2016: Gereimte Fastnachtspredigt zu 1. Korinther 13,1-13

1. Kor. 13,1-13 „Das Hohelied der Liebe“
Gereimte Fastnachtspredigt
von Kerstin Schäfer, 7. Februar 2016

1. Manche Dichter gibt es, die be-
nötigen der Sachen vier:
Einen guten Reim auf „Liebe“,
Feder, Tinte und Papier.

2. Wenn ich’s wie Heinz Erhardt triebe
und bei diesem Reimwort bliebe,
und nicht auf den Text einhiebe,
dass der Sinn sich nicht verschiebe,

3. und die Hoffnung nicht zerstiebe
dass ich Quintessenz draus siebe,
wär’s am besten, wenn ich schriebe:
´s geht um Glaube, Hoffnung, Liebe.

4. Einen echten Bibel-Schlager
könnt‘ man diese Verse nennen.
Onkel, Nichte, Oma, Schwager…
ich kenn keine, die’s nicht kennen.

5. Vorzugsweis‘ zum Fest der Trauung
wird nach diesem Text gefragt,
denn es dient wohl der Erbauung,
was er über Liebe sagt.

6. In Kapitel dreizehn dieses
Briefs des Paulus nach Korinth,
und genau Vers dreizehn isses,
wo man diese Zeilen find’t.

7. Immerhin kein Aberglaube
hält die Menschen davon ab.
Schnell woll’n sie unter die Haube
und sich treu sein bis ins Grab.

8. Wird von Alten wie von Jungen
dieser Spruch so gern gewählt,
weil – so sagen böse Zungen –
das Wort „Gott“ hier gänzlich fehlt?

9. Glauben, hoffen, dulden können
soll die hochgepries’ne Liebe.
Doch man könnt‘ sie nicht erkennen,
wenn nicht Gott ihr Ursprung bliebe.

10. In der Zeitung stand geschrieben
– und ich glaub, es war kein Scherz –
wie es sich verhält beim Lieben:
Liebe, das sei „Sex mit Herz“.

11. Solcherart Kalendersprüche
hab ich schon vor Jahr und Tag
längst verbannt aus meiner Küche,
weil ich’s einfach nicht ertrag‘.

12. Auch den Spruch zum Lebenssinn,
der beginnt mit „Liebe ist…“,
hab ich, wenn ich ehrlich bin,
vierzig Jahre nicht vermisst.

13. Schau’n wir auf die Unterhaltung
– Liedkunst, Kleinkunst, Kabarett -,
was zur Zwischenmensch-Gestaltung
man wohl dort zu sagen hätt‘.

14. Das Programm von Hagen Rether,
„Liebe“, zeugt wohl von Humor.
Mit Befremden merkt man später:
Liebe kommt dort gar nicht vor.

15. In der Leipz’ger Pfeffermühle
geht die Liebe bald zur Neige.
Bei dem Titel wird mir schwüle:
„Glaube, Liebe, Selbstanzeige“.

16. Auch Wolf Biermann singt von „Glauben,
Hoffnung, Liebe,“ diese drei,
kommt dabei jedoch ins Schnauben,
weil das „Geld“ das Größte sei.

17. Herbert Grönemeyer schließlich
zeigt, was Mensch zum Menschen macht:
„Weil er mitfühlt unverdrießlich,
hofft und liebt und glaubt und lacht.“

18. Lasst uns schau’n auf „Engelszungen“,
die der Paulus just beschreibt.
Sie sind rasend schnell verklungen
wenn man’s ohne Liebe treibt.

19. Reden, die den Stein erweichen,
zart, betörend, fein und süß,
werden niemanden erreichen,
sind vergleichsweis‘ „für die Füß“;

20. Reden wie ein Donnergrollen,
machtvoll, drohend, polternd, stark,
wären ebenfalls verschollen,
eh‘ zum End‘ sich neigt der Tag;

21. Reden von Rhetorik-Meistern
und voll Unterhaltungswert,
die durch schönen Schliff begeistern,
sind in Paulus‘ Sinn verkehrt –

22. lärmend wie ein Spielzeug-Klicker,
scheppernd wie ´ne leere Büchs‘
vor dem Fuß der jungen Kicker –
ohne Liebe wär‘n sie nix!

23. Wenn die „engelsgleichen“ Reden
nie von Gottes Liebe künden,
werden Krieg und Streit und Fehden
auf die Dauer nicht verschwinden.

24. Auch die Gabe der Propheten
spricht der Paulus ferner an:
dass in Dörfern und in Städten
man die Zukunft deuten kann.

25. An Geheimnis, an Erkenntnis,
gar an Glauben reich zu sein,
bringt nach Paulus‘schem Verständnis
ohne Liebe gar nichts ein.

26. Wenn als Wissenschafts-Vertreter
ich erkenne, was die Welt
überhaupt und jetzt und später
innerlich zusammenhält;

27. wenn vor lauter großem Glauben,
du schon mal ´nen Berg versetzt,
und hast gleich darauf mit Trauben
von Verehrern dich vernetzt;

28. wenn ein Dritter kann uns sagen,
wie die nächste Wahl ausgeht,
weil er auf geschicktes Fragen
und auf’s Rechnen sich versteht;

29. kann doch dem nicht viel gelingen,
der nicht auf die Liebe zählt,
weil mit Liebe in den Dingen
letztlich alles steht und fällt.

30. Wer den Armen spendet Kleider,
weil die Not zum Himmel schreit,
und bei der Aktion sich leider
bloß von seinem Müll befreit,

31. hat die Hilfe nicht verstanden,
die er denen geben soll,
die an Deutschlands Grenzen stranden.
Hier geht’s doch um deren Wohl.

32. Wer vermeintlich gute Werke
nur mehr aus Berechnung tut,
zeigt nicht Glauben, Hoffnung, Stärke
und schon gar nicht Liebesglut.

33. Kurz: Die Sprach‘ der Engelszungen,
Weisheit und auch Prophetie
sei von Liebe ganz durchdrungen,
Sonst gelingt das Leben nie.

34. Wer bis hierher sich noch freute,
weil er meint „das kann ich doch“,
den nimmt Paulus jetzt zur Seite,
denn das Schwerste kommt erst noch:

35. Liebe hat ´nen langen Atem,
freundlich ist sie noch dazu,
kann auf Gegenliebe warten
und drückt beide Augen zu.

36. Niemals wird sie sich ereifern
oder mit Verdiensten prahlen.
Nie wird sie nach Rache geifern,
um ein Unrecht heimzuzahlen.

37. Liebe wird nie unanständig,
sucht den eignen Vorteil nicht,
hält die Freundschaft stets lebendig,
stellt sich nicht ins rechte Licht,

38. lässt auch nicht zum Zorn sich reizen
und ist niemals schadenfroh.
Falschen Spöttern einzuheizen
unterlässt sie sowieso.

39. Liebe lässt nie jemand‘ hängen,
sie vergibt die größte Schuld,
sie befreit von allen Zwängen
und trägt alles mit Geduld.

40. Könn’n wir uns darin erkennen
in dem grad‘ skizzierten Bild? –
ernsthaft „Liebende“ uns nennen,
selbstlos, großherzig und mild?

41. Nein, so kann nur Gott uns lieben,
der sich gnädig zu uns neigt.
Wir soll’n uns in Liebe üben,
wie sie Jesus Christus zeigt.

42. Lasst mit ihm uns weiterstreben,
statt auf Lorbeern auszuruh’n,
denn grad Jesus sagte eben:
„Ohne mich könnt ihr nichts tun.“

43. Gott schuf uns als menschlich‘ Wesen,
jeden als sein eignes Kind,
hat als die uns auserlesen,
die zur Liebe fähig sind.

44. Jesus fasst für uns zusammen
– und die Kürze spricht für sich –
Worte, die uns soll’n entflammen:
„Lieb‘ den Nächsten so wie dich!“

45. Und der Paulus schreibt geduldig,
was es noch zu sagen gibt:
„Ihr seid niemand‘ etwas schuldig,
nur, dass ihr einander liebt.“

46. Auch sagt er, dass ganz am Ende
Glaube, Hoffnung, Liebe bleibt.
Gut, dass er den Satz behände
für uns in die Bibel schreibt!

47. Möge Frieden uns bewahren,
der in uns’re Herzen scheint.
Mögen Liebe wir erfahren,
ganz in Jesus Christ vereint.
Amen

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