2008: Gereimte Fastnachtspredigt zu Jesaja 58, 1-9a

Gereimte Fastnachtspredigt zu Jesaja 58, 1-9a

„Falsches und echtes Fasten“
3. Februar 2008
von Kerstin Schäfer

Ich will in Kreuzreim-Versen dichten,
denn wenn man übers Christ sein spricht,
kann man aufs Kreuz nicht gut verzichten,
sonst hilft die ganze Predigt nicht.

Da sagt uns Gott durch den Propheten,
dass ihm sein Volk abtrünnig sei,
trotz Bibellesen, Fasten, Beten,
egal wie sehr man sich kastei’,

er will’s im Himmel gar nicht hören,
hat keinen Wohlgefallen dran,
will uns das Himmelreich verwehren.
Was hab’n wir Böses ihm getan?

Die Antwort folgt gleich auf dem Fuße:
Wer fastet, hadert, zankt und schlägt,
tut damit nicht die rechte Buße.
Das wird im Folgenden belegt.

Nur Frömmigkeit zu demonstrieren,
in Sack und Asche nur zu gehn,
um damit Gott zu imponieren,
das wird von ihm nicht gern gesehn.

Wer nur den lieben Gott verwaltet
und hoffet auf ihn allezeit
der gilt als hoffnungslos veraltet
in seiner Not und Traurigkeit.

Ein Fasten ohne gute Taten
wird allzu leicht zur Heuchelei,
drum wird uns hier von Gott geraten:
„Jetzt lass auch deinen Nächsten frei,

den du zu Unrecht festgebunden,
auf den du einst das Joch gelegt,
den du geschlagen und geschunden,
dass er noch heut die Narben trägt.“

„Herr, Gott, wo hab ich denn gesündigt?“
so fragt sich der Gescholtne nun.
„Wird Deine Liebe aufgekündigt?
Was kann ich denn dagegen tun?“

„Teil mit dem Hungrigen dein Essen,
gib deine Kleidung dem, der friert.
Den Obdachlosen nicht vergessen!
Weh dem, der sich vorm Helfen ziert!“

„Was soll denn aber weiter werden?
Ist das nicht ziemlich viel verlangt,
wenn alles Unglück hier auf Erden
auf meiner Sündenliste prangt?

Und hab ich nicht schon längst vernommen,
dass durch ´ne noch so gute Tat
kein Mensch das Himmelreich erklommen,
wenn nicht durch Gottes eigne Gnad?“

„Schon klar, du kannst durch gute Taten
Gott nicht auf deine Seite zieh’n,
doch wärst du freilich gut beraten,
nicht vor Verantwortung zu flieh’n.

Wer nur auf eignen Seelenfrieden,
auf Glück und auf Erfüllung setzt,
hat sich schon selbst von Gott geschieden
und ein Gebot bereits verletzt:

Du sollst auch deinen Nächsten lieben,
nicht nur dich selbst und nicht nur Gott,
den Nächsten hier und dort und drüben
– so lautet dieses Hauptgebot.“

„Das klingt ja alles gut und richtig“,
wirft hier der Gläub’ge zaghaft ein,
„Brot, Kleidung, Obdach sind sehr wichtig,
doch schaff ich’s sicher nicht allein.

Und selbst wenn wir zusammenlegen
und jeder spendet ein paar Kröten,
um Elende gesund zu pflegen
– die ganze Wirtschaft geht doch flöten!

Der Arme sagt im Höchstfall „Danke“
und ruht sich auf der Stütze aus.
Was kostet uns der chronisch Kranke?
Das haut dem Fass den Boden raus.

Wer will denn dann noch Geld verleihen,
wenn niemals kommt ein Cent zurück?
Prophet Jesaja, Sie verzeihen:
Das ruiniert uns Stück für Stück.“

Wir sind mit Sorgen schwer beladen,
da uns das Glück so leicht entflieht,
weil, kaum dass wir im Glücke baden
gleich einer schon den Stöpsel zieht.

Doch der Prophet wirkt leicht verwundert.
Er scheint ganz kurz zu überlegen
und spricht (auf Seite siebenhundert):
„Wer Segen will, der muss sich regen.

Du denkst, es wird nur Geld verschwendet?
Auch wenn du Kräfte klug vereinst,
wird kein Stück Elend abgewendet?
Ich glaub, ich weiß jetzt, was du meinst:

Du hätt’st mit deinem großen Glauben
so gern mal einen Berg versetzt,
und jetzt komm ich und sag mit Schnauben,
du habest ein Gebot verletzt.

Wie gern willst du dem Herren droben
treu dienen! Doch du weißt nicht wie.
Man muss nicht gleich den Aufstand proben.
Üb Mitleid – griechisch: Sympathie.“

Denk nur mal an die kleine Spende
an einen Hilfsverein vor Ort.
Da kommt sie in die richt’gen Hände.
Vielleicht gibt’s auch ein Dankeswort.

Auch deine Kirche kann dir sagen
wohin sie Spendengelder leitet
in guten wie in schlechten Tagen,
weil sie Projekte lang begleitet.

Senioren, Krabbelkinder, Jugend,
Diakonie, Propstei Chonam;
es führt sogar die Spenden-Tugend
zur Herberge von Abraham.

Man halte nur ein wenig stille
und sei doch in sich selbst vergnügt,
wie unsers Gottes Gnadenwille,
wie sein Allwissenheit es fügt.

Du kannst auch deine Umwelt schonen:
Statt Auto fahr mal mit dem Bus.
Das Klima wird dich dann belohnen.
Noch besser ist: Du gehst zu Fuß.

Apropos Solidaritäten:
Der Bauer in der dritten Welt
beim Kaffee-Pflücken, Unkraut-Jäten,
was hat denn der von unserm Geld?

Nur ganz allmählich kommt der Wandel,
dass wir gerechte Preise zahlen.
Am besten geht’s im Fair-Trade-Handel,
da gibt’s den Kaffee auch gemahlen.

Es nützt dem Bauern herzlich wenig,
wenn ich mich nicht zusammenraufe,
sondern als Schnäppchenjäger-König
hier für zwo-fuffzig Kaffee kaufe.

Was helfen uns die schweren Sorgen,
was hilft uns unser Weh und Ach?
Was hilft es, dass wir alle Morgen
beseufzen unser Ungemach?

Die Sorg’ des Bauern ist viel schlimmer:
Da geht’s um Lebensunterhalt.
Und ich sitz’ hier im warmen Zimmer;
bei mir wird bloß der Kaffee kalt.

Das gleiche gilt für die Bananen,
die’s hier bei uns schön billig gibt.
Wir können leidvoll nur erahnen,
dass unser Tun ein Schicksal trübt.

Solln wir das Schicksal armer Bauern
– die Bibel nennt sie „unterjocht“ –
durch Kaufverhalten untermauern?
Das hat doch letztlich keinen Docht.

Wenn Arme immer ärmer werden
und Reiche dadurch mehr als reich,
das ist die Ungleichheit auf Erden.
Vor Gott sind alle Menschen gleich.

Die Ungleichheiten aufzuheben,
der Welt ein menschliches Gesicht,
Vertrau’n und Wärme neu zu geben,
das ist doch quasi unsre Pflicht.

Sogar der große Sting besingt sie,
die grad erwähnte Sympathie.
Den wirklich Liebenden gelingt sie.
„You love somebody – Set them free. “

Du siehst, du kannst durch Beten, Singen,
durch Kaufverhalten und mit Lachen
und mit so vielen andern Dingen
die Welt ein wenig besser machen.

Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,
verricht das Deine nur getreu
und trau des Himmels reichem Segen,
so wird er bei dir werden neu.
Denn welcher seine Zuversicht
auf Gott setzt, den verlässt er nicht. Amen.

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