2009: Gereimte Fastnachtspredigt zu Markus 8, 31-38

Gereimte Fastnachtspredigt zu Markus 8, 31-38

„Ankündigung von Jesu Leiden und Nachfolge Jesu“
22. Februar 2009
von Kerstin Schäfer

1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser fünften Jahreszeit
an tollen Faschingstagen.
Schau an der frohen Narren Zier
und siehe, wie viel Schnaps und Bier
sie heute noch vertragen.

2. „Konsum“ heißt heut das Zauberwort
zu jeder Zeit, an jedem Ort,
man kauft, verbraucht und lächelt.
Wir pfeifen auf Versich’rungsschutz!
Heut hau’n wir kräftig auf den Putz,
obwohl die Wirtschaft schwächelt.

3. Der „Konsumismus“ macht nicht halt
vor Mann und Frau, vor Jung und Alt,
sie alle woll’n gut leben.
Ich geb’ es zu, ihr lieben Leut’:
Auch ich bin nicht davor gefeit
das Geld schnell auszugeben.

4. Wir renovier’n grad unser Bad,
das Jahre auf dem Buckel hat.
Der Umbau dauert lange.
Seit sieben Wochen nicht geduscht,
im Haus verteilt der ganze Kruscht,
vorm Klo ´ne Warteschlange!

5. Ist das Konsum? Ist das Verzicht?
Ich weiß es manchmal wirklich nicht.
Dem Handwerk dient’s zum Lohne.
Die Fastenzeit steht vor der Tür
und ich hab sie grad hinter:
die „Sieben Wochen ohne“.

6. Wir leben heut in einer Welt,
die Reichtum für Erfüllung hält
im Lebenstraum der meisten.
Doch oft genug wohnt nebenan
die arme Frau, der arme Mann,
die könn’n sich das nicht leisten.

7. In Zeiten vor dem Überfluss
schuf jeder Schuster je ein Fuß-
Modell von seinen Kunden.
Wenn alte Schuh’ hinüber war’n,
so fertigte er neue an.
Man kam über die Runden.

8. Heut kauft sich manche junge Frau
die gleichen Schuh’ in gelb, rot, blau,
um sich auf „cool“ zu trimmen.
Im Ferseh’n bläut man ihr dann ein:
„Die Handtasch muss lebendisch sein!“
Das Image, das muss stimmen.

9. Man definiert sich viel zu schnell
nach „Germany’s next Topmodel(l) “,
ich weiß das aus Erfahrung.
Der Kaufrausch, der die Glitzer-Welt
im Innersten zusammenhält,
braucht täglich neue Nahrung.

10. Nach Nahrung schreit auch manches Kind,
des’ Eltern aus Somalia sind,
mit chronisch leeren Händen.
Wir aber hab’n im reichen Land
die Fernbedienung schnell zur Hand,
das Elend auszublenden.

11. Wir ham’s geschafft. Wir sind jetzt wer!
Auch unsre Mäuler war’n mal leer.
Wer will uns das verdenken?
Wir geh’n zur Mainzer Fassenacht,
wir freu’n uns, wenn es stinkt und kracht,
und werfen mit Geschenken.

12. Doch Jesus ruft zum Leiden auf,
nimmt Marter, Kreuz und Tod in Kauf.
Was soll’n wir davon halten?
Auch Petrus hat gleich aufbegehrt.
Es passt ihm nicht, was Jesus lehrt.
„Herr, lass es doch beim Alten!“

13. Da weist ihn Jesus scharf zurecht:
„Du, Satan, kennst mich aber schlecht.
Ich soll dem Kreuz entrinnen?
Das ist doch plumpe Menschensicht.
Nein, göttlich ist das wirklich nicht.
Ich glaub’, du bist von Sinnen!“

14. Wer strikt an diesem Leben klebt,
hat irgendwann umsonst gelebt.
Es wird ihm doch nichts nützen.
Er kann den Reichtum dieser Welt,
auch Anerkennung, Macht und Geld
im Himmel nicht besitzen.

15. Was nutzt es ihm, dass er gewinnt
die ganze Welt samt Frau und Kind
und dass ihm gar nichts fehle,
sein’ Menschlichkeit jedoch verschwimmt
und er dabei noch Schaden nimmt
an seiner armen Seele!

16. Das Kreuz erschien ihm gleich zu schwer,
da hat er sich wie’n Millionär
an Hab und Gut geklammert.
Hätt’ er doch nur Verzicht geübt!
Das Geld hat ihm die Sicht getrübt,
jetzt steht er da und jammert.

17. Wen Jesus so beschreiben kann
sind du und ich, ist jedermann:
Genießer, Spieler, Raucher,
Moral-Apostel, Pisten-Sau,
Börsianer, Banker, Klosterfrau,
Otto Normalverbraucher.

18. Soll’n wir jetzt alle Bettler sein
und uns vom letzten Scheck befrei’n,
uns ab und zu mal geißeln?
Wird man uns, wenn wir allen Tand
und Schmuckwerk geben aus der Hand,
ein hehres Grabmal meißeln?

19. Um jeglichen Konsumverzicht
geht’s Jesus hierbei sicher nicht.
Man darf sich auch mal freuen.
Doch wenn dadurch ein Leid passiert,
dass Frau sich mit ´nem Kleid verziert,
dann muss man das bereuen.

20. Wir dürfen unsre schöne Welt
nicht, weil uns das jetzt grad gefällt,
auf Kosten andrer plündern.
Es gilt, egal ob Herr, ob Knecht,
für jeden gleiches Menschenrecht
bis zu den Kindeskindern.

21. Man stellt sich gerne taub und blind
und merkt nicht, wo Probleme sind,
statt richtig hinzusehen,
lässt Alte, Kranke oft allein
und liefert sie in Heime ein.
Das muss doch anders gehen!

22. Warum nicht mal was ausprobier’n
und Alt und Jung zusammenführ’n,
da profitiert doch jeder!
Mama kocht Opas Leibgericht,
die Enkelin spricht ein Gedicht
aus Urgroßvaters Feder.

23. Die Kindergarten-Kinderlein,
die singen heut im Altersheim.
Da freu’n sich sicher alle.
Die hochbetagte Nachtigall
ergötzt und füllt mit ihrem Schall
die Hugenottenhalle.

24. Konfetti schwingt sich in die Luft,
der Prinz schlüpft in die Faschings-Kluft,
posiert mit seinem Kleide.
Prinzessin und der Bauersmann,
die ziehen sich viel schöner an
mit lauter Faschings-Seide.

25. Die Narren kriegen nie genug
vom Iseborjer Faschingszug,
man sieht’s an ihren Mienen.
Der fesche Bub, die leichte Dirn,
die wollen ihrem Dreigestirn
bis Aschermittwoch dienen.

26. Ist bei dem Zug der Weg vereist
mit Regen, der vom Himmel fleußt;
dann geht er in die Binsen.
Gemütlich wird’s dann eher nicht,
dafür gibt’s hier das Leibgericht:
den Teller voller Linsen.

27. Der Frohsinn kommt jetzt mit Gewalt,
darüber jauchzet jung und alt
und rühmt die große Güte
des Chefs; der drückt ein Auge zu.
Man zwängt sich in zu kleine Schuh’
und in zu große Hüte.

28. Ich selber kann und mag nicht ruh’n.
Des großen Gottes großes Tun
erweckt mir alle Sinnen.
Ich singe mit, wenn alles singt,
und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen.

29. Da Gottes Friede höher ist
als die Vernunft es je ermisst,
hab’ er mit uns Erbarmen,
bewahr’ er Herz und Sinnen gern
in Christus Jesus, unserm Herrn.
Und ich sag leise Amen.

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