeste
für kirchliche Feste
und wann probt man wo welches Stück?

29. Man kann sich beim Thema „Finanzen“
nicht gut hinter Akten verschanzen.
Es muss halt gelingen,
das Geld reinzubringen,
und sei es an Fasching durch Tanzen.

30. Die Kita läuft fast nebenher,
als wenn es das Einfachste wär.
Doch wer seine Vita
verknüpft mit der Kita,
der trägt an Verantwortung schwer.

31. Die Arbeit mit euch Konfirmanden
– ich seh’, ihr seid zahlreich vorhanden –
weist Kinder und Jugend
auf Pfade der Tugend,
die hoffentlich nicht gleich versanden.

32. Der Ausschuss für Öffentlichkeit
hält stets alle Infos bereit,
weil viele Aktionen
sich noch viel mehr lohnen,
wenn sich auch das Publikum freut.

33. Es gibt sehr verschiedne Talente,
und jeder setzt eig’ne Akzente.
Man bündle die Kräfte
in diesem Geschäfte,
sonst bleiben die Gaben Fragmente.

34. An Christi Leib sind wir die Glieder,
so hör’n wir es hier immer wieder.
Am Stamm sind wir Zweige,
Er spielt Erste Geige
und wir singen all seine Lieder:

35. Von Jesu Geburt und den Freuden
bis hin zu den späteren Leiden,
von himmlischen Pforten
an weltlichen Orten.
Da werden uns manche beneiden.

36. Der Friede von Gott, unserm Herrn,
nach dem wir uns alle verzehr’n,
er lässt sich nicht fassen,
doch sind wir verlassen,
wenn wir ihn auf Dauer entbehr’n.

Amen

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